Sprecherinnen der Fachgruppe Moderne Kunst - Kulturgut der Moderne

Andrea Sartorius, Dipl.-Restauratorin (Vorsitzende)
Liegnizerstraße 25
10999 Berlin
E-Mail 1: post(at)andreasartorius.de
E-Mail 2: andreasartorius(at)gmx.de

Andrea Sartorius ist seit 2009 als Restauratorin für moderne und zeitgenössische Kunst am Kunstmuseum Wolfsburg beschäftigt. Nach Abschluss ihres Diplomstudiums zur Gemälderestauratorin an der Hochschule für Bildende Künste Dresden 2007, absolvierte sie zwei wissenschaftliche Volontariate am Hamilton Kerr Institute Cambridge, Großbritannien und am J. Paul Getty Museum in Los Angeles.



Esther Rapoport, Dipl.-Restauratorin (Stellvertreterin)
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Güntzstraße 34
01307 Dresden
Tel. dienstl.: 0351/4402 2169
E-Mail 1: rapoport.mkkm.vdr(at)gmail.com
E-Mail 2: rapoport(at)hfbk-dresden.de
 
Esther Rapoport absolvierte das Studium der Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Malerei auf mobilen Bildträgern an der Hochschule für Bildende Künste Dresden 2010. Anschließend verbrachte sie zwei wissenschaftliche Volontariate am Hamilton Kerr Institute Cambridge, Großbritannien und an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München. Seit Herbst 2013 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.


Joanna Phillips, Dipl.-Restauratorin (Stellvertreterin)
Solomon R. Guggenheim Museum
1071 Fifth Avenue
New York, 10128 New York
USA
Tel. dienstl.: +1 212 423 3746
Tel. privat: +1 347 261 5289
E-Mail 1: jphillips(at)guggenheim.org
E-Mail 2: joannaphil(at)gmail.com

Dip.-Rest. Joanna Phillips ist seit 2008 am Solomon R. Guggenheim Museum in New York als Restauratorin für Medien- und Performancekunst angestellt. Phillips hat 2002 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden im Fach Gemälderestaurierung diplomiert und spezialisierte sich 2003-2008 am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft in Zürich im Bereich moderne und zeitgenössische Kunst. Phillips doziert und publiziert im Bereich der Erhaltung von Medien- und Performancekunst international.

Assoziiertes Vorstandsmitglied, Koordination Arbeitsgruppen in der Fachgruppe MKKM

Eva Rieß, Dipl.-Restauratorin (Stellvertreterin ohne Stimmrecht)
Müller/ Rieß/ Welther
Schillerstraße 94
10625 Berlin
E-Mail: e.riess(at)mrw-berlin.de



Vorstellung des Fachgebietes

Warum Restaurierung moderner, zeitgenössischer Kunst und modernen Kulturgutes?

Die Konservierung und Restaurierung moderner, zeitgenössischer Kunst einerseits, sowie von Alltagsgegenständen und Designobjekten oder - allgemein - Kulturgütern aus modernen Materialien andererseits, scheint für Laien zunächst nicht erforderlich - handelt es sich doch um junge Arbeiten, die noch keine Schäden aufweisen sollten.

Designer und Produzenten von Gebrauchsgütern konnten seit Beginn des 20. Jahrhunderts auf eine Vielzahl synthetischer Materialien zurückgreifen, die von der chemischen Industrie entwickelt wurden. Auch in der Kunst hat eine große Vielfalt an neuen Materialien neue Verwendung und Techniken hervorgerufen. Der Restaurator ist hier mit einer zum Teil geringen Haltbarkeit und schlechten Langzeit-Stabilität konfrontiert. Dies erfordert neue Herangehensweisen bezüglich der Präsentation und Pflege der Kunstwerke und Kulturobjekte sowie die Entwicklung neuer Bearbeitungsmethoden für deren Erhalt.

