Rissverklebung in Leinwandgemälden

Anfang Februar dieses Jahres fand in den Werkstätten des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland in der Abtei Brauweiler/ Pulheim ein dreitägiger Kurs zum Thema „Rissverklebung in Leinwandgemälden“ statt. Der Workshop war in dieser Form schon 2014 erfolgreich in Halle durchgeführt worden und gab wegen der steten Nachfrage nun 12 weiteren Teilnehmern die Gelegenheit, sich theoretisch und praktisch intensiv mit dieser in vielen Fällen unverzichtbaren konservatorischen Maßnahme an Gemälden auf textilem Träger auseinander zu setzen. Ein Nachbericht von Kerstin Remme.

Demonstration verschiedener Hilfsmittel zum Zusammenführen von Rissen (Foto: K. Hinderer)

Referentin Petra Demuth demonstriert die Arbeitsschritte (Foto: K. Hinderer)

Überprüfen der verklebten Einzelfäden (Foto: K. Hinderer)

Sortieren von Fasern während der Einzelfadenverklebung (Foto: P. Demuth)

Die Referentin Petra Demuth, Dozentin am CICS (Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft) der TH Köln, beschäftigt sich seit Jahrzenten mit den Themen rund um die Einzelfadenverklebung und treibt die Entwicklung diesbezüglicher Methoden und Materialien u.a. im Rahmen ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit sowie auch im internationalen Kontext  wesentlich voran.

In einem ersten theoretischen Teil gab sie einen umfassenden Überblick über die in der Vergangenheit bis heute verwendeten Materialien und Techniken der Rissverschließung und anderer damit in Zusammenhang stehenden konservatorischen Aufgabenstellungen, wie z. B. die Behandlung von Deformationen der verletzen Gemäldebereiche und Festigung gelockerter Bildschichten. Anhand von aktuellen wissenschaftlichen Studien zu den Verklebungsmaterialien, die theoretisch für die Rissverschließung eingesetzt werden können, informierte sie über den momentanen Forschungsstand.

Die  methodischen Übungen des Praxisblockes, denen mit der zweiten Hälfte des Workshops ausreichend Zeit eingeräumt war, konnten aufgrund der freundlichen Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) und des Engagements von Anne Heckenbücker in den Werkstätten des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland durchgeführt werden. Jeder Teilnehmer fand einen bestens vorbereiteten, mit Mikroskop, spezifischen Instrumenten und Probematerialien ausgestatteten Arbeitsplatz vor. Dort konnten die im theoretischen Teil gewonnen Erkenntnisse über verschiedene Techniken und Materialien selbst praktisch nachvollzogen und geübt werden. Eine wesentliche Bereicherung stellten dabei die von Petra Demuth ausgeführten, praktischen Demonstrationen dar. Verklebungen unter dem Mikroskop, die mittels eines Beamers an die Wand projiziert wurden, konnten im Detail und in Realzeit verfolgt werden. Im umfangreichen Gepäck hatte Petra Demuth praxiserprobte Materialien und selbst entwickelte Hilfskonstruktionen, wie  z.B. diverse Ausführungen von Zugvorrichtungen, als Anschauungsmaterial mitgebracht. Diese gaben Anlass zur lebhaften Diskussionen über das Für und Wider der bekannten und neuen methodischen Ansätze.

In der sehr kollegialen und freundlichen Atmosphäre, die der Organisatorin der VDR-Fachgruppe Gemälde Kirsten Hinderer, Anne Heckenbücker als Veranwortliche seitens des Denkmalamtes und insbesondere der anregenden und gesprächsoffenen Art von Petra Demuth zu verdanken war, fand während der gesamten Kursdauer ein reger Erfahrungsaustauch aller Beteiligten statt. Die freundliche und durchgehende Versorgung der Kursteilnehmer mit Getränken und Snacks trug nicht unwesentlich zum guten Arbeitsklima bei.

Eine interessante Führung durch die vielseitigen Restaurierungswerkstätten und die Bibliothek der Abtei Brauweiler durch Anne Heckenbücker und ein Vortrag von Dr. Christine Hartmann in der Gedenkstätte Brauweiler über die wechselhafte Geschichte von der Gründung des Klosters bis zur heutigen Nutzung erweiterte das inhaltliche Programm über das eigentliche Thema hinaus und rief den Beteiligten eindrücklich ins Bewusstsein, an welchem geschichtsträchtigen Ort man sich befand.

An dieser Stelle möchte ich mich seitens der Teilnehmer bei Amtsleiterin Dr. Andrea Pufke, die uns in Brauweiler herzlich willkommen hieß, bedanken! Außerdem gilt unser anerkennender Dank Kirsten Hinderer, Anne Heckenbücker und Petra Demuth, die sich zusätzlich zu ihren hauptberuflichen Verpflichtungen für die Verwirklichung und den effektiven Ablauf des VDR-Workshops engagiert eingesetzt haben.

Durch die spürbare Begeisterung der Referentin für das Kursthema und nicht zuletzt auch durch den möglichen Erwerb eines auf die Rissverklebung abgestimmten Werkzeugsets konnten alle Teilnehmer bereichert und hochmotiviert in die heimischen Restaurierungsateliers und Arbeitsstätten zurückkehren.