Sprecher der Fachgruppe Wandmalerei und Architekturoberflächen

Sven Taubert, Dipl.-Restaurator (Vorsitzender)
Altkaditz 23 A
01139 Dresden
Tel.: 0351 7 8385701 
Tel.: 0172 / 3521941
E-Mail: sven.taubert(at)t-online.de

Kathrin Klingler, Dipl.-Restauratorin (Stellvertreterin)
Burg 3 1/2
87733 Markt Rettenbach
Tel.: 08392/9348326
Mobil: 0151/11601895
E-Mail: Restaurierung-Klingler(at)gmx.de

Susanne Schumann, Dipl.-Restauratorin (Stellvertreterin)
Tel.: 0177/4596903
E-Mail: Susanne.Schumann.VDR(at)posteo.de

 

Vorstellung des Fachgebietes

Das Dorf-, Städte- Regional- und Länderbild wird geprägt durch Architekturoberflächen, bemalte Fassaden, gestaltete Putzoberflächen, Stuckierungen oder Wandmalereien. Gerade deshalb sind diese Oberflächen wohl die mit am häufigsten veränderten Zeugnisse unserer Kultur. Architekturgebundene Fassungen profaner und religiöser Architektur sind ein Spiegel des jeweiligen Zeitgeschmacks und geben ein bewegtes Zeugnis über den sozialen Auf- und Abstieg der Gesellschaft.

Die Bearbeitungsbandbreite wird insbesondere durch die Verbindung zur Architektur mit all ihren technischen und ästhetischen Dimensionen festgelegt. Aufgrund ihrer Immobilität sind solche Oberflächen besonders gefährdet. Das Schicksal der Objekte ist zumeist untrennbar mit den Umgebungs- und Umweltbedingungen verbunden.



Die konservatorische/ restauratorische Tätigkeit hat mit verschiedensten Arten von Oberflächengestaltungen zu tun: Fassadenmalereien, Innenraumdekorationen in figuraler und dekorativer Ausführung, mono- und polychrome Fassungen in Fresko/ Secco, Sgraffitis, Mosaiken, Tapeten, Stuccolustro und viele andere mehr, bis hin zu abgenommenen Wandmalereien oder gefassten archäologischen Funden. Das reichhaltige Materialspektrum der Untergründe reicht von Kalkmörteln, Putzen, Lehm, Ziegel, Terrakotta, (Stein als Grenzgebiet!), Gips, Tapeten bis hin zu modernen Materialien (z.B. Beton/ ‚East Side Gallery’ Berliner Mauer).

Entwicklung von Arbeitsweisen und Materialien

Stets den Aspekt der Schadensursachenbeseitigung statt reiner Symptombehandlung vor Augen, liegt der aktuelle restauratorische/ konservatorische Ansatz zunehmend darin, die vorhandene Materialität in seinen physikalisch/ chemischen Eigenschaften zu verstehen und gleichartige Substanzen anzuwenden. Dieser Ansatz wird aktuell repräsentiert durch Forschungen an Materialien wie: Nanokalk, Calciumethanolat, Disp. Kalk/ Calxnova und Biomineralisierung.

Als besonders spannend stellt sich im Moment das Feld der Mikrobiologie dar, zum Beispiel in den aktuellen Forschungsarbeiten an der Amtlichen Materialprüfungsanstalt Bremen (www.mpa-bremen.de). Themen sind die Entwicklung eines Putzsystems zur mikrobiellen Entsalzung (Nitrate) von historischem Mauerwerk und Mykotoxinbildung durch Pilze auf Baustoffen und Optimierung der Analyse zur Anwendung in der Baubiologie. Ziel ist es, eine Demobilisierung und Verminderung von schädigenden Salzen durch biogene Substanzen an Denkmalen durchzuführen, die bislang mit herkömmlichen Methoden nicht in den Griff zu bekommen waren.




Eine interessante Neuentwicklung der letzten Jahre war das selbstverflüchtigende Bindemittel Cyclododekan zum präventiven Schutz wertvoller Oberflächen. Verbesserungen versucht man ständig in der Anwendung und Entwicklung von Lösemittelgelen/ bzw. Kompressenauflagen zur Verminderung von Schadsubstanzen auf Oberflächen vorzunehmen.

