„Es geht um eine Neustrukturierung der VDR-Publikationen"

Auf den letzten beiden Vorstandssitzungen wurde intensiv über die VDR-Publikationen diskutiert. Ein Augenmerk lag hierbei insbesondere auf der Verbandszeitschrift „Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut“, die seit 2003 vom VDR herausgegeben, zweimal jährlich erscheint. Doch weshalb beschäftigt man sich derzeit so intensiv mit der Publikationslandschaft? Im Interview gibt Dr. Jan Raue, Vizepräsident des VDR, Auskunft.

Jan Raue spricht im Interview über Qualität, Recht, Kosten und Mitgliederwünsche.

 

VDR aktuell: Herr Raue, Sie sind Publikationsbeauftragter im Präsidium des VDR, was bedeutet die Zeitschrift „Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut“ Ihnen persönlich?

Jan Raue: Es ist ein Fakt: Die „Beiträge“ sind ein wichtiges Instrument des fachlichen Austauschs innerhalb der Mitgliedschaft des VDR. In ihrem fachlich und gestalterisch qualitätsvollen Auftritt wirken sie, so finde ich, identitätsstiftend. Hier hat die Redaktion inhaltlich stets eine hervorragende Arbeit geleistet, die einfach Wertschätzung verdient. Im Laufe der Jahre hatte ich selbst zwei Artikel darin und genoss dabei sehr die gute redaktionelle Betreuung. Alle Hefte stehen lückenlos in meinem Regal, ich freue mich an dem Wert, ich nutze sie, würde sie gern noch mehr nutzen.

Worum dreht sich denn die aktuelle Diskussion über die „Beiträge“?

Es geht keineswegs darum, die „Beiträge“ gesondert herauszugreifen, um etwa bestehende Qualitäten in Frage zu stellen. Im Gegenteil: Es geht dem Verband um eine Neustrukturierung der gesamten Publikationslandschaft einschließlich Themenbände, Newsletter und Homepage, um zeitgemäßen Kommunikationswegen gerechter zu werden. Die „Beiträge“ sind ein wichtiger Eckstein in dem Gefüge. So wünscht der aktuellen Umfrage zufolge, - wir werden darauf zurückkommen, - eine Mehrheit der Mitglieder auch online auf Inhalte der „Beiträge“ zugreifen zu können. Wäre es nicht praktisch, wenn man im Netz nach Schlagwörtern suchen und so neue Hefte besser nutzen und sogar alte wieder „lebendig“ machen könnte? Hier sollten Mitglieder zukünftig selbst entscheiden können, welche Erscheinungsformen ihren individuellen Bedürfnissen jeweils am besten entspricht.

Sie spielen auf eine mögliche zukünftige parallele Erscheinungsform als Online- und Print-Version an. Wären damit schon alle aktuellen Fragen gelöst?

Es ist ein Dreisatz, den wir zu lösen haben. Es geht um die Wirtschaftlichkeit, es gilt innerhalb des Verbands konsequent und gerecht zu handeln, und wir haben ein Wahrnehmungsproblem in der Öffentlichkeit außerhalb des VDR. Es hat sich da über die Jahre einiges angesammelt. Wir müssen jetzt mit Entschlusskraft und Fingerspitzengefühl neu justieren. Teilaspekte sind in der Vergangenheit immer schon einmal thematisiert worden. Nun muss eine Lösung gefunden werden, die, unter Erhaltung bewährter Qualitäten, in mehrfacher Hinsicht Verbesserungen bringt.

Nehmen Sie uns mit: Was sollten die VDR-Mitglieder über die einzelnen Punkte wissen?

Uns ist bewusst, dass den Mitgliedern die „Beiträge“ lieb und teuer sind. Doch auch bei einem liebgewordenen Produkt sind wirtschaftliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Die bisherigen Kosten für die „Beiträge“ sind seit Jahren auf einem vergleichsweise sehr hohen Niveau, Bsp. Abrechnungszeitraum 2013, inklusive Portokosten für den Versand an die Mitglieder: 63.500,- Euro (ich merke dabei ganz ausdrücklich an, dass die Redaktion komplett ehrenamtlich arbeitet). Nach allem was man hört, liegt in der Summe ein erhebliches Einsparungspotenzial.

