Sprecher der Fachgruppe Archäologische Objekte

Tatjana Held, Dipl.-Restauratorin (Vorsitzende)
Undinestraße 28
12203 Berlin
Tel.: 0177/ 2788608
E-Mail: tatjana.held(at)diekonservatoren.de

Sven Spantikow (Stellvertreter)
Breite Herzogstraße 13
38300 Wolfenbüttel
Tel.d.: 05331/ 85869930
Tel.p.: 0170/ 5579153
E-Mail: spantikow(at)web.de
oder s.spantikow(at)3landesmuseen.de


Christine Leßmann (Stellvertreterin)

Vorstellung des Fachgebietes

Was ist ein archäologisches Objekt?

Es unterscheidet sich von anderen, obertägig überlieferten Objektgruppen, wie z.B. kunsthandwerklichen, ethnografischen, allein durch die Boden- oder Unterwasserlagerung. Diese Funde können entgegen landläufiger Vorstellung, Zeugnisse von Zivilisationen jeder Zeitstellung und aller Erdteile sein.

Der Erhaltungszustand archäologischer Objekte ist meist verhältnismäßig schlecht. Aufgrund der Bodenlagerung waren sie stärker als bei einer oberirdischen Lagerung mechanischen, klimatischen und chemischen Einflüssen ausgesetzt, weshalb die Materialien entsprechend stark korrodiert und abgebaut sind. Anorganische Materialien wie Keramik, Glas, Stein und Metall sind im Allgemeinen in einem besseren Zustand als organische Substanzen, welche sich nur unter besonderen Lagerungsbedingungen erhalten haben.

Die Tätigkeit der Restauratoren für archäologisches Kulturgut besteht aus dem Dokumentieren, Bergen, Konservieren, Restaurieren und Magazinieren ihrer Objekte

  • Das archäologische Objekt wird egal, ob es aus einer schriftlichen oder schriftlosen Kultur stammt, als historische Quelle behandelt, daher müssen alle in ihm und dem umgebenden Erdreich enthaltenen Informationen dokumentiert werden, da diese Informationen z.B. bei der Bergung zerstört werden. Dies geschieht durch Zeichnen, Photographieren, Röntgen und/oder durch weitere bildgebende Verfahren, wie 3D-, und Neutronencomputertomographie, Laserscan und digitale Mikroskopie.
  • Bezeichnend für das Archäologische Objekt sind oft anfallende Fundmassen. Um diese vor dem Verfall zu retten ist Planung, Fundmanagement nötig (Stichwort Investigative Conservation). Die daraus folgende präventiven Konservierung beinhaltet die Lagerung und Verpackung vor (Stichwort: Erstversorgung) und nach einer Bearbeitung des Objekts.
  • Durch restauratorische Maßnahmen wird die historische und ästhetische Aussagekraft der Objekte, die im Fundzustand häufig kaum identifizierbar sind, erschlossen, ohne jedoch die erhaltene originale Substanz zu beeinträchtigen.
  • Forschung: Die während der Konservierung / Restaurierung gewonnenen Erkenntnisse über Herstellungstechniken, Materialeigenschaften und Abbaumechanismen werden mit Archäologen und Naturwissenschaftlern diskutiert und gegebenenfalls weiter untersucht und publiziert.

Die Arbeitsbereiche innerhalb der Restaurierung archäologischer Objekte unterscheiden sich

  • Restauratoren begleiten Ausgrabungen, um in Zusammenarbeit mit Grabungstechnikern die Funde vor der Bergung zu stabilisieren und die Erstversorgung zu gewährleisten.
  • Große Fundmengen treten bei Rettungsgrabungen der Landesdenkmalämter zutage und müssen versorgt (s.o.) und erfasst werden. Als Mitarbeiter der Fachbehörde gehören die Betreuung und Auftragsvergabe an freiberuflich arbeitende Restaurierungswerkstätten zu den dortigen Aufgaben.
  • In den Sammlungen und Museen können Einzelstücke konserviert, restauriert und in den Schausammlungen präsentiert werden. Altrestaurierungen stellen ein konservatorisches und ästhetisches Problem dar. Wesentliches Arbeitsfeld dort  ist die präventive Konservierung des Objekts. Klima und Schadstoffe in Depot und Schausammlung (Vitrinen) müssen durch Planung und Betreuung kontrolliert werden. Die Leihgabenbetreuung (Zustandsprotokoll, Leihgabenbedingungen, Kurierbegleitung) sichert diese Qualitätsstandards bei passiven und aktiven Leihverkehr für das Objekt und macht einen großen Anteil der Arbeit aus.
  • Spezialisierungen im Fachbereich Archäologisches Kulturgut sind u.a. Restaurator für Nassholzkonservierung oder Textilien und Archäologische Fasern.
  • Weitere Berufswege führen in die Konservierungsforschung und Archäometrie.
  • Freiberufliche Restauratoren für Archäologisches Kulturgut arbeiten in allen genannten Fachgebieten für Landesdenkmalämter, staatliche und Museen, Forschungseinrichtungen und Privatbesitz.

