Häufig gestellte Fragen zu Praktikum und Studium

Die Interessengruppe Restauratoren in Ausbildung (RiA) hat an dieser Stelle für alle Interessierten die nachfolgende Liste häufig gestellter Fragen zur Restauratoren-Ausbildung zusammengestellt.

1. Welche Grundvoraussetzungen muss ich als angehende/r Restaurator/in mitbringen?
Voraussetzung für den Erfolg im Studium sind vor allem Begeisterungsfähigkeit, Sensibilität im Umgang mit Originalen sowie künstlerische Fähigkeiten und manuelle Fertigkeiten.
 
Von den Institutionen wird die Fachhochschulreife (schulischer und praktischer Teil) oder die allgemeine Hochschulreife (§ 65 Abs. 1 HochSchG)/ Abitur bzw. ein vergleichbarer Abschluss verlangt. Am RGZM (Mainz) ist außerdem eine abgeschlossene handwerklich­technische Berufsausbildung mit deutlich feinmanueller Orientierung oder vergleichbar lange (also mindenstens 2 1/2 Jahre) Restaurierungspraktika Voraussetzung.
 
Teilweise gibt es nach Landesverordnung über die fachbezogene Berechtigung beruflich qualifizierter Personen zum Universitätsstudium (BUStudVO) für BewerberInnen ohne Allgemeine Hochschulreife Sonderregelungen für einen Zugang zum Studium. Dies ist abhängig vom Bundesland und der Institution.
2. Ist eine Studienberatung zwingend erforderlich?

Ob eine Studienberatung sinnvoll ist, hängt von der Praktikumsstelle ab. Einige Praktikumsstellen verlangen im Zuge der Bewerbung einen Nachweis über eine Studienberatung. Auch kann vor der Wahl einer Praktikumsstelle eine Beratung hilfreich sein, um eine möglichst geeignete Praktikumsstelle auszuwählen.

Informativer und hilfreicher als eine allgemeine Studienberatung kann oft die Beratung mit Ansprechpartnern oder Vertretern des Restaurierungsstudiengangs  direkt sein.

3. Wie lange dauert das studienvorbereitende Praktikum / Vorpraktikum?

Die Praktikumsdauer hängt von der jeweiligen (Fach­)Hochschule oder Akademie ab. In den meisten Fällen wird als Studienvoraussetzung ein Vorpraktikum von mindestens 12 Monaten verlangt. Eine Ausnahme bildet die Johannes Gutenberg­Universität Mainz (RGZM), welche mindestens 2 1/2 Jahre Vorpraktikum oder eine handwerkliche Ausbildung verlangt.

4. Gibt es eine zentrale Vergabestelle für Vorpraktika?

Nein, es gibt keine zentrale Vergabestelle für Vorpraktika. Praktikumsstellen werden oft über die Websits von Museen ausgeschrieben. Zum Beispiel bieten die Hamburger Museen und auch das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg regelmäßig Praktika an. Zentrale Anlaufstelle ist auch der Online-Stellenmarkt des VDR. Auch kann über den Bundesfreiwilligendienst nach Praktikumsstellen gesucht werden. Generell ist eher zu Initiativbewerbungen zu raten, besonders bei freiberuflichen Restauratoren.

5. Kann ich das Vorpraktikum auch im Ausland absolvieren?

Selbstverständlich kann das obligatorische zwölfmonatige Vorpraktikum auch im Ausland absolviert werden. Es gibt in den Immatrikulationsordnungen keinerlei Einschränkungen. Allerdings muss die Praktikumsstelle (sei es im In­- oder Ausland) den geltenden fachlichen Anforderungen an eine sachgerechte restauratorische Berufsausübung, also den üblichen nationalen und internationalen Grundsätzen an unseren Beruf entsprechen. Dies korrekt zu beurteilen, erfordert gerade bei ausländischen „Praktikumsbetrieben“ in der Regel eine entsprechende Recherche als Basis für eine Einzelfallentscheidung.

6. Ist eine handwerkliche Ausbildung vor dem Studium zwingend erforderlich?

Nein, eine handwerkliche Ausbildung vor dem Studium ist außer für das Studium am RGZM in Mainz nicht zwingend erforderlich. Jedoch sammelt man hierdurch wichtige Erfahrungen und erlernt Fertigkeiten, die in der Restaurierung nützlich sind. Teilweise werden handwerkliche Ausbildungen als Teil der Vorpraktikumszeit von einer Hochschule anerkannt. Dies muss jedoch meist individuell erfragt werden oder ist auf den Websites der Studiengänge nachlesbar.