Zwischenfrage: Worüber reden wir?

Das konkretisiert sich, sobald Vergleichsangebote vorliegen, und wir wollen nicht vorgreifen. Jetzt schon zeichnet sich aber ab, dass sich die Ausgabe u.a. durch Anbieten mehrerer Leistungen aus einer Hand, um Größenordnungen im fünfstelligen Bereich reduzieren lässt. Ist eine so deutliche Kostenersparnis – immer einen vergleichbaren Qualitätsstandard vorausgesetzt – realistisch, muss der Verband im Sinne seiner Mitglieder darauf reagieren! Zumindest fällt mir kein vernünftiger Grund ein, der dagegen spricht. Es ist vollkommen üblich, dass Ausgabenpositionen alle paar Jahre auf den Prüfstand kommen, auch wenn man mit der Qualität der gelieferten Leistungen zufrieden ist. Vielleicht können sogar dieselben bewährten Anbieter inzwischen ein günstigeres Angebot machen? Das Präsidium als oberstes gewähltes Organ des VDR ist in jedem Fall dem wirtschaftlichen Umgang mit dem Geld der Mitglieder verpflichtet. Niemand kann es aus dieser Verantwortung entlassen.

Fehlt es dem Verband an Geld?

Nein. Und das, obwohl wir seit vielen Jahren stabile Mitgliedsbeiträge haben und daran festhalten, trotz gewachsener Aktivitäten auf vielen Gebieten. Wir sind und bleiben zur Erfüllung unserer Verbandsziele handlungsfähig, wenn das Vorhandene klug und gerecht verwendet wird. Jedoch beansprucht keine andere Einzelaktivität des VDR ein so hohes und in dem Fall, so der Eindruck, nicht mehr marktübliches Budget. Dass die Zeitschrift für die Mitglieder „kostenlos“ ist, stimmt nur scheinbar, – wenn wir uns an dieser Stelle nicht um gerechte Kostenverteilung bemühen, fehlen uns anderswo Mittel für Aktivitäten des VDR für seine Mitglieder, nehmen wir nur Fachtagungen, wie etwa die kommende zurundefined Kunst der Reformation in Wittenberg als ein Beispiel. Man muss diese Dinge im Zusammenhang sehen.

Aber auch für Fachtagungen entstehen dem Verband doch Aufwendungen?

Damit wären wir beim zweiten Stichpunkt. Was ist ein give-away für Mitglieder, was nicht? Die Zeitschrift, so hochwertig wie sie zum Glück ist, kann nicht mit einer Anstecknadel oder einem Kugelschreiber gleichgesetzt werden. Grob gesagt, je höher die Kosten, je größer der Wert, desto pingeliger muss die interne Abrechnung erfolgen. Rechtliche Rahmenbedingungen sind oft kompliziert und führen unter Umständen zu vielleicht anfangs spitzfindig anmutenden Fragestellungen, wie: Welche Kriterien muss eine Zeitschrift erfüllen, um satzungsgemäß als eine an die Mitglieder abzugebende Verbandszeitschrift behandelt zu werden? Man muss das klären. Und genau das tun wir gerade. Auf Dauer müssen Rahmenbedingungen eingehalten und Kosten gedeckt sein. Ein Verband ist nicht völlig frei, mit dem Geld der Mitglieder zu tun und zu lassen, was ihm gefällt, es gibt da gesetzliche Vorgaben.

Stehen die „Beiträge“ mit dieser Fragestellung allein auf weiter Flur?

Ganz und gar nicht, nur an den meisten anderen betroffenen Stellen sind wir schon erheblich weiter. Seit nun zwei Jahren haben wir es geschafft, das Prinzip der Kostendeckung bei den Veranstaltungen der Fachgruppen durchzusetzen – und oft genug ist es schmerzhaft für eine engagierte Gruppe, wenn die Mitglieder für die eigene, selbst organisierte Tagung auch noch einen Obolus als Eintritt entrichten müssen. Das ist hart, zumal die Teams auch in diesen Fällen alle Leistungen ehrenamtlich erbringen! Aber im Interesse gesunder Verbandsfinanzen hat sich das Prinzip durchgesetzt und wird akzeptiert. Das ist eine klare Konsequenz aus den rechtlichen Rahmenbedingungen. – Einen einzigen Teil unserer Aktivitäten davon auszunehmen, wäre also einerseits ungerecht, andererseits inkonsequent.

