Nachruf auf Gemälderestaurator Richard Lohe

Am 25. Mai 2013 verstarb der Gemälderestaurator Richard Lohe im Alter von 86 Jahren. Richard Lohe zeichnete eine starke, unbestechliche und von hohem
Verantwortungsgefühl geprägte Persönlichkeit aus, die ihn, gepaart mit seiner
restauratorischen Zurückhaltung, nie in Versuchung geraten ließ, trotz seines großen Könnens spektakuläre aber letztendlich unnötige Restaurierungen durchzuführen. Vielmehr sah er seine Aufgabe darin, den gesamten Sammlungsbestand, unabhängig von der Prominenz des einzelnen  Kunstwerkes, sorgfältig und gewissenhaft konservatorisch zu betreuen. Mit Richard Lohe verlieren wir eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die unseren Beruf während seiner Laufbahn nachhaltig mitgeprägt hat.

Nach dem Abitur und einem kurzen Militäreinsatz begann Richard Lohe 1945, im Hinblick auf seinen ursprünglichen Wunsch, Botanik zu studieren, eine Gärtnerlehre, die er 1947 mit der Gesellenprüfung abschloss. Letztlich aber doch in die Fußstapfen seines Vaters Hermann Lohe tretend absolvierte er im Anschluss daran bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen unter Hauptkonservator Andreas Sessig und begleitet von Zeichenunterricht an der Kunstakademie München eine vierjährige Ausbildung zum Gemälderestaurator.

Von 1951 bis 1954 arbeitete er als Privatrestaurator vornehmlich für Museen in Innsbruck Bozen und Meran, um sich in den anschließenden 3 Jahren an den Uffizien und an der Galerie der Kunstakademie in Florenz beruflich weiterzubilden. 1957 trat er in die Dienste der Staatsgalerie Stuttgart ein, wo man ihm 1960 die Position des Chefrestaurators übertrug. In diese
Zeit fällt auch eine dreimonatige Beratertätigkeit zur Einrichtung einer
Restaurierungswerkstatt in den Museen von Athen. Nach seinem Wechsel an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen 1965, wurde er zuständig für die
konservatorische Betreuung der Sammlungsbestände der Alten Pinakothek, 1970 zum Oberkonservator und 1974 zum Landeskonservator befördert.

Richard Lohe zeichnete eine starke, unbestechliche und von hohem
Verantwortungsgefühl geprägte Persönlichkeit aus, die ihn, gepaart mit seiner
restauratorischen Zurückhaltung, nie in Versuchung geraten ließ, trotz seines großen Könnens spektakuläre aber letztendlich unnötige Restaurierungen durchzuführen. Vielmehr sah er seine Aufgabe darin, den gesamten Sammlungsbestand, unabhängig von der Prominenz des einzelnen  Kunstwerkes, sorgfältig und gewissenhaft konservatorisch zu betreuen. Dies kam nicht zuletzt auch den alten und während seiner Amtszeit neueröffneten Filialgalerien im ganzen Freistaat Bayern zugute, die ihre Sammlungen in vorbildlicher Weise präsentieren konnten.

Wie sehr seine Kompetenz im Hause geschätzt wurde, zeigt sich u.a. an der
Tatsache, dass er zeitweilig sowohl zum Referenten der Alten Pinakothek wie auch zum Leiter der gesamten Restaurierungsabteilung bestellt wurde und
Generaldirektoren bei Neuerwerbungen als sachkundiger Berater begleitete.
Auch wenn er sich nicht direkt an verbandspolitischen Aktivitäten beteiligte, trug er mit der Vermittlung seines Könnens und seiner hohen beruflichen Ansprüche wesentlich zur Entwicklung unseres Berufes bei. Viele seiner Schüler bekleideten später leitende Positionen an wichtigen Museen. Mit Richard Lohe verlieren wir eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die unseren Beruf während seiner Laufbahn nachhaltig mitgeprägt hat.

Veronika Poll-Frommel
Bruno Heimberg