Fachgruppe Ethnografische Objekte – Volks- und Völkerkunde

Über das Fachgebiet

Die wissenschaftliche und konservatorische Bearbeitung ethnografischer Objekte durch Ethnologen und Restauratoren, sowie ihre Ausstellung und Erläuterung  dient dem interkulturellen Austausch und der Verständnisbildung und ermöglicht der interessierten Öffentlichkeit gezielte Einblicke in die Geschichte, Tradition, Gebräuche, Religion und Lebensweise anderer, wie auch der eigenen Kultur.

Eine 1928 erworbene chinesische Brautkrone verdeutlicht die typische komplexe Materialvielfalt ethnologischer Objekte.
Sie besteht aus Metall, Eisvogelfedern, Baumwolle, Stein, Glas, Koralle, Porzellan, Seide, Papier und Spiegeln.

Foto: ID 34031, Staatl. Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum, Martin Franken, 2005
Eine 1928 erworbene chinesische Brautkrone verdeutlicht die typische komplexe Materialvielfalt ethnologischer Objekte. Sie besteht aus Metall, Eisvogelfedern, Baumwolle, Stein, Glas, Koralle, Porzellan, Seide, Papier und Spiegeln. Foto: ID 34031, Staatl. Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum, Martin Franken, 2005

Ethnografische bzw. volks- und völkerkundliche Objekte sind Gegenstände der sogenannten materiellen Kultur europäischer und außereuropäischer Völker. Zur materiellen Kultur gehören all jene Gegenstände, die „in einer Kultur gebraucht werden oder mit Bedeutung behaftet sind“ – zum Beispiel Gebrauchsgegenstände des Alltags, Werkzeuge und Maschinen, architektonische Einheiten, zeremonielle und religiöse Gegenstände.

Aus diesem Grund haben alle Aspekte präventiver Konservierung Priorität vor Eingriffen am Objekt. Dazu gehören neben der Kontrolle der Klimabedingungen (Licht, Luft, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit) in Depot und Schauräumen auch Methoden zur Kontrolle und Bekämpfung von tierischen Schädlingen sowie eine den physikalischen Erfordernissen des einzelnen Objektes angemessene Art der Aufbewahrung und Ausstellung.

Aufwändigere Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen einzelner Objekte sind vor allem dann sinnvoll, wenn die Objekte mit Blick auf Nachhaltigkeit aufbewahrt und ausgestellt werden. Alle Maßnahmen erfolgen unter Berücksichtigung weitgehender Umkehrbarkeit. Ein weiteres Bestreben ist es, das Restaurierungsziel durch möglichst minimalen Eingriff in die Originalsubstanz des Objektes zu erreichen.

Reversible Klebemethoden sind in jeder Restaurierungsdisziplin von großer Wichtigkeit. Innerhalb der Ethnologischen Restaurierung müssen immer wieder neue Verfahren und Anwendungen erdacht werden, um gebrochene oder geschwächte Materialien zu flexibilisieren und zu konsolidieren.
Reversible Klebemethoden sind in jeder Restaurierungsdisziplin von großer Wichtigkeit. Innerhalb der Ethnologischen Restaurierung müssen immer wieder neue Verfahren und Anwendungen erdacht werden, um gebrochene oder geschwächte Materialien zu flexibilisieren und zu konsolidieren.
Im Bild wird die Aufbewahrung eines Objektes zum Zwecke der Magazinierung in einer entsprechend individuell angefertigten Box aus höchst alterungsbeständigen, schadstoffgeprüften inerten Materialien demonstriert.
Fotos: Hildegard Heine
Im Bild wird die Aufbewahrung eines Objektes zum Zwecke der Magazinierung in einer entsprechend individuell angefertigten Box aus höchst alterungsbeständigen, schadstoffgeprüften inerten Materialien demonstriert. Fotos: Hildegard Heine

Kennzeichnend für ethnografische Objekte ist oft ihre Funktionsgebundenheit und ihre häufig zu beobachtende, materielle Komplexität. Ethnografische Objekte bestehen aus organischen und anorganischen Materialien, so zum Beispiel aus Pflanzenfasern, -stängeln und -blättern, Holz und Rinde, Tierhäuten, -därmen, -haaren und -zähnen, Horn, Knochen, Elfenbein, Muscheln, natürlichen pflanzlichen und mineralischen Farbstoffen und Pigmenten, Tonerden, Harzen oder Gummen. Ebenso finden sich Metalle, Glas, synthetische Bindemittel und Pigmente sowie Kunststoffe. All diese Materialien unterliegen unterschiedlichsten Veränderungs- und Alterungsprozessen und bedürfen verschiedenster Untersuchungs- und Restaurierungsmethoden und -techniken.