Ob auf Tagungen oder „im stillen Kämmerlein“ – Restauratorinnen und Restauratoren produzieren wissenschaftlichen Mehrwert. Wie will der VDR dies nach außen sichtbar machen?

Die „Beiträge“ sind ein perfektes Forum dafür! Aber, dritter Punkt: Was nach „innen“ so gut funktioniert, lässt nach „außen“ leider noch zu wünschen übrig. Mit seit Jahren nur sehr wenigen Abonnements im niedrigen zweistelligen Bereich außerhalb des VDR erscheint die Nachfrage aus der Fachwelt für unsere Zeitschrift gering. Auf diesen Punkt fokussiert, wird ein sehr hoher Betrag für einen mageren Nutzen in der Öffentlichkeit aufgewendet. Sicher, die schlechte finanzielle Lage der öffentlichen Bibliotheken trägt dazu bei, und manches Exemplar mag von einem VDR-Mitglied kostenlos an Fachkolleginnen und -kollegen von außerhalb zum Lesen weitergegeben werden: Aber kann uns das wirklich zufriedenstellen? Muss nicht auch das ein Impuls sein, neu zu strukturieren? Auch Hochschulbibliotheken wollen und müssen aktuell auf Online-Angebote umstellen – wie sollten wir da mit unseren Angeboten abseits stehen?

Die Inhalte sind es also nicht, die Ihnen Sorgen machen?

Die Inhalte werden nicht in Frage gestellt. Die „Beiträge“ sind eine hochwertige, in sich geschlossene und stimmige Fachpublikation, die sich durch Nähe zum fachlichen Geschehen auszeichnet. Der rührigen ehrenamtlichen Redaktion unter Leitung von Dr. Cornelia Weyer, unterstützt vom renommierten wissenschaftlichen Beirat, sei dafür großer Respekt gezollt! Aber zumindest eine Anregung sei vielleicht gestattet: Ist die bunt gemischte Vielfalt der Themen pro Heft, einst gewollt als Ausweis fachlicher Breite, noch zeitgemäß oder sollten nicht zumindest hin und wieder Hefte mit thematischen Schwerpunkten erscheinen? So gesehen ist es immer richtig, alle paar Jahre das eigene Tun zu hinterfragen – und zwar indem man die Meinung der Leser einholt.
Das haben wir gemacht, indem wir Anfang Juni eine Mitgliederumfrage auf den Weg gebracht haben. Damit können wir schauen, wo wir nachbessern sollten, uns Anregungen für Neues holen, Arbeitsweisen überdenken, und das für die „Beiträge“, die Themenbände des VDR und für den VDR-Newsletter.

Worum geht es bei der Umfrage? Was ist das Ziel?

Die Meinung der Mitglieder ist uns sehr wichtig. Diese muss neben finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen unbedingt Berücksichtigung finden. Denn als Verband wollen wir für unsere Mitglieder da sein. Genauso interessiert es uns, was den Lesern besonders gefällt und wo noch Wünsche offen sind. Das inhaltliche Feedback wird uns dabei helfen, alle Medien des VDR in ihrem Zusammenspiel besser aufeinander abstimmen zu können und ganz allgemein besser werden zu lassen. Daran wollen und müssen wir arbeiten. – Danke an die 524 Mitglieder, die sich beteiligt haben und das unterstützen!

Werden in der Umfrage auch Ideen zur Verbesserung der Öffentlichkeitswirkung des VDR abgefragt?

