Vergabeverfahren in der Restaurierung

Jährlich werden in der Denkmalpflege Aufträge in Millionenhöhe von öffentlichen und privaten Auftraggebern über Ausschreibungsverfahren vergeben. Für freiberufliche Restauratoren ist es wichtig, das Vergaberecht zu kennen, um im Alltag damit umgehen zu können. Am 28. Februar 2015 hatte der VDR deshalb zum Seminar "Vergabeverfahren in der Restaurierung – Basiswissen und aktuelle Rechtsprechung" in Bonn eingeladen, um über die wichtigsten Fakten und Neuerungen zu informieren. Ein Bericht von Ina Pratesi.

Seminar "Vergaberecht BasisWissen"

 

BasisWissen –Vergaberecht für Berufsanfänger


Auch wenn ich keine Berufsanfängerin mehr bin habe ich mich – zusätzlich zum vorangehenden Seminar MehrWissen-Fachplanung und Baurecht – auch zum BasisWissen-Vergaberecht für Berufsanfänger am Sonntag, den 28.2.2016 in Bonn angemeldet.
Wie sich herausstellte, waren sich auch andere Kollegen mit der Einordnung ihres Wissensstandes im Vorfeld nicht ganz sicher, so dass es unter anderem auch eine kleinere Gruppe an „Seminar-Paketbuchern“ in dem leider nicht ganz gefüllten BasisWissen-Seminar gab.

Die Inhalte
Während am Vortag die Seite der Fachplanung beleuchtet wurde, ging es nun zentral um die Rolle des Anbieters von praktischen Restaurierungsleistungen. Die Referentengruppe setzte sich überwiegend aus einzelnen Vortragenden des Vortages zusammen, die sich sehr gut auf die neue Zielgruppe einstellten.

Die Veranstaltung startete mit den erfahrenen Kollegen Dirk Sturmfels (Metallrestaurator) und Eberhard Roller (Holzrestaurator), die Grundsätzliches zum Aufbau und den konkreten Anforderungen beim Ausfüllen einer Ausschreibung darstellten sowie anhand von verschiedensten eigenen Fallbeispielen – sehr offen und breit gefächert – exemplarisch Probleme und praxisübliche Verfahrensweisen bei der Vergabe von restauratorischen Leistungen beschrieben. Zur Sprache kam hier u.a. die Problematik der Weiternutzung von im Rahmen eines Angebotes entwickelten, konzeptionellen Ansätzen durch einen Auftraggeber als Grundlage für z.B. eine Ausschreibung oder weitere Angebotseinholungen.

Mit den Vorträgen von Hans Schaller (Dipl.-Verwaltungswirt) und Daniel Hürter (Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht) wurden die Berichte aus der restauratorischen Praxis um verschiedene vergabe- und baurechtliche Grundlagen erweitert. Hans Schaller stellte verschiedene Anforderung bei den Angaben in Ausschreibungsunterlagen durch den Bieter dar. Teilnehmerfragen führten u.a. zur Problematik der Einordnung von freiberuflichen Mitarbeitern innerhalb der VOB (Subunternehmer ja/nein) oder die nicht zulässige nachträgliche Bildung von Arbeitsgemeinschaften bei laufenden Ausschreibungsverfahren.

Daniel Hürter beschrieb im Folgenden anhand von einzelnen Beispielen einige Grundsätze der Auslegung von Ausschreibungstexten und sprach auch weiterhin verschiedene Punkte zur Abnahme und Gewährleistung an.
Es zeigte sich schnell, dass beide Referenten eine eigene Veranstaltung zu ihrem jeweiligen Fachbereich hätten füllen können. Im Hinblick auf den engen zeitlichen Rahmen war es schade, dass es zu einzelnen Überschneidungen bei dem Vortrag von Dirk Sturmfels und Hans Schaller kam.

Das Seminar endete mit einigen praktischen Hinweisen von Dirk Sturmfels zur verstärkten Digitalisierung von Ausschreibungsverfahren.

Resumée
Die Qualität des Seminars war – neben den sehr gut besetzten Referenten – in der Kombination aus Fachreferenten aus dem Bereich Vergabewesen und Baurecht und   Kollegen mit einem großen Erfahrungsschatz begründet. Mit der Darstellung von dem, was rechtlich beabsichtigt ist und dem konkreten Alltag eines freiberuflichen Restaurators innerhalb der auf das Gewerbe ausgelegten VOB, zeigte sich wiederholt die rechtliche Grauzonen, in der wir uns z.T. bewegen, und die immer wieder zu Unsicherheiten führt. Nicht immer gab es somit vergaberechtlich eindeutige Lösungen durch die Fachreferenten, aber in vielem konnte der eigene Wissensstand und eigene Verfahrensweisen überprüft werden.

Die Möglichkeit mit den Referenten aber auch Kollegen ins Gespräch zu kommen, wurde viel genutzt. Hierbei muss nochmals die Offenheit und Hilfsbereitschaft aller Referenten hervorgehoben werden, die auch über das Wochenende hinaus signalisiert wurde. Sei es z. B. die Interessengruppe der Selbständigen im VDR, die bei Fragen kontaktiert werden kann, oder auch Hans Schaller, der allen das Angebot machte, sich jederzeit bei ihm melden zu können, „wenn es brennt“.

Aber auch ein sehr gutes, eintägiges Seminar setzt leider einen engen Rahmen für die Vermittlung und Vertiefung von BasisWissen zur Vergabe. Ohne den vorangegangenen Seminartag wäre ich als Freiberuflerin mit Vorkenntnissen nicht vollständig zufrieden nach Hause gefahren. Ich kann mir vorstellen, dass auch für Berufseinsteiger der Tag schnell vorüberging und viele Fragen auch erst auf dem Weg nach Hause aufkamen. Die Inhalte könnten ohne weiteres zwei Tage füllen.

Ich kann jedem Berufseinsteiger das VDR-Seminar empfehlen! Man sollte die Kosten nicht scheuen, denn dafür ist das Thema für alle selbständigen Restauratoren zu wichtig.
Die Tatsache, dass vergleichbare Seminare zum Vergaberecht, die dann jedoch nicht restaurierungsbezogen sind, zumeist deutlich teurer sind ist vielleicht eine Entscheidungshilfe.

Umso mehr an dieser Stelle vielen Dank an die Interessengruppe der Selbständigen Freiberufler, die dieses „Format“ erdacht haben und hoffentlich weiter ausbauen werden und an alle, die es ehrenamtlich umgesetzt haben!

Dipl.-Rest. Ina Pratesi, Oldenburg 14.3.2016