Sprecher der Fachgruppe Ethnografische Objekte - Volks- und Völkerkunde

Diana Gabler (Vorsitzende)
National Museum of the American Indian
Cultural Resources Center
4220 Silver Hill Rd.
Suitland, MD 20746
Tel.: +1 301 238 1420
E-Mail: undefinedgablerd(at)si.edu  oder undefinedgabler_d(at)yahoo.com

Seit Oktober 2015 Andrew W. Mellon Fellow in Objects Conservation am National Museum of the American Indian - Cultural Resources Center in Washington DC. Zuvor Restauratorin am Ethnologischen Museum in Berlin u.a. für die Sammlung Amerikanische Ethnologie sowie für das Humboldt Lab Dahlem. 2007-2012 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart im Studiengang Konservierung und Restaurierung von archäologischen, ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten. Eine Zusammenfassung der Diplomarbeit ist veröffentlicht: Gabler, D. Ziermatten von Halmahera – Kunsttechnologische Untersuchungen zur Verarbeitung und Färbung von Blattmaterial. Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung 27 (2013): 251-268.
Diverse Praktika u.a. in den folgenden Institutionen: Archäologisches Museum in Frankfurt am Main, Deutsches Hygiene Museum in Dresden, Landesmuseum Württemberg und Linden-Museum in Stuttgart sowie Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim.



Brigitte Brühl (Stellvertreterin)
Museum für Franken
Staatliches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Würzburg
Festung Marienberg
Oberer Burgweg
97082 Würzburg
E-Mail: Brigitte.Bruehl(at)gmx.de

2006-2011 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste  Stuttgart im Studiengang 'Konservierung und Restaurierung von archäologischen, ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten', Abschluss mit Diplom zum Thema: 'Kupferseifen an ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten'
Vor und während des Studiums Praktika u. a. im Badischen Landesmuseum Karlsruhe, in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, in der archäologischen Denkmalpflege des RP Karlsruhe, in den Kunstsammlungen der Veste Coburg und im Royal Albert Memorial Museum in Exeter (UK)
2011 freiberufliche Tätigkeit für die archäologische Denkmalpflege des RP Tübingen
2012-2014 Restauratorin im DFG-Projekt 'Lauchheim' in der archäologischen Denkmalpflege des RP Stuttgart in Esslingen am Neckar
2014-2015 Volontärin in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim in der Abteilung Kulturen der Welt und ihre Umwelt; konservatorische Tätigkeiten zur Vorbereitung des anstehenden Depotumzugs
seit 2016 Restauratorin im Projekt: Kurz-Inventarisation am Museum für Franken in Würzburg


Sandra Gottsmann (Stellvertreterin)
Reiss-Engelhorn-Museen
Abteilung Weltkulturen und Umwelt
Museum Weltkulturen D5
68159 Mannheim
Tel.d.: 0621/2932125 oder 3179
E-Mail: sandra.gottsmann(at)mannheim.de
oder sandra.gottsmann(at)web.de

Studium an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart; Studiengang Restaurierung archäologischer, kunsthandwerklicher und ethnografischer Objekte; Diplomabschluss 1997; nach zeitlich befristeten Tätigkeiten seit 1999 tätig als Restauratorin für organische und kombinierte Materialien (Ethnografische Objekte) bei den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim.
Schwerpunkt der Tätigkeit: Restaurierung/Konservierung ethnografischer Objekte, präventive Konservierung und IPM, Depotbetreuung und Pflege der ethnografischen Sammlung, Betreuung/Ausbildung von Praktikanten (studienvorbereitend), wiss. Volontären und Studierenden, Sammlungsrecherche, Datenbankpflege und Dokumentation, Leihverkehr und Ausstellungstätigkeit


 

Vorstellung des Fachgebietes

Ethnografische bzw. volks- und völkerkundliche Objekte sind Gegenstände der sogenannten materiellen Kultur europäischer und außereuropäischer Völker. Zur materiellen Kultur gehören all jene Gegenstände, die „in einer Kultur gebraucht werden oder mit Bedeutung behaftet sind“ – zum Beispiel Gebrauchsgegenstände des Alltags, Werkzeuge und Maschinen, architektonische Einheiten, zeremonielle und religiöse Gegenstände.

Die wissenschaftliche und konservatorische Bearbeitung ethnografischer Objekte durch Ethnologen und Restauratoren, sowie ihre Ausstellung und Erläuterung zum Beispiel in Museen dient dem interkulturellen Austausch und der Verständnisbildung und ermöglicht der interessierten Öffentlichkeit gezielte Einblicke in die Geschichte, Tradition, Gebräuche, Religion und Lebensweise anderer, wie auch der eigenen Kultur.

Eine 1928 erworbene chinesische Brautkrone verdeutlicht die typische komplexe Materialvielfalt ethnologischer Objekte.
Sie besteht aus Metall, Eisvogelfedern, Baumwolle, Stein, Glas, Koralle, Porzellan, Seide, Papier und Spiegeln.

Foto: ID 34031, Staatl. Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum, Martin Franken, 2005


Kennzeichnend für ethnografische Objekte ist
oft ihre Funktionsgebundenheit und ihre häufig zu beobachtende, materielle Komplexität. Ethnografische Objekte bestehen aus organischen und anorganischen Materialien, so zum Beispiel aus Pflanzenfasern, -stängeln und -blättern, Holz und Rinde, Tierhäuten, -därmen, -haaren und -zähnen, Horn, Knochen, Elfenbein, Muscheln, natürlichen pflanzlichen und mineralischen Farbstoffen und Pigmenten, Tonerden, Harzen oder Gummen. Ebenso finden sich Metalle, Glas, synthetische Bindemittel und Pigmente sowie Kunststoffe. All diese Materialien unterliegen unterschiedlichsten Veränderungs- und Alterungsprozessen und bedürfen verschiedenster Untersuchungs- und Restaurierungsmethoden und -techniken.

