Altarflügel des Meister von Flémalle im Frankfurter Städel wird konserviert und restauriert

Ab Oktober 2014 erfährt mit dem Altarflügel Der Schächer zur Linken Christi ein zentrales Werk der Städelschen Altmeister-Sammlung eine umfassende Konservierung und Restaurierung. Die etwa ein Jahr in Anspruch nehmenden Arbeiten werden als Teil des Art Conservation Projects von der Bank of America Merrill Lynch gefördert. Das um 1430, auf Eichenholz gemalte Schächerfragment ist die obere Hälfte des rechten Flügels eines ansonsten nicht mehr erhaltenen, aber durch zahlreiche Kopien bekannten Altarretabels. Auf der ehemaligen Innenseite ist der „böse Schächer“ zu sehen, der mit Jesus gekreuzigt wurde, während auf der früheren Außenseite in einer Nische Johannes der Täufer als simulierte Skulptur dargestellt wird. Der Altarflügel ist dem „Meister von Flémalle“ zugeschrieben, der häufig als der in Tournai tätige Künstler Robert Campin angesehen wird.

Meister von Flémalle (Robert Campin) (um 1375–1444), Der Schächer zur Linken Christi, ca. 1430 (Foto: Städel Museum Frankfurt a.M.)

Die im Oktober beginnende Konservierung und Restaurierung gilt vornehmlich dem als Goldbrokat gestalteten Hintergrund des Werkes. Dessen ursprüngliche Reliefstruktur ist im heutigen Zustand durch zahlreiche Materialverluste und spätere Überarbeitungen nicht mehr zu erkennen. Der originale Goldgrund zählt zu den ersten bekannten Anwendungen der sogenannten Pressbrokat-Technik in niederländischen Gemälden. Diese anspruchsvolle Technik simuliert auf eindrucksvolle Weise räumliche Wirkung und stoffliche Materialität. Das Hauptaugenmerk der Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen liegt auf der verbesserten Sichtbarkeit des reliefartigen Goldgrundes.

„Der Altarflügel, der sich seit 1840 in der Städelschen Sammlung befindet, gehört zu den Schlüsselwerken unserer Alte Meister-Sammlung“, sagt Max Hollein, Direktor des Städel Museums. Die Konservierung und Restaurierung des Altarflügels Der Schächer zur Linken Christi wird in der Werkstatt für Gemälderestaurierung im Städel Museum unter Leitung von Stephan Knobloch realisiert und voraussichtlich im Oktober 2015 abgeschlossen sein. Für dieses Projekt konnte zudem Diplomrestauratorin Annegret Volk gewonnen werden, die auch die wissenschaftliche Recherche durchführen sowie das Konservierungs- und Restaurierungskonzept umsetzen wird. So kann das bedeutende Altarwerk zum 200-jährigen Bestehen des Städel Museums im Jubiläumsjahr 2015 der ältesten und bedeutendsten Museumsstiftung dem Publikum wieder präsentiert werden.

„Meister von Flémalle“
Der „Meister von Flémalle“ ist – neben Rogier van der Weyden und den Brüdern van Eyck – für die Entstehung und Entwicklung der frühen niederländischen Malerei von herausragender Bedeutung. Diese Namen stehen aufgrund der sich damals durchsetzenden Maltechnik in Öl für die künstlerische Entdeckung der sichtbaren Welt, die fortan in bis dahin ungesehen realistischer Art und Weise umgesetzt werden konnte. Diese revolutionäre Malerei in den Niederlanden Anfang des 15. Jahrhunderts markiert mit ihrer detailgetreuen Wirklichkeitswiedergabe den Beginn der frühneuzeitlichen Kunst.