Die Ausstellung und das Depot des Rautenstrauch-Museums in Köln wurden neu eingerichtet. Hier ein Einblick in das Depot im Rahmen der Fachgruppen-Exkursion 2015.
Die Ausstellung und das Depot des Rautenstrauch-Museums in Köln wurden neu eingerichtet. Hier ein Einblick in das Depot im Rahmen der Fachgruppen-Exkursion 2015.

Darüber hinaus besitzen viele Objekte eine religiöse, rituelle oder ideelle Bedeutung und unterliegen oft einer speziellen Vorstellung des Vorbesitzers in Bezug auf ihre Handhabung und Lagerung. Diese Aspekte sollten bei konservatorischen Eingriffen berücksichtigt bzw. nicht verändert werden. Restauratoren ethnografischer Objekte müssen daher, über die verwendeten Materialien und Techniken hinaus, auch über die kulturelle Bedeutung und den Gebrauch eines Objektes informiert sein. Aus diesem Grund stellt der Dialog mit Vertretern der betroffenen Kultur sowie Ethnologen eine wichtige Ergänzung zur Literaturrecherche dar. Kennzeichen originaler Nutzung müssen, soweit möglich, erhalten und dokumentiert werden. Konkret kann dies bei einer Restaurierung bedeuten, dass eine Beschädigung oder Verschmutzung, die durch den originalen Gebrauch hervorgerufen wurde, belassen wird.

Technologische und materialkundliche Untersuchungen stellen einen wichtigen Teil der Forschung innerhalb der ethonologischen Restaurierung dar. Hier ein Beispiel einer Faserbestimmung. Foto: Hildegard Heine
Technologische und materialkundliche Untersuchungen stellen einen wichtigen Teil der Forschung innerhalb der ethonologischen Restaurierung dar. Hier ein Beispiel einer Faserbestimmung. Foto: Hildegard Heine
Anhand charakteristischer Merkmale können pflanzliche von tierischen Fasern unterschieden werden. Mit entsprechenden Referenzaufnahmen kann auch die Gattung und die Art der Probe bestimmt werden. Foto: Hildegard Heine
Anhand charakteristischer Merkmale können pflanzliche von tierischen Fasern unterschieden werden. Mit entsprechenden Referenzaufnahmen kann auch die Gattung und die Art der Probe bestimmt werden. Foto: Hildegard Heine

Um Erkenntnisse über den Erhaltungszustand eines Objektes, die verwendeten Materialien und die Herstellungstechnik zu gewinnen, werden neben gängigen Methoden zur Materialanalyse wie Auflicht- und Durchlichtmikroskopie, UV-Licht, Infrarotlicht, Spot-Tests usw. auch komplexere physikalische und chemische Analyseverfahren eingesetzt, wie Röntgenstrahlen, Infrarot-Spektroskopie, Massenspektroskopie, Gaschromotographie und andere.

Fachgruppensprecher

Diana Gabler

Vorsitzende

Diplom-Restauratorin
National Museum of the American Indian
Cultural Resources Center
4220 Silver Hill Rd.
Suitland, MD 20746
Tel.: +1 301 238 1420

Brigitte Brühl

Stellvertreterin

Diplom-Restauratorin
Zweckverband Mainfränkisches Museum Würzburg
Festung Marienberg
97082 Würzburg

Sandra Gottsmann

Stellvertreterin

Diplom-Restauratorin
Reiss-Engelhorn-Museen
Abteilung Weltkulturen und Umwelt
Museum Weltkulturen D5
68159 Mannheim

Über die Fachgruppe

Die Fachgruppe sieht sich in erster Linie als Forum und Netzwerk für Restauratoren, die sich mit der Konservierung und Restaurierung ethnografischer Objekte befassen. Ihr Ziel ist es, geeignete Restaurierungsansätze und Methoden für in der Ethnologie gebräuchliche Materialien und Objektgruppen zu vermitteln und weiter zu entwickeln.

Im Rahmen von Exkursionen, Seminaren und Tagungen sowie durch Publikationen werden der Informationsfluss und -austausch innerhalb der Fachgruppe gefördert und ethische Standpunkte diskutiert. Des weiteren steht die Fachgruppe der interessierten Öffentlichkeit als Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur Restaurierung und Konservierung ethnografischer Objekte zur Verfügung.

Ausflug der Fachgruppe Ende 2016 in das Völkerkundemuseum nach Herrnhut. Im Bild: die Klotsche-Werkstatt Dresden.
Ausflug der Fachgruppe Ende 2016 in das Völkerkundemuseum nach Herrnhut. Im Bild: die Klotsche-Werkstatt Dresden.
Ausflug der Fachgruppe nach Dresden in die Sammlung Klotsche
Ausflug der Fachgruppe nach Dresden in die Sammlung Klotsche