"Der Taubert" - Neuauflage eines Klassikers

Das Buch "Farbige Skulpturen" von Johannes Taubert ist ein Klassiker. 1978 erstmals erschienen, ist es eines der Grundlagenwerke im Bereich der Skulpturenrestaurierung. Das lange Zeit vergriffene Buch ist jetzt vom Callwey Verlag zusammen mit dem J. Paul Getty Trust neu herausgegeben worden. Für den VDR hat sich Dipl.-Restauratorin Iris Herpers "den Taubert" in seiner Neuauflage angeschaut und eine Rezension verfasst.



Die vom Kunsthistoriker und Restaurator Johannes Taubert stammenden Texte in „Farbige Skulpturen: Bedeutung, Fassung, Restaurierung“ erschienen 2015 als dritte Auflage im Verlag Georg D.W. Callwey München. Diese neue Auflage wurde gleichzeitig mit einer englischen Fassung des Getty Conservation Instituts herausgegeben. Michele D. Marincola, Professorin am Conservation Institute in New York schrieb für die deutsche Ausgabe eine Einleitung, kommentierte die Texte sowie ergänzte Literaturhinweise. Grundlegend basiert das Buch auf der 2. Ausgabe von 1983. Die 3. Auflage konnte von 208 auf 234 Seiten erweitert werden. Eine Erstausgabe wurde von Gesine Taubert1978 drei Jahre nach dem Tod des Autors unter dem gleichen Titel veröffentlicht.

Bahnbrechend für die Restaurierung von Skulpturen und Plastiken war seine Arbeit in der Mitte des 20. Jahrhunderts, indem er wissenschaftliche Beweise aufzeigte, dass die Farbfassung und Oberflächengestaltung der Werke eine wesentliche Bedeutung haben, einen zeittypischen Wandel der Darstellungsformen dokumentieren sowie einen differenzierten liturgischen Kontext. Dieses reich mit farbigen Bildern erweiterte Werk stellt anhand zahlreicher Beispiele die Wichtigkeit der Erhaltung des Kulturgutes heraus und appelliert an den Leser durch akribische Voruntersuchungen vorangegangene fehlerhafte Restaurierungen nicht zu wiederholen. Darüber hinaus zeigt Johannes Taubert die Wichtigkeit auf für eine enge Zusammenarbeit von Kunsthistorikern und Restauratoren.
 
Das Werk gliedert sich nach dem kurzen Vorwort von Christine Kowalski, der fünfseitigen Einleitung von Michele D. Marincola und dem Vorwort zur ersten Ausgabe von Paul Philippot in zwei Teile:

Teil I. Zu kunstwissenschaftlichen Problemen

Hier werden in zehn Artikeln technologische Besonderheiten im Hinblick auf kunstwissenschaftliche Fragen chronologisch von romanischen Skulpturen bis Rokoko Skulpturen dargelegt, die teilweise von Eike Oellermann und Gesine Taubert ergänzt wurden.

Teil II. Zu technischen befunden und Restaurierungsfragen

In sieben Schwerpunktthemen wird auf die Holzkonservierung und Skulpturrestaurierung eingegangen. Restaurierungsbeispiele zu dem Forstenrieder Kruzifix, dem Nördlinger Hochaltar und Hochaltar St. Jakob in der Rothenburg ob der Tauber von Friedrich Herlin und dem Kruzifix von Ignaz Günther aus Altmannstein legen Pionierleistungen dar. Johannes Tauberts Ausführungen werden von seinen Kollegen der Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Fritz Buchenrieder und Karl-Werner Bachmann erweitert.

Im Anschluss ist das Literaturverzeichnis  von 1983 gedruckt. Es schließen sich die kapitelweisen Anmerkungen von Michele D. Marincola an, danach folgen die ergänzenden aktualisierten Literaturangaben von Michele D. Marincola, ein neu überarbeitetes Glossar der Fachbegriffe, Danksagung von Christine Kowalski und Fotonachweis.

Die Einleitung von Michele D. Marincola liest sich wie eine Rezension, in der sie am Ende darauf hinweist, dass Tauberts Verdienste darin liegen, dass heute die Restaurierung von Skulpturen und Plastiken der damals weiter entwickelten Gemälderestaurierung gleichgezogen wurde. Es wird heute nicht nur die Form eines Werkes berücksichtigt, sondern auch die Farbe, die nicht mehr wie damals “als abgetrenntes dekoratives Element“ betrachtet wird.   

Philippot stellt in seinem Vorwort Johannis Tauberts Vielseitigkeit und Professionalität heraus. Er war nicht nur anerkannt in Deutschland und europäischen Ländern, sondern auch in Mexiko und den USA. Als Leiter der Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Lehrer und aktives Mitglied im Conceil des Centre  International d´Etudes pour la Conservation et la Restauration des Biens Culturels in Rom zeichnete ihn eine gewisse Geschmeidigkeit aus, die sich in den verschiedenen Artikeln widerspiegelt. Ganz bewusst wählte Taubert nicht die Form eines Handbuches der Restaurierung, sondern die sprachlichen Gestaltung eines Vortrags die zu folgenden Fragen Antworten gibt „Was ist das überhaupt: eine Fassung? Wie wird sie gemacht? Wer führt sie aus? Und: Was ist ihre ästhetische und funktionelle Bedeutung?“ 

Das englische und deutsche aktualisierte Werk sollte in keiner Bibliothek eines Restaurators und Kunsthistorikers fehlen sowie aller, die sich mit der romanischen bis Rokokokunst beschäftigen. Die veröffentlichten Schriften bieten gleichermaßen dem Berufseinsteiger eine Einführung und könnten auch als wertvolle Beispiele für die politische Diskussion zum gut ausgebildeten Restaurator und Berufstitelschutz Verwendung finden.

Iris Herpers
Dipl. Restauratorin
Abteilung Sammlungsdienste und Projektmanagement
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover