Fachgruppe Gemälde

Über das Fachgebiet

Die Restaurierung von Gemälden hat eine sehr lange Tradition und ist einer der ältesten Fachbereiche. So war beispielsweise der erste Studiengang in Deutschland „Restaurierung von Gemälden“ in Stuttgart der Vorreiter für andere Hochschulen und Fachbereiche der Restaurierung. Heute hat sich das Hochschulstudium als gängige Ausbildung zum Restaurator etabliert.

Die Tätigkeit der Gemälderestauratoren besteht aus dem Untersuchen, Konservieren, Restaurieren, Dokumentieren und Magazinieren von Gemälden verschiedenster Materialzusammensetzungen und Epochen. Zudem stellen die Präventive Konservierung (Verglasung, Rückseitenschutz, Kontrolle der Umgebungsbedingungen wie Beleuchtung, Klima, Depot etc.) und das Sammlungsmanagement wichtige Arbeitsgebiete dar.

2015 befasste sich eine Tagung der Fachgruppe mit der Konservierung und Restaurierung von Holztafelgemälden.
2015 befasste sich eine Tagung der Fachgruppe mit der Konservierung und Restaurierung von Holztafelgemälden.
"Vice Versa": Gemälderestauratoren betrachten immer auch die Kehrseite von Malerei. Foto: Patricia Brozio
"Vice Versa": Gemälderestauratoren betrachten immer auch die Kehrseite von Malerei. Foto: Patricia Brozio

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Wie wird man Gemälderestaurator/Gemälderestauratorin?

Die Restaurierung von Gemälden hat eine sehr lange Tradition und ist einer der ältesten Fachbereiche. Während früher eine handwerkliche Berufsausbildung Voraussetzung für den Restauratorenberuf war, wird der Beruf heute an Hochschulen gelehrt. So war beispielsweise der erste Studiengang in Deutschland „Restaurierung von Gemälden“ in Stuttgart der Vorreiter für andere Hochschulen und weitere Fachbereiche der Konservierung und Restaurierung. Heutzutage ist ein Studienabschluss erforderlich.

Wie ist die Vorgehensweise bei einer bevorstehenden Restaurierung?

Das Gemälde wird auf seine Technik, seinen Erhaltungszustand und die entstandenen Schäden untersucht. Offene Fragen zur Entstehung, dem Künstler, der Maltechnik als auch zu möglichen Restaurierungsmethoden müssen recherchiert werden. Darauf aufbauend werden zu verwendende Materialien ausgesucht und geeignete Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt. Die einzelnen Arbeitsschritte und Befunde werden fotografisch festgehalten und schriftlich dokumentiert.

Woraus besteht ein Gemälde?

Der Betrachter sieht in erster Linie die Oberfläche des Bildes. Dieser Eindruck entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten.

Als Bildträger dienen Holz, Karton, Metallplatten, verschiedene Gewebe (z.B. Leinwand, Nessel, etc.), die üblicherweise auf einen Spann- oder Keilrahmen aufgespannt sind. Darauf folgt meist eine Grundierung. Darüber liegt eine Malschicht, bestehend aus Bindemittel und Pigment. Deren Auftrag kann mehrschichtig, pastos, glatt, lasierend, deckend, alla prima … sein.
Bindemittel, Pigment und Auftragsart definieren die optische Erscheinung und die physikalischen und chemischen Eigenschaften. Abschließend kann ein Überzug (Firnis) aufgebracht werden.

Wie werden Gemälde unterschieden? Gibt es Besonderheiten?

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Maltechnik verändert. Jede Epoche besitzt ihre typischen Materialkombinationen, aus welchen die Künstler schöpfen. Die Auswahl von Bildträgermaterial, Bindemitteln, Pigmenten und ihrer Verarbeitung führt zu charakteristischen Künstlerhandschriften. Anhand der individuellen Materialzusammensetzung können Gemälderestauratoren Aussagen zur Entstehungszeit und -ort und möglicherweise sogar Künstlerzuschreibungen vornehmen.

