Flémaller Tafeln kehren ins Städel zurück

Das Städel Museum Frankfurt präsentiert nach sieben Jahren intensiver Forschungs- und Restaurierungsarbeit zwei Hauptwerke aus der Sammlung Alte Meister.

Das Städel Museum Frankfurt präsentiert nach sieben Jahren intensiver Forschungs- und Restaurierungsarbeit zwei Hauptwerke aus der Sammlung Alte Meister. Zwischen 2019 und 2025 wurden die Gemälde Heilige Veronika und Stillende Muttergottes des sogenannten Meisters von Flémalle einer umfassenden kunsttechnologischen Erforschung sowie einer konservatorischen und restauratorischen Bearbeitung unterzogen.

Im Fokus der Maßnahmen standen die langfristige Sicherung der empfindlichen Substanz sowie die Wiederherstellung der ursprünglichen ästhetischen Wirkung der Gemälde. Im Werk Heilige Veronika konnte der großflächig geschädigte Brokathintergrund, von dem nur etwa 30 Prozent der Originalsubstanz erhalten war, dank detaillierter Voruntersuchungen rekonstruiert werden.

Beide Werke sind gemeinsam mit der dritten Flémaller Tafel, dem Gnadenstuhl, wieder im Sammlungsbereich Alte Meister zu sehen.

Die Maßnahmen

Mit Hilfe modernster kunsttechnologischer Untersuchungsverfahren, darunter Röntgenaufnahmen, Infrarotreflektografie und Mikro-Röntgenfluoreszenz-Analysen,konnte die Maltechnik der Meisterwerke präzise rekonstruiert und das Ausmaßspäterer Eingriffe nachvollzogen werden.

In mehrjähriger Arbeit wurden die Tafelnanschließend konserviert und spätere Eingriffe Schritt für Schritt zurückgenommen. Die fragile Malschicht wurde gefestigt und stark vergilbte Firnisschichten, nicht originale Übermalungen sowie frühere Retuschen behutsam entfernt. Fehlstellen in der Malschicht wurden geschlossen, rekonstruiert und die ursprüngliche künstlerische Intention wieder erfahrbar gemacht. So kommen die außergewöhnliche Detailgenauigkeit und die intensive Farbigkeit der Malerei wieder eindrucksvoll zur Geltung.

Besonders sichtbar wird dies zum Beispiel in den kostbar gestalteten Brokathintergründen, im tief leuchtenden Blau und Rot der Gewänder, in der mit höchster Präzision ausgeführten Malerei der Pflanzen oder in den fein modellierten Gesichtszügen.

Im Werk Heilige Veronika konnte der großflächig geschädigte Brokathintergrund, von dem nur etwa 30 Prozent der Originalsubstanz erhalten war, dank detaillierter Voruntersuchungen präzise rekonstruiert werden. Eine besondere Entdeckung war dabei der Nachweis der Verwendung einer sogenannten Lochpause – einer Technik, mit der das aufwendige Rapportmuster durch eine mit feinen Löchern versehene Vorlage und das Einreiben von Kohlestaub auf die Bildoberfläche übertragen wurde. Diese Erkenntnis erlaubt einen tieferen Einblick in die Arbeitsweise des Meisters von Flémalle.

Beim Gemälde Stillende Muttergottes stand die Bearbeitung der großflächigen Beschädigung von Lasuren in den dunkelblauen Farbpartien wie zum Beispiel dem Madonnenmantel im Vordergrund. Der teilweise zerstörte originale Faltenwurf des Mantels wurde bei der jüngsten Restaurierung freigelegt und behutsam retuschiert, und so für die Betrachter wieder lesbar gemacht.

Weitere Informationen zu den Flémaller Tafeln gibt es in der Digitalen Sammlung unter sammlung.staedelmuseum.de

Restaurierung: Stephan Knobloch, Leiter Kunsttechnologie und Restaurierung - Gemälde und moderne Skulpturen, (Städel Museum), Linda Schmidt, Diplom-Restauratorin (Städel Museum)

Sammlungsleitung: Prof. Dr. Jochen Sander, Sammlungsleiter Deutsche,
Holländische und Flämische Malerei vor 1800

Förderung: Gefördert wurde das Projekt durch die Enthusiasten des Städelschen Museums-Vereins e.V.

Im Foto Restauratorin Linda Schmidt bei der Rekonstruktion von Brokatdetails (© Städel Museum).
Im Foto Restauratorin Linda Schmidt bei der Rekonstruktion von Brokatdetails (© Städel Museum).
Restaurierung der Flémaller Tafeln, Rekonstruktion von Brokatdetails: Heilige Veronika (Detail)
Foto: Städel Museum
Restaurierung der Flémaller Tafeln, Rekonstruktion von Brokatdetails: Heilige Veronika (Detail) Foto: Städel Museum
Werkstattansicht XRF-Messung
Restaurierung der Flémaller Tafeln
Foto: Städel Museum
Werkstattansicht XRF-Messung Restaurierung der Flémaller Tafeln Foto: Städel Museum