Nachruf auf Ernst Steffny - Ein Leben für die Kunst

Am 28.06.2015 ist der Grabungstechniker und Restaurator, Ernst Steffny in seinem letzten Wohnsitz Kelsen bei Trier verstorben. Als ein sehr frühes Mitglied der ATM (Arbeitsgemeinschaft Technisches Museumspersonal) war Steffny über Publikationen und seine restaurierungstechnologischen Entwicklungen einem großen Kollegenkreis bekannt geworden.

  

1992: Zum 30jährigen Dienstjubiläum im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Trier wird Ernst Steffny durch den damaligen Museumsdirektor Dr. Winfried Weber gratuliert.

Ernst Steffny, Jahrgang 1934 und jüngstes von sechs Geschwistern wurde in Trier geboren. Wie für die Restauratoren der „alten Garde“ üblich, kam auch Ernst Steffny über eine handwerkliche Ausbildung zur Restaurierung. Mit gerade einmal 13 Jahren erlernte er kurz nach Kriegsende 1947 bei der Firma Louis Kieffer in Trier den Beruf des Kirchenmalers und Vergolders. Der frischgebackene Geselle ging dann 1950 auf die „Walz“, arbeitete in Koblenz und wieder in Trier, wo er unter anderem Vergoldungsarbeiten in der Kapelle des Mutterhauses in Trier übernahm.

Zu einer nachfolgenden Anstellung in einer Figurenfabrik in Drolshagen (Olpe) sagte er: „Die Arbeit gefiel mir sehr gut, aber aus familiären Gründen musste ich nach drei Jahren zurück nach Trier.“ Er fand eine Anstellung als Hausmeister im Josefsstift Trier, dem „Nonnenkloster“. Die ehrwürdigen Schwestern suchten jemanden, der ihren Altar und die Kapelle restaurieren konnte, da kam Ernst Steffny wie gerufen.

1962 suchte das Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum in Trier und auch das Landesmuseum einen Restaurator. Ernst Steffny entschied sich für die Kirche, da er es hier mit Kirchenkunst zu tun hatte, welches mehr seiner Ausbildungsrichtung entsprach.

Ernst Steffny war seit 1962 bei der ATM aktiv. Als engagiertes Mitglied hat er entschieden bei den damaligen Tarifverhandlungen für die Berufsgruppe der Restauratoren und Präparatoren mitgewirkt, und 1968 zu deren Abschluss beigetragen. Im VdR (Verband der Restauratoren e. V) war Ernst Steffny in mehreren Fachgruppen aktiv (Wandmalerei, Gemälde, Skulptur und Grabungstechnik, damals noch Bergungstechnik).

Als Restaurator und Grabungstechniker war er dazu gezwungen innovativ zu arbeiten. Viele der heute üblichen restaurierungstechnologischen Arbeiten mussten erst noch entwickelt oder publiziert werden. Das änderte die damals gegründete ATM. Es sollte Wissen für Kolleginnen und Kollegen öffentlich gemacht und neue Techniken diskutiert werden.

Ernst Steffny veröffentlichte selbst einige grundlegende Publikationen über von ihm entwickelten Restaurierungstechniken an römischer Wandmalerei. Unmittelbar nach seiner Einstellung im Bischöflichen Museum wurde er zu Grabungen im Dom zu Trier eingeteilt. Die damals schon 1946 unter Museumsdirektor Dr. Kempf entdeckte römische Wandmalerei und die damit verbundene Bergung wurde durch Ernst Steffny fortgeführt. Er erlernte archäologisches Zeichnen und spezialisierte sich kurzfristig auf das Restaurieren der ausgegrabenen Malerei. Diese damals begonnenen Grabungen wurde sein Lebenswerk. Die entdeckte weltweit einzigartige konstantinische Deckenmalerei aus dem Jahre 330 nach Chr. setzte er ab 1972 in akribischer Kleinstarbeit zusammen. Die von Ihm entwickelte Technik, aus 35.000 Bruchstücken diese Malerei zusammenzusetzen, ermöglichte eine bis heute einmalige Rekonstruktion eines Prunksaales der damaligen römischen Provinz Trier (Augusta Treverorum). Für das Deckenfresko mit insgesamt 15 Einzelbildern (Größe ca. 10 m  x 7 m) galt es pro Bild bis zu 3.000 Teile zusammenzusetzen.

1984, zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Trier, gelang es Ernst Steffny die Deckenmalerei (bis auf ein Bild) als Ganzes zu präsentieren. Komplett zusammengesetzt ist die Decke seit 1988 im neueingerichteten heutigen Museum am Dom Trier in einem eigens speziell gestalteten Raum zu sehen.

Dieses Lebenswerk wurde 1985 entsprechend honoriert. Ernst Steffny erhielt vom damaligen Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel für die Restaurierung der Deckenmalerei den Großen Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.

Nach 35 Jahren im Bischöflichen Museum hat Ernst Steffny neben der Deckenmalerei auch andere zahlreiche Kleinodien restauriert. Unter anderem die Figuren und Chorschranken in St. Gangolf (Trier) und das Fresko mit Kreuz in St. Maximin (Trier), im heutigen Museum am Dom in Trier zu besichtigen.

1997 ging er in den wohlverdienten Ruhestand. Doch auch in seinem Landsitz in Kelsen wurde es Ihm nicht langweilig. Hier restaurierte er weiter Heiligenfiguren, Wegkreuze und diverse Kunstobjekte, war als Heimatforscher und ehrenamtlicher Denkmalpfleger tätig. „Die Erhaltung alter Kulturgüter liegt mir am Herzen“, so seine Aussage.

Ernst Steffny hat für seine Arbeit gelebt, er hat sie geliebt. Die Ihm verbundenen Kolleginnen und Kollegen verlieren einen engagierten Freund und besonderen Menschen.

In Gedenken, seine Familie.

Text: Thomas Steffny,  Sohn des Verstorbenen,
Restaurator und Grabungstechniker
München den 24.07.2015