7. Kann eine Ausbildung als Vorpraktikumszeit anerkannt werden?

Ja, an manchen Hochschulen kann eine von der Richtung passende Ausbildung als Teil des Vorpraktikums anerkannt werden. Ratsam ist es in diesem Fall, vor/während dem Vorpraktikum bei der (Fach­)Hochschule nachzufragen. Die Länge  der angerechneten Zeit ist dabei unterschiedlich. An der HTW ­Berlin beträgt diese beispielsweise maximal sechs Monate.

8. Was gehört in meine Bewerbungsmappe für das Studium?

Die Inhalte der Bewerbungsmappe hängen von der jeweiligen (Fach­-)Hochschule ab. Genauere Informationen sind auf den jeweiligen Internetseiten zu finden.

9. Muss ich mich bereits im Vorpraktikum spezialisieren?

Die Studienbewerber/innen sollten sich mit den Aufgaben, Arbeitsbedingungen und Tätigkeitsfeldern in der Restaurierung vertraut machen. Es wird empfohlen, die beabsichtigte Wahl des Studienschwerpunktes bei der Wahl der Vorpraktikumsstelle und deren Ausrichtung zu beachten.

10. Wo kann ich mein Vorpraktikum absolvieren?

Vorpraktika können in Museen, Landesdenkmalämtern und bei freiberuflichen Restauratoren absolviert werden. Es werden auch Vorpraktikum im Rahmen eines “freiwilligen sozialen Jahrs in der Denkmalpflege” (FSJ Denkmalpflege) und über den “Bundesfreiwilligendienst” angeboten. (Vgl. Frage 4)

Die praktische Vorbildung sollte im Restaurierungsbereich eines Museums, eines Archivs (Film­, Foto­ oder Tonarchiv), einer landesarchäologischen­ oder denkmalpflegerischen Einrichtung oder eines privaten Unternehmens absolviert werden, das die Maßstäbe des internationalen “code of ethics” seinem Arbeitsansatz zugrunde legt.

11. Was ist der Unterschied zwischen einem Vorpraktikum und einem Studienvorbereitenden Jahr?

Es gibt keinen Unterschied.

12. Was muss ich bei der Wahl einer Praktikumsstelle beachten?

Die Spezialisierung, welche ich im Studium und Beruf der Restaurierung einschlagen möchte, sollte für die Wahl der Praktikumsstelle ausschlaggebend sein. Welcher Schwerpunkt geeignet ist, kann auf den Seiten der Hochschulen und im Verlauf des Vorpraktikums überprüft werden.

13. Welche Inhalte sollten im Vorpraktikum vermittelt werden?

In folgenden Bereichen sollten im Vorpraktikum Inhalte vermittelt werden:

  • ­ Materialkunde
  • ­ Arbeitstechniken und historische Techniken
  • ­ Fähigkeiten zur Zeitplanung
  • ­ Kenntnisse von wichtiger Fachliteratur
  • ­ Kunst­ und Kulturgeschichte
  • ­ naturwissenschaftliche Grundlagen
  • ­ Kenntnisse zum Umgang mit gängigen Werkzeugen
  • ­ Arbeitsschutz
  • ­ Dokumentation von Objekten und Maßnamen
  • ­ Grundlagen der Präventiven Konservierung
  • ­ Verbesserung von künstlerischen und manuellen Fähigkeiten
14. Was sollte im Praktikumsvertrag vereinbart werden?

Die Interessengruppe Restauratoren in Ausbildung hat einen Mustervertrag für das Vorpraktikum (PDF) erarbeitet. In diesem sind alle notwendigen Punkte angeführt.

15. Wie kann ich mich auf eine Aufnahmeprüfung der Hochschule/Akademie meiner Wahl vorbereiten?

Eine verbindliche Literaturliste zur Prüfungsvorbereitung gibt es nicht, da die Aufnahmeprüfungen das Niveau eines allgemeinbildenden Abiturs nicht überschreiten und die erforderlichen fachspezifischen Kenntnisse auf dem Gebiet der Konservierung und Restaurierung nicht über ein gutes Allgemeinwissen hinausgehen.

Natürlich sollten sich Bewerber mit den wesentlichen ethischen Grundlagen des Restauratorenberufes und der Kulturguterhaltung allgemein schon einmal auseinandergesetzt haben. Hierfür bietet ein Blick in die relevanten nationalen und internationalen Grundlagenpapiere, etwa zur Berufsdefinition und den Berufsregeln, die auf der VDR­-Website zu finden sind, eine recht gute Grundlage.

