Klimawandel in Museen?

In der internationalen Museumswelt scheint sich ein Wandel zu vollziehen hinsichtlich der Frage, wie eng die Grenzwerte für Klimaschwankungen zu halten sind, um Materialalterung zu minimieren und Schäden am Sammlungsgut zu verhindern. Die Bizot Gruppe, eine internationale Vereinigung von Direktoren der größten Museen und Ausstellungshäuser, hat im Herbst 2012 einen vorläufigen Leitfaden formuliert, der deutlich weitere Klimagrenzwerte definiert, als bisher gefordert.


Dahinter steht die Absicht, den Kohlendioxid-Ausstoß von Museen zu reduzieren und damit eine größere „Nachhaltigkeit“ zu erreichen. Folgende „Interim Guidelines“ stellt die Bizot Gruppe ins Zentrum ihres im Oktober 2012 in Frankfurt verabschiedeten Papiers:

„Environmental conditions should be determined by the requirements of individual objects or groups of objects and the climate in the part of the world in which the museum is located and take into consideration the effects of variations of temperature and humidity on different categories of objects and the relative importance of rates of change.

For many classes of object containing hygroscopic material (such as canvas paintings, textiles, ethnographic objects or animal glue) a stable relative humidity (RH) is required in the range of 40 – 60% and a stable temperature 16 - 25°C with fluctuations of no more than ±10 RH per 24 hours within this range. More sensitive objects will require specific and tighter RH control depending on the materials, condition, and history of the work of art. A conservator’s evaluation is essential in establishing the appropriate environmental conditions for works of art requested for loan.”

Die Frage nach der Vertretbarkeit erweiterter Klimakorridore war eines der zentralen Themen der Tagung undefined„Klima und Kulturgut: Wissen und Unwissen“, die vom  Doerner Institut in Kooperation mit dem EU Forschungsprojekt „Climate for Culture“ und dem VDR vom 7. bis 9.11.2012 in München veranstaltet wurde. Auch auf der Tagung des Rathgen Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin „Heritage Science and Sustainable Development for the Preservation of Art and Cultural Assets - On the Way to the GREEN Museum” vom 11. bis 12.4.2013 in Berlin wurde dieses Thema aufgegriffen, aber nicht wirklich erörtert.

Nach der Münchner Klimatagung hat der Direktor des Doerner Institutes, Prof. Andreas Burmester, leitende Restauratoren großer Gemäldegalerien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach München eingeladen, um zu diskutieren, wie zu dem von Bizot formulierten Leitfaden für Klimastandards in Museen aus konservatorischer Sicht Stellung bezogen werden sollte. Der VDR war bei dem Treffen durch Präsidiumsmitglied Renate Poggendorf vertreten.
Aus dem Münchner Treffen ist eine gemeinsame Stellungnahme leitender Restauratoren entstanden, die zusammen mit der von Andreas Burmester und Melanie Eibl vom Doerner Institut formulierten undefined„Münchner Position“ in der undefinedAusgabe April/Mai 2013 von Restauro veröffentlicht ist.
Die Mitglieder des VDR sind aufgefordert, das Thema im Forum der VDR-Homepage zu kommentieren. Sie können die Stellungnahme leitender Restauratoren auch unterschreiben, indem sie dies in einer E-Mail an klimadiskussion(at)restauratoren.de unter Angabe der von Ihnen vertretenen Institution mitteilen. Die Liste der Unterstützer wird regelmäßig hier aktualisiert.


Stellungnahme leitender Restauratoren

Statement of senior conservators (english version)

Liste der Unterstützer:

Maria Reimelt, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Bärbel Jackisch und die Gemälderestauratoren der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg
Bruno Heimberg, bis 2003 Direktor Doerner Institut München (Kommentar)
Dipl.-Rest. Ute Hack, Bayerisches Nationalmuseum München
Evamaria Popp, Ulmer Museum
Roland Leuenberger, Archäologie und Museum BL Liestal/Kanton Basel-Landschaft
Dipl.-Rest. (FH) Andrea Funck M.A., Landesmuseum Württemberg Stuttgart
Dr. Albrecht Pohlmann, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt
Henning Autzen, Staatsgalerie Stuttgart
Pamela Bannehr, Sprengel Museum Hannover
Rüdiger Beck, Museum der bildenden Künste Leipzig
Hans Becker, Kunsthalle Mannheim
Silvia Castro, Hamburger Kunsthalle
Marlies Giebe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Anne Harmssen, Museumslandschaft Hessen Kassel
Babette Hartwieg, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Thomas Heidenreich, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Otto Hubacek, Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Konrad Katzer, Klassik Stiftung Weimar
Kathrin Keßler, Museum Ludwig Köln
Stephan Knobloch, Städel Museum Frankfurt am Main
Oliver Mack, Institut für Kunsttechnik und Konservierung, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Hanspeter Marty, Kunsthaus Zürich
Werner Müller, Kunstmuseum Basel
Elke Oberthaler, Kunsthistorisches Museum Wien
Eva Ortner, Doerner Institut, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Renate Poggendorf, Präsidiumsmitglied, Verband der Restauratoren e.V. (VDR)
Iris Schaefer, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
Cornelia Weyer, Restaurierungszentrum Düsseldorf
Silke Zeich, Museum Folkwang Essen