Denkmalpflege in Gefahr

Nie war die öffentliche Akzeptanz der Denkmalpflege so groß wie in diesen Tagen. Das zeigte eindrucksvoll der Tag des offenen Denkmals am 8. September 2013, bei dem bundesweit mehr als vier Millionen Bürger unterwegs waren, um mehr als 7500 geöffneten Kulturdenkmäler zu besichtigen, die sonst nicht oder nur sehr eingeschränkt öffentlich zugänglich sind. Trotz dieser Erfolgsmeldungen sollen die Denkmalfördermittel in einigen Bundesländern massiv gekürzt werden. Die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger warnt eindrücklich vor Kürzungen im Bereich der Denkmalfördermittel.


In Nordrhein-Westfalen ist die Situation besonders prekär. Dort sollen Fördermittel für die Sanierung von Kulturdenkmälern vollständig auf Darlehensbasis umgestellt werden. In Berlin soll künftig eine halbe Million Euro weniger pro Jahr für die Denkmäler ausgegeben werden, das ist ein Minus von etwa einem Sechstel. In Rheinland-Pfalz ist eine Kürzung um 700.000 Euro vorgesehen, in Bayern sind die Mittel seit 2010 um ca. 2,5 Millionen Euro gesunken (das entspricht 20 Prozent). In Sachsen-Anhalt sollen drastische Einsparmaßnahmen um 2 Millionen Euro bevorstehen.

„Diese besorgniserregende Entwicklung steht in einem grotesken Missverhältnis zu den sonstigen Einsparungen, die im Rahmen der Schuldenbremse in anderen Bereichen vorgenommen werden“, sagte Professor Gerd Weiß, Vorsitzender der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger. Neben den massiven Einsparungen bei den Fördermitteln sind es die personellen Engpässe, die sich in einigen Bundesländern noch weiter verschärfen sollen.

„Man kann sich nicht auf der einen Seite mit dem Wert und der Einzigartigkeit unseres historischen Erbes schmücken und gleichzeitig die Mittel zu seiner Pflege und seiner Erhaltung derart drastisch beschneiden“, so Weiß. Gerade den vielen ehrenamtlich tätigen Bürgern, die sich um den Erhalt der Kulturdenkmäler bemühen, würde so die Anerkennung des Staates entzogen.
Weiß ergänzte, nach außen wirke das, als wisse die eine Hand nicht, was die andere wolle. „Denn wo sonst als an den steinernen Zeugen unserer Geschichte sollen nachfolgende Generationen sowohl die Glanz- aber auch die Schattenseiten unserer Vergangenheit sinnlich nachvollziehbar erfahren können.“

Die Erfahrungen des diesjährigen Tages des offenen Denkmals hätten gezeigt, dass es insbesondere junge Menschen seien, die an Gedenkstätten und Mahnmalen aktive Erinnerungsarbeit leisteten. Sie stellten sich der Vergangenheit und gingen selbstbewusst und offensiv mit den dunklen Kapiteln der Geschichte und ihrer Vorfahren um.

Im Bildungs- und Vermittlungsauftrag aber erschöpfe sich der Stellenwert der Denkmalpflege keineswegs, fügte Weiß hinzu und verwies auf die Wirtschaftskraft denkmalpflegerischer Maßnahmen. Die positiven Auswirkungen von Investitionen im Altbaubereich auf die mittelständische Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen werde immer wieder unterschätzt. Wichtig sei auch der Beitrag der Denkmalpflege zum ständig wachsenden Wirtschaftszweig des Kulturtourismus, für den sie überhaupt erst die Grundlagen bilde. „Vor diesem Hintergrund möchte ich eindrücklich vor weiteren, unbedachten Kürzungen und nicht zu Ende gedachten Entscheidungen warnen“, sagte Weiß.  Die derzeitigen Entwicklungen in einigen Bundesländern seien Ausdruck einer durch nichts zu entschuldigenden Gleichgültigkeit gegenüber den Kulturleistungen und Zeugnissen unserer Vorfahren.