(Nichts) Neues zur EU-Biozidverordnung

Im Herbst des vergangenen Jahres haben wir das letzte Mal zum aktuellen Stand der EU-Biozidverordnung berichtet, durch die Stickstoff als Biozid eingestuft wird. Dies hat immense Auswirkungen auf präventive Konservierung von Kunstobjekten, da Stickstoff europaweit nicht mehr zur Schädlingsbekämpfung verwendet werden darf. Die Ausnahme bildet die Anwendung von Stickstoff in Flaschen, sofern diese von einer […]
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Im Herbst des vergangenen Jahres haben wir das letzte Mal zum aktuellen Stand der EU-Biozidverordnung berichtet, durch die Stickstoff als Biozid eingestuft wird. Dies hat immense Auswirkungen auf präventive Konservierung von Kunstobjekten, da Stickstoff europaweit nicht mehr zur Schädlingsbekämpfung verwendet werden darf. Die Ausnahme bildet die Anwendung von Stickstoff in Flaschen, sofern diese von einer bestimmten Firma bezogen werden.

 

Nach einer Reihe von Abmahnungen und einstweiligen Verfügungen kam unlängst zu zwei verschiedenen Gerichtsverhandlungen mit dem gleichen Hauptstreitpunkt: Unterliegen die Methoden zur Schädlingsbekämpfung, die auf dem  Abscheideverfahren von Sauerstoff mittels Membranen basieren, der Biozid-Verordnung?

Das Ergebnis in erster Instanz bei beiden Verhandlungen ist wenig erfreulich. Die Richter waren der Auffassung, dass das Abtöten von Schädlingen durch den Entzug von Sauerstoff der Atemluft und der damit verbundenen Anreicherung von Stickstoff ein chemischer Prozess ist. Dieser unterliegt damit der Biozid-Verordnung und ist nicht zulässig. Eine der beiden betroffenen Firmen, die sich auf Schädlingsbekämpfung im Bereich von Kunst- und Kulturgut spezialisiert haben, geht in Revision. Die andere sieht ihre Chancen auf Erfolg als so wenig aussichtsreich an, dass sie ihre Leistungen fortan nicht mehr in Deutschland und den anderen EU-Ländern anbietet.

Doch was heißt das nun für uns Restauratoren in Museen, wissenschaftlichen Sammlungen und der Denkmalpflege?

Die einzige für alle Materialien schadensfreie Methode gegen Schädlingsbefall vorzugehen und Kunstwerke langfristig zu erhalten, darf nach der aktuellen Gesetzeslage nicht angewendet werden. Unzählige Kunstwerke und Kulturgüter sind so sehenden Auges vom Verfall bedroht – das sind europaweit Milliardenwerte. Jedoch drohen Strafen bei Verstößen gegen die bestehende EU-Verordnung, weswegen der VDR weiterhin davon abrät, Anlagen mit sogenannten Stickstoffgeneratoren zur Schädlingsbekämpfung zu betreiben.*

Der VDR unterstützt die ICOM-Initiative zur Rücknahme des Verbots durch Vernetzung von Kulturinstitutionen und Verbänden. Ziel ist es Stickstoff wieder aus der EU-Biozidverordnung zu entfernen. Jedoch wird das aktuelle Gesetzt erst 2021 erneut von der EU-Kommission geprüft.

Stefanie Bründel, 12.02.2019

* Nicht betroffen von den Einschränkungen innerhalb des EU-Marktes ist die präventive Lagerung von Kunst- und Kulturgut in kontrollierten, sauerstoffarmen Atmosphären (Controlled Atmosphere) gegen negative Umwelteinflüsse.

Foto: pixabay

 

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