Tabubruch – VDR gegen Veräußerung von Kunstwerken

Im November wurden die beiden Bilder von Andy Warhol "Triple Elvis" und Four Marlons" bei Christie's in New York für rund 151,5 Millionen Dollar versteigert. Der Verkauf der Bilder, die in den Siebziger Jahren zum Schmuck der Aachener Spielbank gekauft worden waren und dem Land NRW gehören, war hoch umstritten. Kritiker befürchten, dass dies der Einstieg zum Verkauf der landeseigenen Kunst sein könnte, um Haushaltslöcher zu stopfen. Nun möchte Medienberichten zufolge auch der Westdeutsche Rundfunk knapp 600 Kunstwerke veräußern. Der Verband der Restauratoren (VDR) e.V. sieht hierin einen klaren Tabubruch.

Kunst in öffentlicher Hand darf nicht auf ihren Marktwert reduziert und als Handelsware missbraucht werden.

 

Für 155 Millionen Euro kamen Anfang November die Gemälde „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ aus dem Besitz eines landeseigenen Unternehmens in NRW unter den Hammer. Trotz harscher Kritik aus Fachkreisen wurde mit dieser Versteigerung ein Tabu gebrochen. 

In den ICOM-Standards und im Leitfaden des Deutschen Museumsbundes ist seit langem festgeschrieben, dass jede kommerzielle Veräußerung von Kunst und Kulturgut aus öffentlichen Sammlungen ausscheidet. Mit dem nun geplanten Verkauf von Kunstwerken aus Besitz des Westdeutschen Rundfunks droht der Ausverkauf von Kunstwerken Schule zu machen.

VDR-Präsident Christian Leonhardt warnt: „Andere öffentliche Einrichtungen mit knappen Kassen dürfen nicht animiert werden, ihre Sammlungen zu Geld zu machen. Als Berufs- und Fachverband, der sich maßgeblich für den Schutz unseres gemeinsamen Kulturerbes einsetzt, fordert der VDR alle öffentlichen Eigentümer von Kunstwerken und Kulturgütern dazu auf, mit diesem Eigentum verantwortungsbewusst umzugehen. Güter, die aus Steuergeldern finanziert wurden, dürfen nicht  dem spekulativen Kunstmarkt preisgegeben werden. Sie müssen für die Gesellschaft zugänglich bleiben und dürfen nicht unkontrolliert in Privatsammlungen verschwinden. Die öffentlichen Einrichtungen haben den Auftrag zum Sammeln und Bewahren. Diesem ist uneingeschränkt nachzukommen.“