Cold Cases - Grenzfälle der Restaurierung

Ende November fand in Wien die 25. Tagung des Österreichischen Restauratorenverbandes ÖRV statt. Das Tagungsthema "Cold Cases - Grenzfälle der Restaurierung" bezog sich auf den aus der Kriminalistik entlehnten Begriff cold case, der für ungelöste, intensiv untersuchte Kriminalfälle steht, die zwar ruhen, aber wieder aufgenommen werden können. Neben den Fachvorträgen gab es auf dem zweitägigen Symposium auch ein Podiumsgespräch zum Thema Berufsschutz. Die deutschen Restauratoren wurden dabei von Birgit Mühler, der Vorsitzenden der Landesgruppe Sachsen im VDR vertreten. Ein Bericht.

Das Tagungsteam mit Stadtrat Dr. M. Ludwig (Ehrenschutz der Tagung, Bild Mitte) und Landeskonservator Dr. F. Dahm (PID/Jobst)

Podiumsdiskussion "Cold case Berufsschutz" (ÖRV/Sipek)

Gespräche an den Ständen der Sponsoren (ÖRV/Földers)

Fachgespräche in den Tagungspausen (ÖRV/Földers)


Cold Cases – Grenzfälle der Restaurierung
Die 25. Tagung des Österreichischen Restauratorenverbands (ÖRV)
und 30 Jahre ÖRV vom 24.-26.11.2016
Ein Bericht von Birgit Mühler


Die Tagung „Cold Cases – Grenzfälle der Restaurierung“ begann am 24. November 2016 mit einer Führung durch und auf das Wiener Rathaus, in dem die Veranstaltung auch stattfand. Am nächsten Tag eröffnete Michael Ludwig, der Stadtrat für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung der Stadt Wien die Veranstaltung. In seiner Eröffnungsrede betonte Ludwig, dass durch die Zusammenarbeit mit Diplomrestauratoren bei der Sanierung am Rathaus Wien großes Verständnis und eine hohe Akzeptanz für die Belange der Restauratoren bei Vertretern der Stadt erzielt worden seien.

Nach einigen Vorträgen über Restaurierungsthemen fand am Nachmittag das Podiumsgespräch zum Thema Berufsschutz statt. Die Podiumsteilnehmer waren Stefan Kainz, Wien, ehemaliger ÖRV-Präsident, Wolfgang Baatz, Akademie der Bildenden Künste, Bernd Euler-Rolle vom Bundesdenkmalamt, Kristian Schneider von ARI Italien, Beate Murr, ÖRV-Präsidentin als Vertretung der Restauratoren in Museen und ich als Vorsitzende der Landesgruppe Sachsen im VDR.

Als Einstieg in das Gespräch diente ein Zeitungsartikel über Gründung des ÖRV und dem, was man sich damals von der Gründung versprochen hatte. Der Reihe nach wurden dann heutige Probleme, Ziele und Erreichtes durch die einzelnen Teilnehmer in Bezug auf den ÖRV, die Ausbildung der Restauratoren, die Sicht des Bundesdenkmalamtes, die Situation in Italien und Deutschland vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass die Probleme in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich sind. In Österreich wurde angedeutet, dass es als nicht so problematisch gesehen wird, dass kein Gesetz zur Regelung der Belange der Restauratoren vorhanden ist. Vieles könnte in der Praxis sehr gut auf der persönlichen Ebene geregelt werden. Natürlich würden auch die Vorteile einer Regelung auf einer höheren Ebene geschätzt, die Umsetzung aber als nicht realistisch betrachtet.

Für Italien wurden die Probleme des italienischen Restauratorengesetzes vorgestellt. Dies schreibt ein fünfjähriges Studium für die Zulassung als Restaurator vor, was eingesessene Restauratoren vorerst bei Ausschreibungen ausschließt. Diese müssen jetzt durch zahlreiche Belege ihre Berufserfahrung und Ausbildung nachweisen. Die dafür eingesetzte Kommission rechnet bei der momentanen personellen Besetzung mit einer Bearbeitungsdauer von ca. 9 Jahren! Somit entsteht durch das Gesetz eine Verschiebung der Kompetenzen.

Deutschland unterscheidet sich von Österreich und Italien dadurch, dass in jedem der 16 deutschen Bundesländer getrennt über mögliche Restauratorengesetze entschieden wird. Die beiden erreichten Gesetze (in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt) und der aktuelle Beitritt von Restauratoren in die Ingenieurkammer Brandenburg wurden vorgestellt. Zudem wurde die Zugehörigkeit zu dem Verband der Freien Berufe dargestellt. Auch der Einfluss des Handwerks auf die Berufspolitik der Restauratoren konnte vermittelt werden. Eine ähnliche Konstellation ist in den beiden anderen Ländern nicht vorhanden. Die deutschen Fakten wurden aber mit großem Interesse aufgenommen.

Von Seiten der Restauratoren in Museen wurde angeprangert, dass viele Studenten in den Museen arbeiten, aber eine spätere Anstellung nach dem Abschluss des Studiums nicht erfolgt, da hier Kosten gespart werden. Für Österreich wurde überdies angemerkt, dass für die Archäologen ein Studium als Voraussetzung für die Berufsausübung vorgeschrieben ist. Zudem zeigt sich in der Praxis, dass durch Archäologen auch Restaurierungen ausgeführt werden. Dieser Vergleich verdeutlicht den Missstand bei den Restauratoren, da auch in Österreich der Zugang zu dem Beruf des Restaurators nicht geregelt ist.

Als weiteres großes Thema aus dem Publikum wurde der Wandel des Berufsbildes gesehen. Ein Einwurf bestand darin, dass Restauratoren verstärkt im Bereich der Planung, Betreuung und Ausführung von Einzeldenkmalen und historischen Stätten und Ensembles in größeren Zusammenhängen zu benachbarten Disziplinen denken müssen. Die Fachkompetenz der einzelnen Bereiche sei weiterhin von existenzieller Bedeutung, kleinteiliges Denken, eingegrenzt auf die einzelne Disziplin, sei aber eher hinderlich. Die Tagung im Zusammenhang mit dem Gespräch zeigte, dass in den drei Ländern sehr spezielle Fragestellungen vorhanden sind, die mit der jeweiligen Struktur des Landes zusammenhängen.

Die Vorträge am 25. und 26. November wurden bewusst gemischt und nicht in Blöcken vorgetragen, so dass der Saal sehr gut gefüllt war und die Veranstaltung trotz hoher Informationsdichte dennoch kurzweilig wirkte. Beeindruckend waren die Vorträge der Texilrestauratoren zu unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der Teppichrestaurierung. Als sehr schön erwies sich auch, dass in einem Nebensaal die Sponsoren der Tagung Ausstellungsflächen erhalten hatten. In diesem kleinen Rahmen wurden dann Gespräche zu neuen Produkten und Methoden gesucht, ähnlich der Denkmalmesse, wobei hier speziell nur auf die Belange der Restauratoren eingegangen wurde. Die Kurzweiligkeit der Veranstaltung wurde schließlich noch durch die Verlosung von sechs Preisen am dritten Veranstaltungstag unterstützt.

Beeindruckend waren die hohe Professionalität der Tagung und eine ausgeglichene Anzahl an jungen und erfahrenen Restauratoren. Für die Veranstaltung hatten sich 140 Teilnehmer im Voraus angemeldet.

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