FG EVV traf sich im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln

Die VDR-Fachgruppe Ethnografische Objekte – Volks- und Völkerkunde traf sich am 6. und 7. Februar 2015 im Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt in Köln. Dank des Engagements der dortigen Kolleginnen Stephanie Lüerßen und Kristina Hopp konnten sich die Teilnehmer bei einem Rundgang durch den Neubau über den laufenden Depotumzug informieren und die neu eingerichtete Dauerausstellung besichtigen. Im Rahmen dieser Exkursion fand auch die Neuwahl des FG-Sprechergremiums statt.

Abb. 1: Für Transport und Ablage werden Objekte in Ethafoam eingeschnitten und mit Barcodes versehen

Abb. 2: Normierte und stapelbare Transportkisten für den Umzug

Abb. 3: Ein Teil der Textilsammlung im neuen Depot, Fotos: Diana Gabler

14 Kolleginnen und Kollegen fanden sich am Freitagmittag im Museum ein und wurden von zwei Restauratorinnen des Rautenstrauch-Joest-Museums (RJM) empfangen.

Der erste Programmpunkt war die Besichtigung des Depots. Stephanie Lüerßen führte die Gruppe durch die unterirdisch gelegenen Räumlichkeiten und erläuterte dabei Ideen und Herausforderungen bei Planung und Umsetzung der neuen Depoteinrichtung sowie dem damit einhergehenden Umzug. Erste Überlegungen dazu fanden bereits vor rund 20 Jahren statt; diese wurden in den vergangenen Jahren stetig konkretisiert und nun umgesetzt. Die komplette Textilsammlung ist bereits umgezogen, seit September 2014 folgten 14. 000 weitere Objekte.

Stephanie Lüerßen erklärte wie die Umlagerung der Objekte mit Hilfe einer „Packstraße“ bewältigt wird. In dieser sind rund 20 Personen beschäftigt, externe Mitarbeiter und Kunstpacker der Firma Hasenkamp, die von den Museumsrestauratoren im Hinblick auf bestimmte Tätigkeiten ausgewählt und in einen detaillierten Ablaufplan eingeteilt wurden. Des Weiteren wurden bei der Depotbesichtigung folgende Themen diskutiert: Raumklima, Brandschutz, Lagerungssysteme, Inventarisierung und Integrated Pest Management, hier insbesondere die Stickstoff- und Kältebehandlung von befallenen Objekten.

Abschließend wurden die neu eingerichteten Restaurierungswerkstätten besichtigt und Vor- und Nachteil der Räumlichkeiten erläutert.

Im Anschluss an den ersten Teil der Exkursion stand die FG-Sitzung auf dem Programm, bei der ein neues FG-Sprechergremium gewählt wurde. Dabei wurden weitere Aktivitäten der FG diskutiert.

undefinedDie Vorstellung des neuen Sprechergremiums findet sich unter Über uns.

Am zweiten Exkursionstag trafen sich die Teilnehmer im Museumsfoyer, um die im Oktober 2010 eröffnete Dauerausstellung zu besichtigen. Stephanie Lüerßen und Kristina Hopp veranschaulichten anhand der Ausstellungsstücke Ideen und Problemstellungen bei der Präsentation der verschiedenen Objektgruppen.

Beeindruckend war der in der Eingangshalle aufgebaute Reisspeicher aus Süd-Sulawesi. Für die Neupräsentation in der Ausstellung hatte er ein neues Bambusdach erhalten, das auf traditionelle Weise angefertigt worden war. Zusätzlich wurde aus Sicherheitsgründen im Inneren des Reisspeichers ein Metallgerüst mit Sprinkleranlage eingebaut.

Im weiteren Verlauf des Rundgangs wurden am Beispiel ausgewählter Vitrinen und Ausstellungsräume Besonderheiten bei der Präsentation besprochen. Das Thema der Objektmontage wurde von den Teilnehmern besonders ausführlich diskutiert.

Das Konzept für die Neupräsentation beinhaltete die „schwebende“ Objektmontage. Für die Umsetzung hatten die Restauratoren des RJMs die Unterstützung eines erfahrenen Goldschmieds, der insbesondere für kleinteilige Gegenstände und Schmuckgehänge passgenaue und individuelle Drahthalterungen anfertigte. Die Herausforderung auch feingliedrigen Schmuck hängend auszustellen, konnte damit umgesetzt werden.

Zur Präsentation des Themas Die Welt in der Vitrine: Museum fertigten die Kolleginnen selbst eine Vielzahl gebogener Drähte und Halterungen an, um eine beträchtliche Anzahl großformatiger Objekte zu montieren. Zur Fixierung der Montagen in der Wand wurden teilweise sogenannte Rampa-Muffen verwendet.

Während des Rundgangs hoben die Kolleginnen eine spezielle Figurinen-Art hervor. Die aus handgebogenem Aluminium-Drahtgitter gefertigten Figurinen sind sehr empfindlich, lassen sich jedoch sehr individuell anpassen.

Thema war ebenso die LED-Beleuchtung in den Vitrinen sowie die Klimatisierung der verschiedenen Vitrinentypen, u. a. durch Klappen unterhalb der Sockelleisten oder in den Rückwänden („Rucksackvitrinen“). Dabei machten die Kolleginnen die Gruppe auf das Problem beschlagener Vitrinenscheiben aufmerksam, dessen Ursache bisher nicht näher definiert werden konnte und nach der Reinigung der Scheiben immer wieder auftritt. Einzelnen Teilnehmern war dieses Phänomen ebenfalls aus anderen Museen bekannt.

Zum Abschluss des Rundgangs zeigten die beiden Restauratorinnen zwei montierte Holzsärge aus Sulawesi und beschrieben wie es ihnen gelungen war, diese mit Hilfe sehr detaillierter Vorplanungen sowie individueller Halterungen ohne Verleimung in der ursprünglichen Form zu präsentieren.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Stephanie Lüerßen und Kristina Hopp, für die großartige Unterstützung unseres FG-Treffens in Köln. Trotz laufender Umzugsarbeiten und vieler Termine haben sie sich die Zeit genommen, um uns spannende Einblicke in ihre aktuelle Arbeit zu geben und dabei von ihren bisherigen Erfahrungen zu berichten.

Die Organisatoren freuen sich über das rege Interesse an der Exkursion und hoffen, dass sich alle Interessierten weiterhin aktiv an den Unternehmungen der FG beteiligen.


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