Exkursion der FG Wandmalerei nach München

Am 5. Juni 2015 trafen sich etwa 20 Restauratoren in München zur diesjährigen VDR-Exkursion der Fachgruppe Wandmalerei/ Architekturoberfläche. Es sollte eine überaus spannende Veranstaltung werden, die gleich in der Residenz München begann, wo die VDR-Gruppe die seltene Möglichkeit hatte, die Baustelle der aktuell wegen Restaurierung geschlossenen Nibelungensäle zu besichtigen.

Der Bayerische Landtag hatte 2013 Finanzmittel für die kostbar ausgestatteten Nibelungensäle im westlichen Erdgeschoss des Königsbaus der Münchener Residenz freigegeben. Nach detaillierter Erfassung der Schäden ist die eigentliche Restaurierung der Raumdekoration sowie der einzigartigen Malerei Julius Schnorr von Carolsfelds (1794-1872) in vollem Gange. Die Restaurierung hat nicht nur wegen der hohen künstlerischen Qualität der klassizistischen Raumschale und des konservatorischen Anspruchs sondern auch aufgrund des sehr aufwendigen Ausschreibungsverfahrens für Aufmerksamkeit unter der Fachkollegschaft gesorgt. In drei Vorträgen mit Bildpräsentation wurde in die Entstehungs- und Restaurierungsgeschichte der Räume, die Schadenssituation und das besondere Vergabeverfahren zur Findung geeigneter Fachrestauratoren eingeführt.

1 - „Raumfolge – Programm und Ausführende, Bau- und Restaurierungsgeschichte, Rahmenkonzept, Vergabeverfahren“
Stephan Wolf - Projektrestaurator der zuständigen Fachbehörde, der Bayerischen Schlösserverwaltung, Restaurierungszentrum/ Fachbereich 5, Wandrestaurierung -  erläuterte den genauen Ablauf des Vergabeverfahrens, durch welches 2014 ein vergleichsweise großes Team von Restauratoren und Handwerkern unterschiedlicher Fachrichtungen zusammengestellt wurde.

2 - „Raumschale - Bestand-Schäden-Maßnahmen, Schadsalzproblematik, Raumklima“
Armin Schmickl (Restauratorenteam Schmickl-Prochnow GbR) - freiberuflich tätiger Fachplaner und Fachbauleiter für die restauratorischen Gewerke - berichtete über den Ablauf der Voruntersuchungen, welche für die sehr großen Flächen in einem verhältnismäßig kleinen Zeitfenster geleistet werden mussten. Er erläuterte auch besondere Problemschwerpunkte, wie z.B. die starke Salzbelastung am Mauerwerk und in den die Malerei tragenden Wand- und Deckenputzen.

3 - „Wandgemälde –  Bestand-Schäden-Maßnahmen“
Frau Badstuber, Sprecherin des Ausführungsteams der Restauratoren, präsentierte detailliert den Ablauf der konservatorischen Arbeiten mit vielen interessanten Details und Bildimpressionen.

Auf diese Weise bekamen die FG-Teilnehmer von Seiten des Auftraggebers, der Projektplaner und der Ausführenden einen tiefen Einblick in die jeweiligen Arbeitsfelder.
Nach jedem Vortragsabschnitt war Zeit für Fragen, was u.a. zu sehr interessanten und wichtigen Diskussionen zum Thema der VOB-Vergabe führte. Im Anschluss wurde in zwei Gruppen über das Gerüst geführt und die durchgeführten  Arbeiten direkt am Objekt vorgestellt und erläutert – gute Gelegenheit für die Exkursionsteilnehmer, konservatorische Sachverhalte zu diskutieren und interessante Erkenntnisse zu gewinnen. Nach drei Stunden konzentrierter Information und starker Eindrücke machte sich die Gruppe mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg zum Schloss Nymphenburg, wo in einem Café der Mittagsimbiss wartete.

Am Nachmittag wurde die Restauratoren-Fachgruppe von der Leiterin des Restaurierungszentrums der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten, Dr. Katrin Janis, in den zu modernen Restaurierungswerkstätten ausgebauten ehemaligen Stallungen des Nymphenburger Schlosses begrüßt.
Hier führten in der Folge Inga Pelludat (Werkstatt für Gemälde und Ausstattung) und Klaus Häfner (Werkstatt für Stuck und Stein) durch die großzügigen Räume. Besonders beeindruckend war die Tatsache, dass in den Werkstätten die alten Pferdeboxen in Struktur und Substanz erhalten worden sind, was zu einer sehr interessanten Raumnutzung  führte. So befindet sich z.B. ein kleines Analyselabor in einer dieser Boxen.

Im Anschluss führten Dr. Klaus Kratzsch (Gebietsreferent des Bayerischen Landesamtes für Denkmalspflege a.D.) und Klaus Häfner bei schönstem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen durch den Park des Schlosses. Berichte der beiden Fachleute zur Historie von Nymphenburg und seinen Parkbauten ebenso wie zu den konservatorischen Bemühungen um die Erhaltung der marmornen Parkskulpturen begleiteten die Exkursionsteilnehmer beim Spaziergang durch schattige Alleen, entlang an Kanälen und Seeufern, über Brücken und Terrassen …

In der Badenburg konnten nicht nur die aufwendig restaurierten chinesischen Tapeten bewundert werden, sondern gleichermaßen ein sehr besonderes historisches „Hallenbad“, das sich Kurfürst Max Emmanuel in den Jahren 1719 – 1721 von Joseph Effner bauen ließ.
Zum Abschluss versammelten sich alle Exkursionsteilnehmer bei Kaffee und Eis im Schatten des Palmenhauses und ließen einen eindrucksvollen Tag in der bayerischen Landeshauptstadt mit angeregten Gesprächen ausklingen.

Ein großes Dankeschön gilt allen namentlich genannten Münchener Kolleginnen und Kollegen der Schlösserverwaltung sowie des Bauamtes der Stadt für die ausgesprochen engagierte Begleitung der FG-Exkursion! „Sehr gern kommen wir wieder“ – so der Tenor aller Teilnehmer unisono, der wohl das größte Kompliment ist.

Sven Taubert, Kathrin Klingler

Bildnachweis: Fotos von Sven Taubert, außer Abbildung 2 und 3 (Residenz München und Nibelungensaal) Bayerische Schlösserverwaltung www.schloesser.bayern.de