Dringender Wunsch ist es, dass unsere Medien – ob in gedruckter oder digitaler Form – auch über die Berufsgruppe hinaus Beachtung finden. Dabei werden wir auch in Zukunft kein größeres Budget zur Verfügung haben, sondern müssen schauen, wie wir mit dem bestehenden optimale Inhalte schaffen mit maximaler Wirkung – in einem rechtlich und finanziell soliden Rahmen. Erste Schritte haben wir mit den Imagebroschüre und den Flyern vollzogen, die auch nach außen gehen, weitere Schritte sind die Überarbeitung und die Erweiterung der VDR-Website – wobei die Erweiterung bereits fertiggestellt ist und die Überarbeitung der bestehenden Website bis Ende des Jahr umgesetzt sein wird.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie auch berufspolitische Informationen und solche aus dem Verbandsleben besser den Weg zu den Mitgliedern finden?

Dafür würden wir uns in Zukunft ein zusätzliches Medium wünschen – eine in jeder Hinsicht typische Verbandszeitschrift, die die positiven Seiten unseres Berufs genauso wie die Alltagsprobleme zeigt. Der VDR ist kein reiner Fachverband, wir haben einen starken Stand als Berufsverband. Es wäre dann ein Medium, das auch anspricht, unter welchen Umständen hierzulande Restaurierungen von Angestellten und Selbständigen ausgeführt werden und wie man prekäre Situationen verbessern kann. Nur wenn die berufliche Basis stimmt, können Restauratoren auch forschen und publizieren! Diesen Gedanken kann man nicht trennen von unser aller Unterstützung für das Weiterbestehen der „Beiträge“ mit ihrer rein wissenschaftlichen Ausrichtung. Mit einer ergänzenden Verbandszeitschrift, – immer vorausgesetzt, sie ist von den Mitgliedern gewünscht und finanzierbar –, könnten wir darüber hinaus das Image unseres Berufsstandes weiter verbessern. Der digitale Newsletter ist ein guter Baustein und bei den Mitgliedern gut eingeführt. Ihn kann man aber z.B. auf einer Messe keinem Interessenten in die Hand drücken. Viele Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, selbst in der Kultur, aber auch manche private Eigentümer von Denkmalen und Kunstwerken erreichen wir nämlich bisher mit unserer reinen Fachpublikation „Beiträge“ leider nicht.

Was ist Ihnen wichtig für die kommenden Wochen?

Ich wünsche mir, dass wir das Wertvolle, das wir im Restauratorenverband haben, erkennen und entsprechend handeln. Dazu gehört viel, in jedem Fall auch die „Beiträge“. Mindestens so wertvoll ist aber ebenso der respektvolle, wertschätzende Umgang miteinander. Was wir vermeiden sollten: dem ehrlichen Bemühen um vernünftige Lösungen unlautere Absichten zu unterstellen.

Daher zum Schluss provokativ gefragt: Der VDR arbeitet also nicht daran, die „Beiträge“ „abzuschaffen“?

Nein. Auch dadurch, dass diese Behauptung gegenwärtig hier und da aufpoppt, gewinnt sie nichts an Substanz. Legt man die eindeutige Beschlusslage der letzten beiden Vorstandssitzungen zugrunde, kann man nur annehmen, sie entstammt Besorgnis aus Unkenntnis. Das ist ernst zu nehmen, daher hier noch einmal: Am beschlossenen Ziel der dauerhaft tragfähigen Sicherung der „Beiträge“ wird festgehalten, jedoch, so der klare Auftrag des Vorstands: medial moderner, somit wirksamer und dabei wirtschaftlicher. Am besten ist dem Anliegen mit strukturierter und ergebnisorientierter Mitarbeit im dafür autorisierten Gremium, dem Arbeitsausschuss Öffentlichkeitsarbeit/Publikationen, gedient. Dort sind auch die Redaktionsmitglieder vertreten, es finden dort alle Ideen, Vorschläge und Sorgen Gehör. An dem Prozess wird auch der Beirat der „Beiträge“ beteiligt, der sich sehr für gute Lösungen engagiert. Und es fließen natürlich auch die Ergebnisse der aktuellen Umfrage ein. Für all das müssen wir uns die nötige Zeit nehmen. Schließlich soll der nächsten Mitgliederversammlung ein tragfähiges Konzept zur Abstimmung vorgelegt werden.
Die Problemlage ist geschildert: Zur Mitwirkung sind alle Interessierten herzlich eingeladen!

  

Das Interview führte Patricia Brozio.
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