Der VDR gratuliert Prof. Roland Möller und Prof. Ingo Timm zum 80. Geburtstag

Anlässlich der 80. Geburtstage von Prof. Roland Möller und Prof. Ingo Timm würdigt der VDR das Schaffen dieser beiden Lehrerpersönlichkeiten der HfBK Dresden. VDR-Präsident Dr. Jan Raue hat beide Restauratoren in Dresden erlebt und eine sehr persönlich gehaltene Würdigung verfasst.

Ausschnitt aus dem Exkursionstagebuch von Carry Bendin, Südböhmen-Reise mit Prof. Möller, 1988


"Als Student und „Schüler“ in meinem Fach habe ich beide Restauratoren als Lehrer in Dresden erlebt und, im Wortsinn, genossen.

Roland Möller für uns im Studium: eine Respektsperson in jeder Hinsicht. Zuerst immer das Fachliche. Daraus folgend die der Restaurierung geschuldete große Ernsthaftigkeit. So eine Strenge im positivsten Sinn ist heute in der Lehre selten. Postmodernes Relativieren ist Roland Möller fremd. Das schuf Orientierung. Auch im Politischen vermochte er Orientierung zu geben: Es war für uns enorm beeindruckend, dass Roland Möller eine Veranstaltung mit der Staatsführung auf der Wartburg, wo er seine Restaurierungen vorstellen sollte, absagte, um eine ältere Verpflichtung mit Studenten einzuhalten. Eigentlich vollkommen unvorstellbar in der DDR. Etwas von der Art, wozu Normalbürgern nur einfällt: „Der Mann hat vielleicht Humor!“ Machen wir uns nichts vor: Als Haltung und als Statement wäre das heute vermutlich genauso selten wie damals. Seine tiefe und kompromisslose Begeisterung für sein Fach, die Wandmalerei und die Architekturfarbigkeit, haben Generationen von Restauratoren nachhaltig angesteckt.

Ingo Timm für uns im Studium: Esprit, Anarchie, Exotik und vor allem Humor. Witzig und brillant waren seine Vorlesungen, im Gegensatz zur „Cleaning-Kontroverse“, von der wir lernten, dass sie „irgendwann bei verhärteten Fronten eingeschlafen“ sei, sind wir dies nie. Als gereister und weltläufiger Mann brachte er einen aufrührerischen Hauch ferner Länder mit nach Dresden. Gemäldereinigung und Firnissen, das war bei ihm nicht Alchemie, sondern Wissenschaft, jedoch eine, die süchtig machte. Selbstironische Distanz gehörte und gehört dazu: Die Warnung vor einem ganz speziellen Typ von Restaurator als „Operettenchemiker“ galt damals wie heute. Wir haben 1986 mit Ingo Timm abends auf der Studentenbude chinesisch gekocht. Alles war improvisiert: Nudeln aus Riesa, Maggisauce von VEB Speisewürze, die restlichen Zutaten aus der Kaufhalle am Platz der Einheit. Chinesisch waren daran nur die Idee und das Zeremoniell. Der Restaurator als Meister der Rezepte und des Improvisierens, dabei am Ende den Geist des Authentischen hervorrufend. Ich denke heute noch an die Freude, die das bereitet hat.

Wir danken beiden Meistern für ihre Haltung. Sie zeigen uns verschiedene Seiten der Annäherung an unseren Beruf, die Strenge und die Leichtigkeit, den berechtigten Ernst und die notwendige Heiterkeit. Beides in beiden vermischt und beide auf ihre Art von Humor durchdrungen sowie auf wohltuendste Weise entfernt von allem Stromlinienförmigen. Beide Männer sind Maßstab und Vorbild.

Ingo Timm besonderen Dank des VDR für seine Treue dem Verband und besonders seiner Zeitschrift, den „Beiträgen“, gegenüber. Die Umstrukturierung der letzten Monate war ein dicker Brocken, für ihn und für uns. Wir wissen sein Engagement, seine Kritik, seine Klarheit zu schätzen. Wir freuen uns auf die nächste Ausgabe.

Der VDR sagt beiden großen Kollegen Chapeau und Glückwunsch! Danke für das, was Sie zeitlebens für die Restaurierung tun! Bleiben Sie gesund. Bleiben Sie uns treu. Wir bleiben es Ihnen gewiss."

Dr. Jan Raue, Präsident des VDR


Anlässlich der 80. Geburtstage von Professor Roland Möller und Professor Ingo Timm lädt die Hochschule für Bildende Künste Dresden zu einem undefinedFestkolloquium. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr am 28. Mai 2016 und wird moderiert von Professor Ivo Mohrmann.