In der Objektkunst experimentieren Künstler mit traditionellen Werkstoffen, verwenden ungewöhnliche Materialien, wie z.B. Lebensmittel, oder greifen auf gefundene Objekte zurück. Jedes Material erfordert eine eigene Umgangsweise, die noch im Einzelfall erforscht werden muss. Die Entwicklungen der technischen Medien führen dazu, dass elektronische Teile, wie z.B. Videos und Computer, einbezogen werden. Deren Haltbarkeit sowie geeignete Konzepte zur Konservierung werden derzeit unter Fachleuten diskutiert. In der kinetischen Kunst sind bewegliche Elemente eingebaut und erzeugen ganz bestimmte, vom Künstler gewollte Geräusche, deren Dokumentation besonders entscheidend für die authentische Präsentation ist. Wie jedoch können diese dokumentiert und erhalten werden?

In der Malerei haben Künstler Malweisen entwickelt, bei denen äußerst perfekte, einfarbige, matte oder auch hochglänzende Oberflächen entstehen. Bereits kleine Anzeichen der Alterung oder Beschädigung, wie z.B. altersbedingte Brüche in der Malschicht (Craquelé) oder Fingerabdrücke von Besuchern des Museums, können die Wirkung der Malerei, wie sie vom Künstler beabsichtigt ist, komplett zerstören. Für diese empfindlichen Oberflächen müssen in jedem Einzelfall geeignete Bearbeitungsmethoden gefunden werden.

Nicht nur die Vielfalt der Materialien und Techniken, auch die schlechte Haltbarkeit der Materialien erfordert häufig ein Eingreifen des Restaurators. Designobjekte und Alltagsgegenstände aus modernen Materialien, wie Kunststoff oder Verbundwerkstoff, sind empfindlicher, als es der Anschein oder die Werbung der Hersteller vermuten lässt. Obwohl erst in den letzten Jahrzehnten entstanden, verändern sie sich sehr schnell. Manche dieser Werkstoffe verformen sich bereits nach wenigen Jahren, verändern ihre Farbigkeit oder zerfallen unter normalen Nutzungs- oder Ausstellungsbedingungen. Die Vorstellung von der Unverwüstlichkeit der Kunststoffe ist zwar ein wesentlicher Bestandteil ihres Images, jedoch sind viele der Materialien empfindlich gegen mechanische Einwirkungen oder gegen Reinigungs- und Lösemittel. Die vormals glänzend-bunten Oberflächen verblassen, werden durch Kratzer matt und erscheinen unansehnlich.

Die Auswirkungen von Restaurierungsmaterialien und –methoden auf viele synthetische Werkstoffe ist bei der Behandlung beschädigter Objekte in Einzelfällen nicht genau bekannt. Manche in der Konservierung und Restaurierung von traditionellen Materialien bewährte Verfahren können sogar zu einer Zerstörung des Objekts führen. Häufig ist daher eine Identifizierung des vorliegenden Materials mittels chemischer Analysen erforderlich. Möglichkeiten zu deren Identifizierung sowie Maßnahmen zum Erhalt werden seit einigen Jahren in der Restaurierungspraxis und an Restaurierungsstudiengängen der Hochschulen weiterentwickelt.

Eine weitere Schwierigkeit bei dem Erhalt zeitgenössischer Kunst ist die Vielfalt der jeweiligen Wirkungsabsichten, der Intention. Bevor der Restaurator das Kunstwerk bearbeitet, muss ihm dessen Intention klar sein, da sie ganz unterschiedliche Maßnahmen erfordern kann. In der Konzeptkunst haben Künstler mit ihren Arbeiten z.B. meist eine hohe Perfektion beabsichtigt. Selbst farbliche Ausbesserungen von kleinen Beschädigungen werden häufig abgelehnt, perfekte Neuanfertigungen stattdessen vorgezogen. Ist jedoch die Vergänglichkeit des Kunstwerkes beabsichtigt, sind alterungstypische Veränderungen, wie bei Werken aus Schokolade von Dieter Roth, von der Schimmelentstehung bis zur Auflösung des Objekts provoziert und Bestandteil der Intention.

Die Befragung des Künstlers in Form eines Interviews kann maßgebliche Erkenntnisse zum verwendeten Material und seiner Bedeutung, sowie grundlegende Entscheidungshilfen zum Erhalt des jeweiligen Kunstwerks liefern.

