Neue Zwischenbilanz von "Kunst auf Lager"

Aus Anlass seines einjährigen Bestehens hat das neue Bündnis zur Erschließung und Sicherung von Museumsdepots "Kunst auf Lager" Ende Februar seine zweite Bilanz vorgelegt. Insgesamt flossen in den vergangenen Monaten rund 3,9 Mio. Euro in Projekte, die sich der Rettung verborgener Schätze in öffentlichen Sammlungen verschrieben haben. Auch viele Restaurierungsprojekte von VDR-Mitgliedern werden gefördert.

  

Die Fördersummen werden durch Bündnispartner im Rahmen individueller Programme bereit gestellt. Damit können weitere 34 Vorhaben in den Bereichen Restaurierung, Konservierung, Inventarisierung und Forschung unterstützt sowie Baumaßnahmen und Verbesserungen der Infrastruktur in Museumsdepots ermöglicht werden. Schimmel und Gifte, Beschädigungen, Verschmutzungen, eine unzureichende Lagerung oder Umzüge haben vielen einzigartigen Kulturschätzen oft stark zugesetzt.

 

Ein Beispiel ist der wertvolle Bestand der Jüdischen Gemeindebibliothek Hamburg, der durch Beschlagnahmung, Plünderung, Zerstörung und Umlagerungen erheblich gelitten hat und nun mit Mitteln der ZEIT-Stiftung und der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG restauriert und erschlossen wird. Kostbare orientalische Handschriften aus der Sammlung des Linden-Museums Stuttgart und mittelalter­liche Bucheinbände, die sich im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek München befinden und in den vergangenen Jahrhunderten umgearbeitet, beschädigt und verschmutzt wurden, konnten mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung konserviert und restauriert werden. Die Stiftung engagiert sich, ebenso wie die VolkswagenStiftung, auch für das Forschungsprojekt Sammlungen erhalten, welches die Auswirkung klimatischer Bedingungen auf Exponate und Gebäude untersucht und die Ergebnisse Ende 2015 vorstellen wird.

Allein 1,3 Mio. Euro investiert die VolkswagenStiftung in die Förderung junger MuseumswissenschaftlerInnen, die alte Sammlungsbestände erforschen, darunter Werke und Schriften des Konzeptkünstlers Marcel Duchamp (1887–1968), die in der Staatsgalerie Stuttgart lagern, und früharabische Dokumente des 7.– 8. Jahrhunderts aus der Papyrussammlung der Universität Heidelberg. Ebenso unterstützt die Gerda Henkel Stiftung wissenschaftliche Vorhaben, darunter aktuell die Aufarbeitung der weltweit umfangreichsten Dokumentation zu Sammlungsobjekten, Trachten und Kunst der mongolischen und tibetischen Kultur am Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn.

Die systematischen Erfassung und Aufarbeitung des Nachlasses von El Lissitzky (1890–1941) im Sprengel Museum Hannover oder der Bestände der Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard in Jesteburg wird von der Stiftung Niedersachsen finanziert. Im restauratorischen Bereich unterstützt die Stiftung unter anderem die Instandsetzung ausgewählter Stücke der wertvollen historischen Instrumentensammlung der Familie Grotrian-Steinweg im Städtischen Museum Braunschweig.

Die Wüstenrot Stiftung engagiert sich vorrangig für vernachlässigte Sammlungsbestände der Moderne. Dazu zählen das umfangreiche Archiv von Hanns Sohm (1921-1999), weltweit wichtigste Sammlung und Forschungsstelle für die interme­diären Kunstphänomene der 1950er-1970er Jahre in der Staatsgalerie Stuttgart, der Nachlass des Künstlers Hans Fähnle (1903–1968) in Überlingen und das Gerhard Marcks Haus in Bremen, das sich dem Erbe eines der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts widmet. Hier wird, ebenfalls mit Unterstützung der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, die Einrichtung eines Grafik-Depots gefördert, welches die optimale Lagerung von 12.000 Handzeichnungen und 1.000 Blatt Druckgrafik ermöglicht. Ähnlich beeindruckend ist der Nachlass von Gerhard Altenbourg (1926–1989) in dem von ihm selbst als Gesamtkunstwerk gestalteten Haus in Altenburg. Auch hier fördert die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG bessere Lagerbedingungen und die Erschließung der Sammlung.

Die umfangreiche Instandsetzung des Hildesheimer Doms und seiner Schätze anlässlich des 1200-jährigen Bistumsjubiläums in 2015 wird von der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Niedersäch­sischen Sparkassenstiftung unterstützt, wobei sich ein Überraschungsfund in Form eines wertvollen mittelalterlichen Holzmosaikkästchens auftat.

Aktuelle Ausstellungen sind auch Anlass für die Förderung von Restaurierungsvorhaben durch die Kulturstiftung der Länder. Sie ermöglicht beispielsweise die Aufarbeitung von Raritäten aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin, die momentan nicht ausstellungsfähig sind, aber we­sentlich zum Verständnis der geplanten Schau „Ein Gott – Abrahams Erben am Nil“ (April–September 2015) beitragen werden, oder auch die Restaurierung ausgewählter Werke für eine Retrospektive zum 100. Geburtstag von Paul Schneider-Eisleben, einem der bedeutendsten Architekten der Nach­kriegszeit an der TU München (Juli–Oktober 2015).

 

HINTERGRUND
Dem Bündnis KUNST AUF LAGER gehören derzeit 14 private und öffentliche Einrichtungen an, die sich bereits seit Jahren für die Erschließung, Erforschung und Sicherung öffentlicher Sammlungen einsetzen und ihrem Engagement seit Februar 2014 eine gemeinsame Stimme geben. Durch die Auf­arbeitung, Instandsetzung und wissenschaftlichen Erforschung wertvoller Objekte aus den Museums­depots wird ihre Erst- oder Neu-Präsentation in Museen und auf Online-Portalen erst möglich. KUNST AUF LAGER möchte dieses Thema in die Öffentlichkeit tragen, weitere Förderer motivieren, sich dem Bündnis anzuschließen und Politik und Verwaltung davon überzeugen, Zeit und Geld in die nicht sichtbaren Fundamente der Museen zu investieren.

Im dezentral organisierten Bündnis entscheiden die Stiftungen gemäß ihrer individuellen Förderricht­linien und –fristen. Die Fördermaßnahmen richten sich an Kunstmuseen ebenso wie an Heimat- und volkskundliche, naturwissenschaftliche und technische Museen.

Website des Bündnisses: www.kunst-auf-lager.de

 

HINWEIS
Gesprächsreihe auf DEUTSCHLANDFUNK zum Thema KUNST AUF LAGER unter:

http://www.deutschlandfunk.de/gespraechsreihe-kunst-auf-lager-retter-der-verborgenen.691.de.html?dram:article_id=306670

 

Quelle: Pressemeldung Artefakt für "Kunst auf Lager"