Ein Jahr neues Präsidium

Sehr geehrte VDR-Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen, das Jahr 2016, das erste volle Jahr mit dem neuen Präsidium, vollendet sich gerade in der Adventszeit. Wie immer ist das eine Gelegenheit zurückzublicken auf Soll und Haben, so auch in unserem Verband. Wie lief das Jahr für die Restauratorinnen und Restauratoren?

Als fleißige Leser des Newsletters, Nutzerinnen der Website und Freunde der „Beiträge“ sind Ihnen schon in stetem Fluss Informationen zugegangen und Sie haben sich an aktuellen Diskussionen beteiligen können.

Wenn es für das Präsidium etwas wie eine Grundidee für das Jahr gab, dann war es die Verbesserung der Sichtbarkeit unseres Berufs. Ein zweiter Kerngedanke war und ist die Stärkung der Position unserer Mitglieder im Dialog mit den Partnern und Mitbewerbern im Berufsalltag. Und als drittes, das sehe ich vielleicht persönlich als besonders erstrebenswert, die (Wieder-)Gewinnung von Freude an den schönen Seiten unseres Berufs.

Ich möchte alle drei Positionen kurz illustrieren. Die Ausrichtung des 25. E.C.C.O.-Jubiläums durch den VDR im Juni dieses Jahres auf der Museumsinsel in Berlin stärkte unsere internationale Vernetzung und hat uns viel Anerkennung der europäischen Partnerverbände eingebracht. Die Fachgruppen des VDR richteten über die Grenzen der Restauratorenschaft hinaus vielbeachtete Tagungen aus, so u.a. die undefinedICOM-Tagung der FG Möbel über historische und moderne Assemblagen und das undefinedSymposium „Collecting and Conserving Performance Art“, das von der FG Moderne Kunst organisiert wurde. In der Zeitung des Deutschen Kulturrats, undefinedPolitik & Kultur 4/2016, sind aus dem Präsidium zwei große, unsere Leistungen und Ansprüche beleuchtende Artikel erschienen.

„Dem Kulturerbe ein Gesicht geben“, war dabei ein bewusst platziertes Stichwort, welches Sichtbarkeit in beide Richtungen meint: Durch die fachgerechte restauratorische Bearbeitung werden oftmals zuvor vernachlässigte oder neu aufgedeckte Werke wieder „sichtbar“, „ansehnlich“ und damit für das Gegenüber „lesbar“. Spiegelbildlich müssen aber auch die Restauratoren hinter ihren Objekten hervortreten und ihrerseits „Gesicht zeigen“, viel zu oft bleiben sie noch in selbstgewählter Anonymität verborgen. Ein Ergebnis davon ist, dass selbst aufgeklärte Kulturbürger oft erschreckend wenig über unseren Beruf und unser Tun wissen! Ich bin der Meinung, ein Beruf, der so viel leistet, hat mehr Sichtbarkeit verdient – hier soll uns 2017 eine Imagekampagne Wind unter die Flügel geben!

Ich freue mich besonders über die Kooperationen mit dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz, DNK, im Zusammenhang mit dem kommenden Europäischen Jahr des kulturellen Erbes, ECHY 2018, unter dem Motto „Sharing Heritage“. Wir planen für 2017, neben dem reichen Angebot der Fachgruppen, zwei zentrale Veranstaltungen im Rahmen von ECHY sowie eine Konferenz der vier deutschsprachigen Restauratorenverbände zu dem im Wort- wie übertragenen Sinn spannenden undefinedThema des Trompe-l'œil, der „Kunst der Augentäuschung“ in ästhetischer, restauratorischer und auch berufspolitischer Hinsicht (im November in Köln, diesmal wieder mit Mitgliederversammlung).

Das führt zum zweiten Punkt, dem Dialog. Hierfür steht wie keine zweite Aktivität der produktive Austausch mit den Restauratoren im Handwerk, RiH, wo es darum geht, Mechanismen der Konfrontation zu überwinden, gemeinsame Interessen zu erkennen und eine den jeweiligen Leistungen angemessene Außendarstellung zu erreichen. In einer neu gegründeten Facharbeitsgruppe FRRiH wird gemeinsam daran gearbeitet. Es geht nicht darum, zweifellos vorhandene Unterschiede zu nivellieren, sondern, im Gegenteil, spezifische und sich ergänzende Kompetenzen anzuerkennen. Vielversprechende Foren des fachlichen Austauschs gibt es darüber hinaus u.a. auch mit ICOMOS, der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und dem Deutschen Museumsbund, aber auch zunehmend mit interessierten Politikern verschiedener Parteien.