Im Gegensatz zu zeitgenössischen Kunstwerken lässt sich die Frage, inwieweit Veränderungen wie z.B. an Designobjekten aus modernen Materialien akzeptabel sind, oftmals schwer festlegen. Die Idee einer Patina hat sich in der verhältnismäßig kurzen Geschichte der Kunststoffe noch nicht entwickeln können. Oberflächenveränderungen durch Gebrauch werden meist als Beschädigung und nicht als Wertsteigerung empfunden und daher selten akzeptiert.

Es stellt sich die Frage, ob ein Designobjekt, wie z.B. ein Beistelltisch nach einem Entwurf von Marcel Breuer, eine makellose, hochglänzende Oberfläche haben muss, um den Entwurf in all seinen Aspekten erfahren zu können. Gebrauchsspuren wie Kratzer und Farbveränderungen – vielleicht auch Überfassungen machen das Serienmöbel andererseits zu einem einzigartigen Zeitdokument, das Aufschlüsse über die tatsächliche Nutzung erst erlaubt. Ein Objekt kann so Träger zweier, nicht vereinbarer Informationen sein, wodurch sich die Entscheidung für ein Konservierungs- und Restaurierungskonzept erschwert.

Ein weiterer Schwerpunkt der restauratorischen Arbeit ist die Dokumentation. Oftmals sind Materialveränderungen oder Schäden nur im Vergleich mit z.B. älteren Fotos als solche zu benennen. Um frühzeitig Veränderungen am Kunstwerk oder am Objekt zu erkennen und entsprechend handeln zu können, ist ausführliches, schriftliches und fotografisches Dokumentationsmaterial grundlegende Basis.

Da es sich bei allen Kulturgütern um Unikate handelt, in unbeschreiblicher Vielfalt der Kombination von Materialien und Techniken, mit unterschiedlicher Benutzungs- und Alterungsgeschichte, hat jedes Objekt – selbst das Serienprodukt - sein material- und alterungstypisches Veränderungs- und Schadensbild. So gibt es keine standardisierten Erfassungs- und Restaurierungsmethoden.
Barbara Sommermeyer, Stephanie Dirks
Juni 2006

Gründung und Struktur der Fachgruppe

Nach der Fusion aller deutschen Verbände entwickelte sich mit dem VDR eine neue Verbandsstruktur in Deutschland, die ihre Mitglieder neben den regional und politisch orientierten Ländergruppen auch in Fachgruppen organisiert, welche sich speziellen Fachbereichen der Konservierung und Restaurierung widmen.

Erstmals konstituierte sich dabei im europäischen Raum durch die Gründungsinitiatoren Christian Scheidemann, Ulrich Lang und Barbara Sommermeyer im Jahr 2001 eine Restauratoren-Fachgruppe für moderne Kunst. Der Name ‚Fachgruppe Moderne Kunst – Kulturgut der Moderne’ soll besonders der Tatsache Rechnung tragen, dass nicht nur Objekte der freien Kunst im Mittelpunkt stehen. In der Fachgruppe können sich verschiedene Fachdisziplinen wiederfinden, die gemeinsamen Fragen nachgehen.

Auf dem 1. Symposium der Fachgruppe an der Fachhochschule Köln im Februar 2002 wurde unter dem bezeichnenden Titel ‚Der Stand der Dinge’ der Bedarf einer ‚Kunsttechnologie der Moderne’ formuliert. Bereits bestehende Forschungsprojekte und Netzwerke sowie mögliche Hilfsmittel für Recherchen wurden vorgestellt und eine Zusammenarbeit mit Industrieherstellern wurde gefordert. Im Anschluss an die Diskussionen zu den offenen Fragen, haben sich spontan vier Arbeitsgruppen gebildet: Datenbanken/Netzwerke, Bibliografie, Moderne Materialien und Videokunst/elektrische und elektronische Medien. Die Mitglieder der Arbeitsgruppen treffen sich auf freiwilliger Basis zu den einzelnen Themen und werden von einem Arbeitsgruppensprecher geleitet. Dadurch werden Themen in breiter Mitgliedschaft behandelt und Projekte entwickelt.

Elektrische und elektronische Medien

(Kontakt: Ulrich Lang, Frankfurt, Email: u.lang@conserve-art.de)

Bibliografie

(Kontakt: Aika Schnacke, Hamburg, Email: konservieren(at)aol.com)