Zur Gewinnung erster Erkenntnisse, zur Einschätzung des Bestandes am Objekt und zur Weitergabe von Informationen/ Fragestellungen an die Naturwissenschaft dienen immer mehr Schnellanalysemöglichkeiten auf Salze und Elemente, Lösemittelsets, Probenpräparation zur Anschliffherstellung für die Kenntnisgewinnung des Malschichtaufbaus (blaulichthärtendes Harz, ‚Blaulichtofen’), Mikroskopie, Ultraschall, Minidruckluftmeißel, drucklose Dampferzeuger, Lasereinsatz, optisch und digitale Lupensysteme.

Bildrechte: Barbara Hentschel, Hildesheim

Beispiel einer Restaurierung

Die Konservierung/ Restaurierung der Malereien des Turmchores in der Evangelischen Pfarrkirche St Nikolaus in Lampoldshausen

Bereits im Zuge der Erbauung der evangelischen Kirche St. Nikolaus in Lampoldshausen im 11. Jahrhundert oder wenig später, erfolgte eine romanische Ausmalung des Innenraumes. Im 13. Jahrhundert folgte eine weitere figürliche Ausmalung im gotischen Stil. Die heutige Kombination beider Malereiphasen scheint das Ergebnis der Freilegung von 1909 zu sein. Dabei zeigen sich die Decke und das östliche Segmentbogenfeld oberhalb des Gesimsbandes in einer romanischen Verputz- und Malweise, während die Zonen unterhalb des Gesimses in gotischem Stil ausgeführt sind.

Anlass zur Renovierung, Restaurierung und Konservierung von Juni bis November 2002 waren Schäden an der barocken Holzempore, bauliche Mängel und ein bedrohlicher Zustand der Malereien.


Die Ausmalungen im Turmchor wurden 1909 entdeckt und mechanisch freigelegt, wodurch sie insgesamt stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Durch die wenig fachgerechte Freilegung waren Malschichtreduzierungen und Ausdünnungen bis hin zum Totalverlust die Folge. Es entstanden Schlag-, Schab- und Kratzspuren, sowie eine Vielzahl von verbliebenen Tüncheresten, was zwangsläufig weitere Überarbeitungen nach sich zog. Weitere, dem heutigem Stand der Konservierung nicht mehr entsprechende Maßnahmen an den Malereien folgten. Im Laufe der Zeit führten versprödete Fixierungen, Salzablagerungen und Mikroorganismen, verstärkt durch ein ungünstiges Raumklima zu weiteren Schäden an den Malereien.


Bestandteil der Konservierung im Chor war zunächst die Erfassung von Bestand, Zustand und Schäden über eine Kartierung, Beschreibung und fotografische Bearbeitung. In der Arbeitsdurchführung stand eine Klärung der Schadensursachen und Beseitigung der Schäden im Vordergrund. Ein wesentlicher Aspekt der Malereibearbeitung lag in der Rückführung der Überarbeitungen auf den tatsächlichen Bestand der Malereien unter Respektierung seiner Verletzungen und baugeschichtlichen Veränderungen.




Hauptbestandteil der konservatorisch/ restauratorischen Arbeiten stellte die Abnahme der Fixierungen und Übermalungen, das Hinterfüllen von Hohlstellen und das Ausführen der Putzergänzungen dar. Ein vorheriges Entfernen der unregelmäßigen, harten und durch die Abgabe von Salzen schädigende Gips- und Zementreparaturen diente zur Verbesserung des Bestandes und zur Verminderung potenzieller Schadensquellen. Diese wurden wieder in Kalkputz ergänzt. Ein Injektionsverfahren mit einem speziell aufbereiteten Kalkmaterial diente zum Wiederbefestigen losgelöster und gelockerter Originalputzbestände. Mit speziell abgestimmten Reinigungstechniken konnten die überliegenden, gedunkelten Fixierungen erweicht und schonend abgenommen werden. An den Wänden des Turmchores ist bis in ca. 2 Meter Höhe ab Bodenniveau ein neuer Kalkverputz mit eingebetteten Elektroheizschleifen angebracht worden, um die eindringende Grundfeuchte bereits im Mauerwerk durch Temperaturerhöhung zur Verdunstung zu bringen.



Ausführende:
Sylvia Fontana, Rest. in Ausbildung, FH Bern
Carolin Genkinger, Dipl.-Rest., Stuttgart
Ekkehard Fritz, Dipl.-Rest., Neulingen
Betreuende Behörde: LAD Baden-Württemberg, Esslingen, Dr. Dörthe Jakobs

Bildrechte: Ekkehard Fritz, Neulingen