Zudem bieten alle Professoren nach vorheriger Terminabsprache ganzjährig eine individuelle Beratung zum Studium und auch zur Eignungsprüfung an.

16. Wie kann ich ein Praktikum (vor und während des Studiums) finanzieren?

Da es sich um ein studienvoraussetzendes Praktikum handelt, dass gefordert wird, kann im Normalfall kein Harz IV bezogen werden. Es ist jedoch möglich für die Zeit und das darauffolgende Studium BAföG zu beziehen. Der BAföG­Antrag müsste dann in der Stadt, in welcher studiert werden möchte, eingereicht werden. Es ist anzuraten, vor Beginn des Praktikums eine Beratung in einem BAföG­Amt wahrzunehmen. Des Weiteren werden manche Praktika vergütet. Auch bei einem Bundesfreiwilligenjahr und der Jugendbauhütte gibt es finanzielle Mittel.

17. Welche Möglichkeiten gibt es, Hochschulen und Studienschwerpunkte der Restaurierung besser kennen zu lernen?

Um die Studienschwerpunkte der Restaurierung besser kennen zu lernen, empfehlen wir die Beschreibungen auf den Websites der Hochschulen zu lesen, die Studienberatungen am jeweiligen Institut oder die Tage der offenen Tür der Hochschulen wahrzunehmen. ​Manche Einrichtungen bieten Führungen durch den Studiengang an. Eine Liste der Hochschulen findet Ihr unter Frage 17.
Zudem bietet das Studentenkolloqium der VDR-Interessengruppe RiA jährlich die Gelegenheit Einblick in einen Hochschulstandort zu gewinnen.

 

18. Wo kann ich Restaurierung studieren, und in welchen Schwerpunkten?

In Deutschland gibt es neun Hochschulen, Universitäten und Akademien, an denen Restauirerung als Studiengang angeboten wird. Jeder dieser Studiengänge hat mehrere Studienausichtungen zur Auswahl und legt einen anderen Material­/und Lehrschwerpunkt. Es kommt bei der Wahl also nicht nur auf den Standort an, sondern auch auf die eigenen Präferenzen. Im Folgenden sind die Studienorte und deren Schwerpunkte aus den jeweiligen Konservierungs-­ und Restaurierungsstudiengängen aufgelistet:

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin):

Schwerpunkte im BA:

  • technisches Kulturgut und moderne Materialien
  • audiovisuelles und fotografisches Kulturgut, moderne Medien
  • archäologisches und historisches Kulturgut
  • Grabungstechnik (mit dem MA. Geo­ und Feldarchäologie)

 

Hochschule für bildende Künste Dresden (HfBK Dresden):

Schwerpunkte im BA:

  • Wandmalerei und Architekturfarbigkeit
  • Malerei auf mobilen Bildträgern
  • Bildwerke und Raumausstattungen

 

FH Erfurt:

Schwerpunkte im BA:

  • Archäologisches Kulturgut und kunsthandw. Objekte
  • Wandmalerei und Architekturfassung
  • Glasmalerei und Objekte aus Glas
  • Mosaik
  • Plastisches Bildwerk und Architektur aus Stein

 

Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK Hildesheim):

Schwerpunkte im BA:

  • Gefasste Holzobjekte und Gemälde
  • Möbel und Holzobjekte
  • Schriftgut, Buch und Graphik
  • Stein und Keramik
  • Wandmalerei / Architekturoberfläche

 

TH Köln:

Schwerpunkte im BA:

  • ­Gemälde, Skulptur, Moderne Kunst
  • Objekte aus Holz und Werkstoffen der Moderne
  • Schriftgut, Grafik, Fotografie und Buchmalerei
  • Textilien und Archäologische Fasern
  • Wandmalerei und Kulturgut aus Stein

 

Römisch Germanisches Zentralmuseum Mainz (RGZM Mainz):

Schwerpunkte im dualen BA:

  • ­Archäologische Restaurierung

 

TU München (nur Masterstudium):

Der Master bietet einen tieferen Zugang zu den vielfältigen Fachgebieten der Restaurierung, wie z. B. der Buch­ und Papierrestaurierung.

 

FH Potdsam:

Schwerpunkte im BA:

  • ­Holz
  • Metall
  • Stein
  • Wandmalerei

 

Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart (AbK Stuttgart):

Schwerpunkte im BA:

  • Archäologische, ethnologische und kunsthandwerkliche Objekte
  • Gemälde und gefasste Skulpturen
  • Kunstwerke auf Papier, Archiv­ und Bibliotheksgut
  • Wandmalerei, Architekturoberfläche und Steinpolychromie