… aus Gründen. Frauen als Unternehmerinnen

Das Restauratorinnen-Duo bei der Gründerinnenkonferen"Frauensache: Unternehmen gründen" des BFB. © Fred Ferschke reportage-berlin.de Frauen sehen sich bei der Gründung eigener Unternehmen mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert. Das wurde auf der Gründerinnenkonferenz […]
Das Restauratorinnen-Duo bei der Gründerinnenkonferen"Frauensache: Unternehmen gründen" des BFB. © Fred Ferschke reportage-berlin.de
Das Restauratorinnen-Duo bei der Gründerinnenkonferen"Frauensache: Unternehmen gründen" des BFB. © Fred Ferschke reportage-berlin.de

Frauen sehen sich bei der Gründung eigener Unternehmen mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert. Das wurde auf der Gründerinnenkonferenz des Bundesverbands der Freien Berufe am 14.11.2022 deutlich, auf der sich weit mehr als 100 Gründerinnen aus den verschiedensten Berufsfeldern austauschen konnten.

Zentral waren Themen wie der Mutterschutz für Selbständige oder auch Nachteile für Frauen durch Elternschaft: im Schnitt reduzieren Männer ihre Arbeitszeit kindsbedingt um eine Stunde – Frauen aber um sechs. Frauen begegnen nach ihrer Elternzeit größere Probleme beim Wiedereinstieg in den Beruf als Männern. Dass Mutterschaft und Unternehmerinnentum keine Widersprüche sind, ist noch nicht in allen Köpfen angekommen, vielmehr besteht häufig die Vorstellung, dass das eine zu Lasten des anderen gehen muss – wobei junge Väter mit Unterstellungen der Rabenelternschaft nicht zu kämpfen haben. Die Erwartung an Frauen und Mädchen in der Gesellschaft ist zum großen Teil immer noch „Sei brav, sittsam und bescheiden, dann mögen alle dich gut leiden“. Die größten Herausforderungen sind der zeitliche Aufwand einer Gründung, die Suche nach einem Geschäftsort und die Abrechnung bzw. die Beurteilung der Betriebszahlen. Auf die Herausforderung „Gründung“ werde man an den Hochschulen bislang noch nicht in ausreichendem Maße vorbereitet.

Die Schwierigkeiten sind für Gründerinnen jedoch keineswegs auf das „Biologische“ beschränkt, die Hemmnisse gehen über die Frage „wer nimmt Elternzeit?“ hinaus. In Schulbüchern kommt regelmäßig nur „der“ Unternehmer vor, entgegen der empirischen Wahrheit sind die „Bergdoktoren“ im Fernsehen ausschließlich männlich. Gründungen von Männern haben im Schnitt das Neunfache Finanzvolumen weiblicher Gründungen. Frauen in Geschäftsbereichen mit hohem „MINT“-Anteil sind immer noch die Ausnahme – das liegt aber weniger an deren „Talent“, sondern eher daran, dass Frauen technische und naturwissenschaftliche Qualifikationen selten zugetraut werden – begonnen von den Lehrkräften bis hin zu potentiellen Geldgebern: „Lehrer denken MINT und Mädchen nicht zusammen“ hieß es in der Diskussion.

Hier konnten Eliza Seifert und Julica Ebeling von „Duvar Restaurierung“ zeigen, dass das Gegenteil richtig ist: Sie führen seit 2016 erfolgreich ihren Restaurierungsbetrieb. Von ihrer Motivation und ihren Erfahrungen haben die beiden bereits im VDR-Blog in der Reihe „Stark gegründet“ im März 2022 berichtet: „Erfolg ist eine Treppe und keine Tür“, betonten sie damals.

Auf dem Podium plädierten Eliza Seifert und Julica Eberling für ein langsames Wachstum, da in der Restaurierungsbranche der Erfolg stark mit dem technischen Know-how und der Erfahrung zusammenhänge. Auch wenn auf dem Weg zur Gründung keine großen Hürden zu überwinden waren und der Einstieg in die Selbständigkeit recht unkompliziert gewesen sei, bewahrheitete sich auch bei Duvar-Restaurierung, dass wesentliche Grundlagen in der Betriebswirtschaft in der Hochschullehre fehlten. Es sei jeder Gründerin und jedem Gründer zu empfehlen, sich in diesem Bereich zu bilden, um den Umfang der Nebentätigkeiten realistisch mit in die Kalkulationen einbinden zu können, ergänzen die beiden abschließend.