Ausbildung

Die Geschichte der Restaurierung archäologischer Objekte reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Nach dem 2. Weltkrieg gab es in der DDR am Museum für Ur-und Frühgeschichte Thüringen in Weimar eine Ausbildung zum Restaurator für Ur-und Frühgeschichte, seit 1952 gab es in der DDR Beauftragungen für die Ausbildung von Museumstechnikern, Präparatoren und Restauratoren. 1976 begann der Fachschulstudiengang „Restaurierung von Ur- und frühgeschichtlichem Kulturgut“.

In der Bundesrepublik erfolgte 1956 eine erste Professionalisierung des Berufes durch die Gründung der ATM (Arbeitsgemeinschaft des technischen Museumspersonals) mit Fortbildungen durch Tagungen und Arbeitsblätter. 1963 wurde das Ausbildungsmodell für Archäologische Restauratoren am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) in Mainz entwickelt und begonnen; dazu gab es Koordinierungen von Ausbildungen an Bodendenkmalämtern und Museen (Bochum) mit Abschlussprüfung in Mainz.

Seit 1980 konnte im Institut für Kunsttechnik und Konservierung am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ein Volontariat in den Ateliers für Archäologie und Kunsthandwerk durchgeführt werden. 1989 wurde durch die Einführung des Diplom-Studiengangs Restaurierung archäologischer, kunsthandwerklicher und volks- und völkerkundlicher Objekte" an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK) die Ausbildung auf Hochschulebene angesiedelt. 1991 wurde die Fachhochschule Erfurt mit dem Studiengang Konservierung u. Restaurierung: Archäologisches Kulturgut u. Kunsthandwerk gegründet. 1993 kam ein weiterer Studiengang für die Restaurierung archäologischer Objekte an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Berlin hinzu.

Es folgte die Technische Universität München, Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft. An der Johannes Gutenberg-Universität wurde zusammen  mit den Restaurierungswerkstätten des Römisch-Germanischen Zentralmuseums der duale BA-Studiengang »Archäologische Restaurierung« 2007 eingerichtet. Hinzu kommt am CICS - Cologne Institute of Conservation Sciences, Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft, die Studienrichtung Restaurierung und Konservierung von Textilien und Archäologischen Fasern.

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Ausbildungsstätten/Hochschulen für Restauratoren für archäologisches Kulturgut in Deutschland

•    Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Studiengang Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik
 http://www.htw-berlin.de/

•    Fachhochschule Erfurt, Fachbereich Konservierung und Restaurierung
 http://www.fh-erfurt.de/

•    Fachhochschule Köln, Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft
www.re.fh-koeln.de

•    Technische Universität München, Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft
www.rkk.arch.tu-muenchen.de

•    Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz, Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte; duales Studienangebot mit der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zum Restaurator für archäologische Objekte
http://web.rgzm.de/155.html

•    Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
www.abk-stuttgart.de


Die Fachgruppe

Mitglieder der Fachgruppe Archäologische Objekte arbeiten als Freiberufler oder als Angestellte in Museen, Universitäten, Denkmalämtern oder bei privaten Firmen. Unter den Fachgruppenmitgliedern sind außerdem einige Naturwissenschaftler und Archäologen sowie Ämter und Museen.

Die Fachgruppe sieht ihre Ziele darin, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für den besonderen Wert des archäologisch überlieferten Kulturerbes zu stärken und für seine konservatorisch-restauratorische Erhaltung einzutreten. Archäologisches Kulturgut ist durch Flächenverbrauch, Raubgrabungen und unzureichende Lagerungsbedingungen nach der Bergung gefährdet.

Innerhalb der Fachgruppe soll der Erfahrungs- und Wissensaustausch durch Tagungen, Seminare und Exkursionen sowie durch Artikel in den Publikationen des VDR gefördert werden. Kontakte u.a. zu den Fachgruppen Archäologische Ausgrabung und kunsthandwerkliche Objekte ergeben sich durch fachliche und persönliche Überschneidungen und sind uns besonders wichtig. Traditionell hat die Fachgruppe enge Verbindungen ins  benachbarte Ausland, besonders Österreich (ÖRV)  und Schweiz (SKR) sowie zu ICOM-CC-Gruppen, diese sollen weiter intensiviert werden.

Die Fachgruppe strebt an, alle zwei Jahre eine zwei- bis dreitägige fachspezifische Tagung zu veranstalten. Seit Gründung der VDR waren es folgende Tagungsthemen: in Aschaffenburg 2002 "Freilegen", in Leipzig 2004 „Schnittstellen in der Archäologie“, in Mannheim  2006 „Archäologische Metallfunde – Von der Grabung bis zur Ausstellung“ und in Stuttgart 2012 „Archäologische Funde - Neue Methoden?“
In den dazwischen liegenden Jahren hat sich die Fachgruppe mit Vorträgen an dem Programm des Restauratorentages beteiligt.