3 Fragen an Christian Leonhardt

Auf der VDR-Mitgliederversammlung im Oktober 2011 wurde Christian Leonhardt zum neuen Präsidenten des Verbandes gewählt. Für den Newsletter vdr aktuell hat er drei Fragen beantwortet.

Christian Leonhardt



Christian Leonhardt wurde 1957 in Bonn geboren, ist in Kiel aufgewachsen und lebt dort wieder seit 10 Jahren am Ufer der Kieler-Förde in Mönkeberg mit Frau und einem Kind. Seit 1983 arbeitet er als freiberuflicher Restaurator für Wandmalerei und Architekturoberflächen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Lübeck. Von 1983 bis 2001 hatte er sein Atelier in Hamburg, seit 2001 in Kooperation mit seiner Frau Sabine als Werkstatt für Kunst und Denkmalpflege GbR in Mönkeberg, in Schleswig-Holstein. Anfang 2011 gründeten sie zusammen mit sieben weiteren Restauratoren das Restaurierungszentrum Kiel, das 5 Fachbereiche unter einem Dach vereint und Öffentlichkeitsarbeit für den Restauratorenberuf betreibt.

Seine Ausbildung als Restaurator begann Christian Leonhardt 1979-1982 in der Werkstatt für Denkmalpflege von Alfred Panowsky in Gernsbach, Baden-Württemberg. Es folgte die Mitarbeit im Team des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg unter Leitung von Landeskonservator H. F. Reichwald an dem ottonischen Wandmalereizyklus der Kirche St. Georg auf der Bodenseeinsel Reichenau, danach ging es zurück in den Norden nach Hamburg, dort folgten Werkverträge und Praktika in Obhut des Denkmalschutzamtes Hamburg.

1983 nahm er parallel zu dem Beginn der selbständigen Arbeit als Restaurator das Studium der Kunstgeschichte und in den Nebenfächern klassische Archäologie und Ethnologie an der Universität Hamburg auf. Das Ziel, sein Studium mit der Magisterarbeit abzuschließen, hat sich Christian Leonhardt, aufgrund immer umfangreicher werdender Aufgaben als praktizierender freier Restaurator auf dem Fachgebiet Wandmalerei und gefasste Architekturoberfläche, noch aufgehoben.

Aktiv in die Verbandsarbeit im VDR ist Christian Leonhardt 2003 mit der Wahl zum Landesgruppensprecher für Schleswig-Holstein eingestiegen. Im November 2007 wurde er in das Präsidium des VDR gewählt, 2009 als Vizepräsident und in diesem November 2011 als Präsident.


vdr aktuell: Herr Leonhardt, Sie wurden auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des VDR mit überwältigender Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt. Wie haben Sie die MV erlebt?

Leonhardt: Natürlich war meine Kandidatur mit den anderen Kollegen aus dem Präsidium abgesprochen, ich hatte also schon eine Ahnung, was auf mich zukam - obwohl ich persönlich es an der Zeit gefunden hätte, eine Akademikerin an die Spitze des Verbandes zu wählen. Dass ich mit so eindeutiger Mehrheit in dieses Amt gewählt wurde, hat mir den Rücken gestärkt und mich bestätigt, den gemeinsamen Kurs des Präsidiums und des Vorstandes weiter voran zu gehen.
Die sehr gut vorbereitete Veranstaltung und das stimmungsvolle Ambiente der verschiedenen Lokalitäten in Dresden hat mich wirklich animiert. Dass wir als Auftaktveranstaltung hochrangige Vertreter aus Wissenschaft, Kultur und Politik mit einbinden konnten, entspricht ganz meiner persönlichen Zielsetzung für die Ausübung dieses Amtes: die Lage der Ausbildung und des Restauratorenberufes nach außen zu vermitteln und so für uns selbst in Auseinandersetzung mit Anderen Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen.


vdr aktuell: Welches sind die großen Themen, die der VDR in den kommenden Jahren angehen muss?

Leonhardt: Erstens: Die Sicherung des Berufes auf gesetzlicher Ebene

Nach der Einführung des Restauratorengesetzes in einem 2. Bundesland,  nach Mecklenburg-Vorpommern nun  auch in Sachsen-Anhalt, muss der VDR alles unternehmen, um diese positive Initiative auf weitere Bundesländer zu übertragen. Die Unterstützung seitens der Vorsitzenden des Landesverbandes Freier Berufe (LFB) von Sachsen-Anhalt, den Herren Rösch und Pilz,  ist gar nicht hoch genug zu bewerten: Die Bereitschaft des BFB (Bundesverband freier Berufe), unser Anliegen durch weitere LFB zu befördern, muss von unserer Seite, insbesondere durch die Landesgruppensprecher unbedingt wahrgenommen werden. Um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln hat der BFB angeboten, im Rahmen seines jährlichen LFB-Geschäftsführertreffens einen gemeinsamen Workshop im Frühjahr in Hamburg zu veranstalten.

