Restauratoren als Mitglieder in der Ingenieurkammer

Ist ein Restaurator ein Ingenieur? Ingenieure sind Experten auf dem Gebiet der Technik. Auch eine Vielzahl von Restauratoren sind Fachleute im technischen Bereich und könnten somit die Aufnahmekriterien in eine Ingenieurkammer erfüllen. Welchen Nutzen es für Restauratoren hat, sich einer Ingenieurkammer anzuschließen, und welche Aufnahmekriterien erfüllt werden müssen, beantwortet Olaf Schwieger, Vizepräsident des VDR und Mitglied in der Brandenburgischen Ingenieurkammer.


Warum erscheint es Ihnen sinnvoll, dass sich Restauratoren einer Ingenieurkammer anschließen sollten?

"Ich denke, dass es für neugierige Restauratoren eine neue und interessante Herausforderung darstellen kann – gleichzeitig ist es Pionierarbeit; in gewisser Weise auch ein Versuchsballon. Es eröffnet sich die Möglichkeit, Kammermitgliedern auf Augenhöhe zu begegnen und Netzwerke zu bilden. Dort finden sich erfahrene Ingenieure, die oft auch in der Fachplanung und Denkmalpflege tätig sind. Ein fachlicher Austausch ist also durchaus möglich! Das Interesse auf Ingenieurseite ist jedenfalls sehr groß. Es ist zudem eine gute Gelegenheit, unseren Berufsstand weiter zu stärken."

Ist der Weg in die Kammer nicht eventuell auch ein Irrweg? Es sind doch nur wenige, die davon profitieren könnten?

"Sicherlich wird keinem Restaurator aus Gründen der Fachrichtung der Weg in die Kammer verwehrt – es gibt beispielsweise ja auch Ingenieure für Papier oder Textilien etc.. Aber es ist richtig: Restauratoren, die in der Denkmalpflege selbstständig tätig sind, dürften die größte Interessengruppe darstellen. Hier ist die Arbeitssituation traditionell besonders schwierig, partiell schon prekär; der Wunsch nach berufspolitischer Verankerung und Ordnung ist sehr ausgeprägt. Die Möglichkeit, Interessen der Restauratorenschaft durchzusetzen, ist über die Kammer sicher außerordentlich hoch."

Was versprechen Sie sich in berufspolitischer Hinsicht?

"Die Ingenieurkammern sind öffentlich-rechtliche Körperschaften, die die Aufgaben der berufsständischen Selbstverwaltung wahrnehmen. Sie sind mit der politischen Ebene auf Landesebene eng verknüpft. Hierdurch ergeben sich neue Möglichkeiten, auch zum Einbringen und zur Unterstützung unserer Gesetzesinitiativen. Zudem können sie uns wichtige Hilfestellung bei der Formulierung z.B. einer Honorarordnung für Restauratoren geben. Eine Ingenieurkammer verfügt über eine Geschäftsstelle mit größerer Mitarbeiterzahl – auch hier könnten Anknüpfungspunkte liegen, um einen Nutzen zu ziehen."

Aber wird am Ende der VDR nicht noch überflüssig?

"Wie Sie schon sagen: Ein Interesse, Kammermitglied zu werden, dürfte nur bei wenigen Gruppen bestehen. Die berufsständische und fachliche Heimat der Restauratoren bleibt der VDR! Ein angestellter Gemälderestaurator wird sich nur sehr eingeschränkt mit den Zielen einer Ingenieurkammer identifizieren können. Es wird sicher beide Stränge geben. Es ist zudem geplant in Zukunft gemeinsame Fach- und Weiterbildungsveranstaltungen zu initiieren. Hier können sich durchaus auch finanzielle Vorteile für den VDR ergeben. Als Interessenvertretung der Restauratorinnen und Restauratoren insgesamt kann der VDR gar nicht überflüssig werden."

Gibt es auch konkrete Vorteile für den einzelnen Restaurator?

"Ich kann es schon jetzt aus eigener Erfahrung sagen: Die Ingenieure sind sehr an uns interessiert. Und das, obwohl das Berufsbild des Restaurators auch dort noch sehr verzerrt wahrgenommen wird. Man kann also sehr viel für sich selbst bewirken – auch weil das Vakuum gefüllt werden kann. Die persönlichen Kooperationsmöglichkeiten sind groß. Professionelle Partner in der Fachplanung und Projektierung sind greifbar und bieten völlig neue Entwicklungschancen. Und die Mitgliedschaft in einer Ingenieurkammer kann durchaus ein Argument sein, wenn z.B. die Frage von Gewerbesteuern wieder einmal aufkommen sollte."

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um in die Kammer aufgenommen zu werden?

"In Brandenburg (BBIK) ist ein Hoch- oder Fachhochschulabschluss mit ingenieurähnlichem Curriculum Voraussetzung, hierfür ist ein MINT-Anteil von mind. 51 Prozent notwendig. Nach den bisherigen Auskünften der Brandenburgischen Ingenieurkammer besteht die Einschätzung, dass das Studium der Restaurierung diesen Kriterien grundsätzlich entspricht. Aktuell ist es allerdings so, dass diverse Aufnahmeanträge der Restauratoren noch in der Prüfungsphase verblieben sind – über die folgenden Vorgänge werde ich in Kürze weiter berichten. Erst wenn diese letzte Hürde genommen ist, werden die Initiativen in weiteren Bundesländern vorangetrieben. In Brandenburg ist geplant, nach Prüfung einen geschützten Titel, z.B. Fachingenieur für Restaurierung o.ä. zu vergeben."

Mit Olaf Schwieger sprach Stefanie Bründel.