Exkursionen im Rahmen der Tagung „Konservierung und Restaurierung von Holztafelgemälden“

Nach den beiden Vortragstagen in Dresden bestand für die Teilnehmer am Sonntag, den 10. Mai 2015 die Möglichkeit, an drei verschiedenen Exkursionen und Führungen teilzunehmen. Es ging in die Gemäldewerkstatt und Galerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und ins Westerzgebirge. Anne Levin, Cornelia Saffarian und Tino Simon berichten.

Die Exkursionen führten durch die Gemäldewerkstatt im Albertinum und ins Westerzgebirge.

Dabei wurden im Albertinum u.a. Einrahmtechniken erklärt.

In Augustusburg und

in Ehrenfriedersdorf erkundeten die Teilnehmer Kunstwerke und aktuelle Restaurierungsprojekte.

 

Dresden – Gemäldewerkstatt und Gemäldegalerie Alte Meister

Frau Prof. Giebe hatte als Leiterin der Gemäldewerkstatt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in die dortige Werkstatt eingeladen. Aufgrund der großen Nachfrage wurde diese Werkstattführung wiederholt und zusätzlich eine weitere Führung durch die Gemäldegalerie „Alte Meister“ angeboten.

Die Teilnehmer dieser beiden Werkstattführungen hatten die Möglichkeit, die neuen Räumlichkeiten der Gemäldewerkstatt im Albertinum in Augenschein zu nehmen, die sich erst seit Kurzem über dem ehemaligen Hof des Albertinums befindet.  

In der Werkstatt selbst wurden vor allem zwei Objekte besprochen, an denen bildträgerrelevante Maßnahmen erfolgt waren. Das betraf einmal die Rahmung einer Tafel mittels eines speziell angepassten Drucksystems. Das zweite Objekt, das ausführlich besprochen wurde, war ein Holztafelgemälde von Peter Paul Rubens, an dem alte Sicherungsleisten abgenommen worden waren, weil diese zu Spannungen im Bildträger geführt hatten.

Bei dem ersten Vortrag begrüßte Frau Prof. Giebe die Teilnehmer und übergab dann an ihre beiden Kollegen, Axel Börner und Michael Schweiger. Diese erläuterten die Ursachen und die Gründe für die Maßnahmen, man sprach über die Erfahrungen aus der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen der Panel Paintings Initiative der Getty Foundation und in diesem Zusammenhang auch über die Arbeit mit Ray Marchant, Modelle wurden gezeigt, erklärt und konnten persönlich inspiziert werden. Durch gezieltes Nachfragen und Einbringen von eigenen Erfahrungen entstand ein offener, herzlicher und intensiver Austausch.

Axel Börner und Michael Schweiger wiederholten dann für weitere 15 Interessierte noch einmal Ihre Ausführungen, während Frau Prof. Giebe in den Semperbau ging, um dort eine weitere Gruppe durch die Gemäldegalerie „Alte Meister“ zu führen.

Sie stellte ausgewählte Kunstwerke mit ihrer Objektgeschichte vor und erläuterte ältere wie auch jüngere Restaurierungen. Die angenehme Atmosphäre ermöglichte einen spannenden Austausch direkt vor den Kunstwerken und Frau Giebe beantwortete mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem fundierten Wissen bereitwillig alle Fragen.

Frau Prof. Giebe, Axel Börner und Michael Schweiger sei an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für Ihre Bereitschaft, Ihre Offenheit und Ihr Engagement gedankt!

 

Westerzgebirge

Alternativ bestand die Möglichkeit, sich Kunstwerke und Restaurierungsprojekte  im Westerzgebirge live anzusehen. Unter der fachkundigen Begleitung von Dipl.-Rest. Christine Kelm vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und Prof. Dr. Andreas Schulze von der Hochschule für Bildende Künste Dresden standen Stationen in Augustusburg, Ehrenfriedersdorf und Schneeberg auf dem Programm.

Beginnend mit einem phantastischen, sonnigen Weitblick über das Erzgebirge fanden sich die Teilnehmer in der Schlosskapelle Augustusburg ein. Das großformatige Renaissanceretabel mit einem Gemälde von Lucas Cranach dem Jüngeren wird in mehreren Projektphasen restauriert. Zunächst stand die Konservierung und Restaurierung des Bildträgers im Fokus. So soll ein Lamellensystem auf der Rückseite der Bildtafel in Zukunft Klimaschwankungen im Kirchenraum ausgleichen. Die Restauratorinnen Katja Matauschek und Anne-Kathrin Läßig berichteten anschließend über die derzeit laufenden Restaurierungsmaßnahmen an der Bildschicht des Gemäldes. Die Möglichkeit das Kunstwerk von der Rüstung aus zu betrachten wurde für die Teilnehmer zum (hoffentlich) unvergesslichen Erlebnis.

Nach einer kurzen kulinarischen Stärkung mit typisch erzgebirgischer Küche ging es weiter zur Kirche St. Niklas in Ehrenfriedersdorf. Hier befindet sich ein spätgotisches Retabel an dem Künstler wie der Meister H.W. und Hans von Cöln tätig waren. Durch einen Mitarbeiter der Kirchgemeinde wurde es ermöglicht das Retabel zu wandeln und alle drei Schauseiten betrachten zu können. Die Restaurierung des Altares fand 1999 ihren erfolgreichen Abschluss.

Die letzte Station des Tages war Schneeberg, mit der die Stadt überragenden St. Wolfgangskirche.  Sie birgt mit dem Cranachaltar von 1539 ein überregional bedeutendes Kunstwerk. In den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges brannte der "Bergmannsdom" aus. Der Wiederaufbau fand erst in den 1990er Jahren sein Ende. Die in der Barockzeit  zerschnittenen und  geteilten Altarflügel stellten die Restauratoren des Landesamtes vor ungeahnte Herausforderungen. Christine Kelm und Andreas Schulze berichteten über den Werdegang der langjährigen Restaurierung, die mit der Wiederaufstellung des Retabels in moderner Rahmung 1996 beendet wurde.

Die doch noch recht frischen Temperaturen in der Schneeberger Kirche trieben die Exkursionsteilnehmer zum Abschluss in eine nahegelegene Konditorei, wo es sich bei Kaffee und Kuchen wieder aufwärmen ließ.

Anne Levin, Cornelia Saffarian, Tino Simon

 

Abbildungen:

Abb.1: Begrüßung zur Führung durch die Gemäldewerkstatt im Albertinum durch Prof. Marlies Giebe.

Abb.2: Michael Schweiger erläutert in der Gemäldewerkstatt des Albertinums das Prinzip der Einrahmung.

Abb. 3+4: Im Rahmen der Exkursion ins Westerzgebirge machten die Teilnehmer u.a. Station in Augustusburg (3) und in Ehrenfriedersdorf (4).

 

Mehr zum Thema:

undefinedIst Fühlen vermessen? Rückblick auf die Tagung „Konservierung  und Restaurierung von Holztafelgemälden. Erfahrungen aus der Praxis“ (Nachbericht: Ulrike Fischer, Mai 2015) 

undefinedWeitere Informationen auf der Tagungswebsite