Darüber hinaus besitzen viele Objekte eine religiöse, rituelle oder ideelle Bedeutung und unterliegen oft einer speziellen Vorstellung des Vorbesitzers in Bezug auf ihre Handhabung und Lagerung. Diese Aspekte sollten bei konservatorischen Eingriffen berücksichtigt bzw. nicht verändert werden. Restauratoren ethnografischer Objekte müssen daher, über die verwendeten Materialien und Techniken hinaus, auch über die kulturelle Bedeutung und den Gebrauch eines Objektes informiert sein. Aus diesem Grund stellt der Dialog mit Vertretern der betroffenen Kultur sowie Ethnologen eine wichtige Ergänzung zur Literaturrecherche dar. Kennzeichen originaler Nutzung müssen, soweit möglich, erhalten und dokumentiert werden. Konkret kann dies bei einer Restaurierung bedeuten, dass eine Beschädigung oder Verschmutzung, die durch den originalen Gebrauch hervorgerufen wurde, belassen wird.

Die beiden hier gezeigten mikroskopischen Aufnahmen mit Fasern dienen der Faserbestimmung. Anhand charakteristischer Merkmale können pflanzliche von tierischen Fasern unterschieden werden. Mit entsprechenden Referenzaufnahmen kann auch die Gattung und die Art der Probe bestimmt werden. Technologische und materialkundliche Untersuchungen stellen einen wichtigen Teil der Forschung innerhalb der ethonologischen Restaurierung dar.
Fotos: Hildegard Heine

Aus diesem Grund haben alle Aspekte präventiver Konservierung Priorität vor Eingriffen am Objekt. Dazu gehören neben der Kontrolle der Klimabedingungen (Licht, Luft, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit) in Depot und Schauräumen auch Methoden zur Kontrolle und Bekämpfung von tierischen Schädlingen sowie eine den physikalischen Erfordernissen des einzelnen Objektes angemessene Art der Aufbewahrung und Ausstellung.

Aufwändigere Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen einzelner Objekte sind vor allem dann sinnvoll, wenn die Objekte mit Blick auf Nachhaltigkeit aufbewahrt und ausgestellt werden. Alle Maßnahmen erfolgen unter Berücksichtigung weitgehender Umkehrbarkeit. Ein weiteres Bestreben ist es, das Restaurierungsziel durch möglichst minimalen Eingriff in die Originalsubstanz des Objektes zu erreichen.

Reversible Klebemethoden sind in jeder Restaurierungsdisziplin von großer Wichtigkeit. Innerhalb der Ethnologischen Restaurierung müssen immer wieder neue Verfahren und Anwendungen erdacht werden, um gebrochene oder geschwächte Materialien zu flexibilisieren und zu konsolidieren.
Im Bild rechts wird die Aufbewahrung eines Objektes zum Zwecke der Magazinierung in einer entsprechend individuell angefertigten Box aus höchst alterungsbeständigen, schadstoffgeprüften inerten Materialien demonstriert.
Fotos: Hildegard Heine

Um Erkenntnisse über den Erhaltungszustand eines Objektes, die verwendeten Materialien und die Herstellungstechnik zu gewinnen, werden neben gängigen Methoden zur Materialanalyse wie Auflicht- und Durchlichtmikroskopie, UV-Licht, Infrarotlicht, Spot-Tests usw. auch komplexere physikalische und chemische Analyseverfahren eingesetzt, wie Röntgenstrahlen, Infrarot-Spektroskopie, Massenspektroskopie, Gaschromotographie u.a.


Aktivitäten und Ziele der Fachgruppe

Die Fachgruppe sieht sich in erster Linie als Forum und Netzwerk für Restauratoren, die sich mit der Konservierung und Restaurierung ethnografischer Objekte befassen. Ihr Ziel ist es, geeignete Restaurierungsansätze und Methoden für in der Ethnologie gebräuchliche Materialien und Objektgruppen zu vermitteln und weiter zu entwickeln. Im Rahmen von Exkursionen, Seminaren und Tagungen sowie durch Publikationen werden der Informationsfluss und -austausch innerhalb der Fachgruppe gefördert und ethische Standpunkte diskutiert. Des weiteren steht die Fachgruppe der interessierten Öffentlichkeit als Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur Restaurierung und Konservierung ethnografischer Objekte zur Verfügung.

Beispiel einer Restaurierung

Fotos: Markus Döll

Die hier gezeigte mexikanische Wachsplastik (um 1840) wurde 1989/90 im Überseemuseum in Bremen von Restaurator Markus Döll restauriert (oben links der Vorzustand, rechts ein Zwischenzustand und unten der Endzustand).
Im Falle der naturgetreu gearbeiteten Kleinplastiken wurde der fragmentarische Zustand als störend und unpassend für das Gesamtensemble empfunden. Daher wurden einzelne Gliedmaßen (hier ein Arm) ergänzt.

Rekonstruierende Maßnahmen an fehlenden Teilen sind die Ausnahme innerhalb der ethnologischen Restaurierung, dennoch sind sie in bestimmten Zusammenhängen erforderlich und müssen dann mit wissenschaftlicher Gründlichkeit (Evaluation von Vergleichsstücken, Durchführung von Materialanalysen, evtl. Erprobung von Verfahren/Techniken mit Hilfe von Dummies) vorbereitet und mit der entsprechenden Behutsamkeit durchgeführt werden.