Damit zum Schönsten und Schwierigsten, der Freude am Beruf und zu ihren Voraussetzungen. Wer in prekären Verhältnissen arbeiten und leben muss, wird kaum Muße zum Genießen des beruflichen Tuns haben. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist besonders für viele junge Selbständige mehr Fiktion als Realität. Nehmen wir die Politiker in ihren Reden beim Wort: Fordern wir die Honorare bzw. die tarifliche Eingruppierung, die Absicherung und die Altersvorsorge die vielen anderen Akademikern selbstverständlich gewährt werden! Machen wir klar, was v.a. Frauen in diesem Beruf leisten und wie mager oft die gesellschaftliche Anerkennung dafür ausfällt!

Kein Wunder, wenn sich weiterhin fast überall jeder „Restaurator“ nennen darf! Der VDR wird das Thema Stärkung des Berufs nie aufgeben. Im Gegenteil, wir bleiben konstruktiv am Ball: Das neue, nun erstmals bundesweit erscheinende undefinedBerufsregister ist ein beredtes Zeugnis davon. Wenn wir im Streben nach Anerkennung Verbündete finden können, wie z.B. in den undefinedIngenieurkammern, die eine lange Erfahrung in der Stärkung der Freiberufler haben, werden wir genau prüfen, wie die VDR-Mitglieder insgesamt davon profitieren können. Wir werden Chancen erkennen und nutzen.

Das undefinedKulturgutschutzgesetz, nach langen Geburtswehen im Sommer d.J. verabschiedet, enthält erstmals Maßgaben zur „fachgerechten Konservierung und Restaurierung“ auf Bundesebene – und der VDR ist wesentlich dafür verantwortlich, dass dies so gekommen  ist. Nun stellt sich die Aufgabe der adäquaten Umsetzung: Wir werden die Politik dazu intensiv befragen. 2017 wird im Bund gewählt – wir wollen Wahlprüfsteine für die Parteien formulieren und sind auf die Antworten gespannt! Unsere eigenen Mitglieder wollen wir schon Anfang des kommenden Jahres über ihre Arbeitsumstände befragen, um belastbares statistisches Material in die Hand zu bekommen. Bitte opfern Sie etwas von Ihrer kostbaren Zeit dafür im Interesse aller.

Trotz teils widriger Umstände entstehen landauf-landab jedes Jahr großartige Leistungen in der Konservierung und Restaurierung in unserem Land, die nur möglich sind, weil die dafür stehenden Kolleginnen und Kollegen mit Kompetenz und Begeisterung an den ihnen anvertrauten Werken arbeiten. Viele von uns hoffen, dass es 2017 gelingt, dem deutschlandweit ersten Preis für Konservierung und Restaurierung in unserem, im wissenschaftlichen Sinn entscheidend näher zu kommen, um, da sind wir wieder beim Eingangsstatement, gelungene Restaurierungen auch sichtbar zu machen.

Mindestens eine Möglichkeit der Rückvergewisserung und des fachlichen Austauschs über Gewagtes und Gelungenes auf unserem Gebiet gibt es in Form der „VDR-Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut“. Hiermit werbe ich dafür, Ihre Möglichkeit als Mitglied zum Download zu nutzen und „Ihr persönliches Exemplar“ nicht auf dem Server schmoren zu lassen. Beim ersten Heft im neuen Publikationsmodus (1/2016) hat bisher immerhin rund ein Drittel der Mitglieder diese bereits mit dem Mitgliedsbeitrag beglichene Leistung genutzt – ich halte das aber noch für viel zu wenig! Das Heft der undefinedBeiträge 2/2016 ist pünktlich fertig geworden, der Link zum kostenlosen Download wurde an die VDR-Mitglieder verschickt, so dass das Heft als PDF-Datei  nun auf Sie in wirklich überzeugender inhaltlicher und ästhetischer Qualität wartet: Sichern Sie sich es* z.B. auch auf Ihren mobilen Endgeräten und profitieren Sie von den damit verbundenen ganz neuen Möglichkeiten wie der Bildbetrachtung und der Verfügbarkeit, wo immer Sie gerade sind.

Vielleicht schon demnächst in einer stillen Stunde abseits des Trubels unterm Baum? Ich wünsche in jedem Fall im Namen des Präsidiums und der Geschäftsstelle angenehme Weihnachtsfeiertage sowie ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr 2017 mit Freude an der Restaurierung!

Herzlich Ihr
Jan Raue, Präsident des VDR


*Übrigens können Sie auch undefinedHeft 1/2016 noch immer herunterladen, falls noch nicht erfolgt!