Zweitens: Professionalisierung

Das Gutachten von Herrn Dr. Willi Oberlander hat uns bestätigt, dass wir auf dem Weg zur Professionalisierung unseres Berufsstandes seit dem letzten 1999 von ihm erstellten Gutachten einen großen Schritt vorangekommen sind.
Die Analyse von Arbeitsfeld und Berufsbild der Restauratoren hat ergeben, dass insbesondere aufgrund der erheblich gestiegenen Anforderungen an den Berufsstand eine beschleunigte Professionalisierung festzustellen ist. Dabei waren zwei Punkte sicherlich mit entscheidend: Eine qualifizierte Ausbildung an acht Hochschulen fest in der bundesdeutschen Hochschullandschaft installiert zu haben, den hohen ethischen Grundsätzen treu geblieben zu sein und dem Ziel einer bundesweiten Regelung zum Berufsschutz durch die Fusion der Verbände zum VDR dem Verband der Restauratoren Nachdruck verliehen zu haben. Darüber hinaus ist vor allem die Entwicklung der Berufsethik sowie der Qualitätssicherung als wichtiger Schritt zur weiteren Autonomisierung des Berufsstandes zu betrachten. Der Verband muss nun in erreichbaren Schritten in Zusammenarbeit mit dem Institut der Freien Berufe (IFB) in Nürnberg unser Berufsbild weiter ausformen. Berufsordnung, Honorarordnung, Weiterbildung im VDR und der Sachverständige im VDR sind dabei wichtige von uns auf den Weg gebrachte und erreichbare Ziele.
Unsere Klarstellung zur Gleichwertigkeit aller Ordentlichen Mitglieder (Diplom, M.A. und OM) ist die Basis für die Solidarität der Mitglieder, setzt ein Zeichen für den Qualitätsanspruch des Berufsverbandes, und wird in der Diskussion um die Eingruppierung der Abschlüsse eine Rolle spielen.

Drittens: Die Vernetzung des Verbandes

Definitionen für eine aktive Europa-Politik wurden zwischen Präsidium, dem Vorstand und unserer ECCO-Delegierten Mechthild Noll Minor abgestimmt. Der nun von ECCO ausgearbeitete EQR „der die für den Zugang zum Beruf Restaurator erforderlichen Kompetenzbereiche und den rechtmäßigen Gebrauch des Titels beschreibt“. Für den Verband gilt es nun die von ECCO ausgearbeiteten professionellen Kompetenzen mit denen in unser aller individuell erworbenen und angewandten Berufskompetenzen zu vergleichen, wahrzunehmen und einzubringen. Die von ECCO erarbeiteten EQF werden noch eine Rolle bei der Professionalisierung auf europäischer Ebene spielen.

Die Vernetzung des Verbandes  in der bundesdeutschen Verbandslandschaft
sollte durch die Dresdner Jubiläumsfeier für uns selbst und die Politik deutlich werden. Die aus der Veranstaltung gleich nach dem Vortrag von Frau Leisner vom Fraunhofer Institut auf Anregung eines VDR Mitglieds entstandene Initiative einer Petition zur Unterstützung weiterer  Kulturerbeforschung in Deutschland und Europa zeigt, dass der VDR sich aktiv in die Diskussion um den Erhalt unseres Kulturerbes einbringen kann und will.

vdr aktuell: Welche Schwerpunkte wollen Sie während Ihrer Präsidentschaftszeit setzen?
 
Leonhardt: Mit den bereits genannten Themen sind die inhaltlichen Schwerpunkte ja bereits umrissen. Wir haben im Präsidium begonnen, uns stärker zu strukturieren, Arbeiten und Aufgaben zu verteilen und uns persönliche Schwerpunkte zu setzen. Mein persönlicher Schwerpunkt wird die Repräsentation des Verbandes nach außen sein: Kontaktaufnahme und Kontaktpflege mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Ich habe durch die Übernahme von Verantwortung für unseren Berufsverband schon viel gelernt und hoffe, dass ich noch viel dazu lernen werde.  Und dass ich das in mich gesetzte Vertrauen der Mitglieder nicht enttäuschen muss.