Wie wird ein Gemälde untersucht?

Es gibt zerstörungsfreie Methoden (In situ) und solche, für die eine Probe entnommen werden muss. Eine einfache zerstörungsfreie Methode ist die Untersuchung mit der Lupe oder dem Mikroskop. Mit ultraviolettem Licht können materialtypische Fluoreszenzen festgestellt werden. Die Infrarotreflektographie macht Vorzeichnungen sichtbar. Röntgenstrahlen durchleuchten das Werk. Für Materialanalysen (Bindemittel, Pigmente, Holz) ist oft eine Probenentnahme erforderlich.


Detailaufnahme im Auflicht (links), Detailaufnahme mit Infrarotreflektographie (rechts)

Foto: Meister der Karlsruher Passion, „Geißelung Christi“, Inv. Nr. 2911, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe



Aufnahme im Auflicht (links), Aufnahme mit UV-Fluoreszenzfotografie (rechts)

Foto: Jacob Gillig, „Fischstilleben“, Inv. Nr. 352, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe



Was bedeutet Gemälderestaurierung?

Unter Fachleuten unterscheidet man zwischen Konservierung und Restaurierung, wobei die konservatorischen Maßnahmen immer Vorrang vor den restauratorischen Maßnahmen haben.

Zu den konservierenden, also substanzsichernden, Maßnahmen zählen zum Beispiel das Schließen von Rissen im Gewebe, die Verleimung von gebrochenen Holztafeln und die Malschichtfestigung. Zu den Restaurierungsmaßnahmen, die der besseren Lesbarkeit eines Kunstwerks dienen, zählen zum Beispiel die Abnahme von Firnissen und Übermalungen oder die Kittung und Retusche von Fehlstellen.

Eine besondere Bedeutung kommt der Präventiven Konservierung zu. Diese hat genau wie die Konservierung das Ziel, weiteren Verfall zu verhindern oder zu verlangsamen, wobei hier jedoch nicht in das Werk selbst eingegriffen wird, sondern Einfluss auf die Umfeldbedingungen eines Kunstwerkes, kulturhistorisch wertvollen Gegenstandes oder Baudenkmals genommen wird. Zu den präventiven Konservierungsmaßnahmen in der Gemälderestaurierung gehören zum Beispiel die Verglasung, die Anfertigung eines Rückseitenschutzes und selbstverständlich die Kontrolle der Umgebungsbedingungen wie Beleuchtung, Klima, Depot etc.

Über die Fachgruppe

Die Fachgruppe sieht sich als Forum und Netzwerk für Restauratoren, die sich mit der Konservierung und Restaurierung von Gemälden befassen. Im Rahmen von Exkursionen, Seminaren und Tagungen sowie durch Publikationen werden der Informationsfluss und -austausch innerhalb der Fachgruppe gefördert. Desweiteren steht die Fachgruppe der interessierten Öffentlichkeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

Bisherige Veranstaltungen:

2017    Brauweiler, Pulheim/ Seminar "Rissverklebung in Leinwandgemälden"
2016    Brauweiler, Pulheim/ Seminar "Rissverklebung in Leinwandgemälden"
2016    Kassel/ Tagung "Schicht um Schicht"
2015    Wittenberg/ Fachgruppentreffen
2015    Dresden/ Tagung & Exkursion "Konservierung und Restaurierung von Tafelgemälden. Erfahrungen aus der Praxis"
2014    Halle/ Seminar Rissverklebung in Leinwandgemälden
2013    Kassel/ Tagung "Jacob Jordaens"
2012    München/ Seminar "Bilderrahmen"
2011    Workshop "Rissvernähung am Gemälde"
2010    Köln/ "Firnisseminar"

2012 Rahmenseminar bei Dr. Tobias Schmitz
2012 Rahmenseminar bei Dr. Tobias Schmitz

Fachgruppensprecher

Anne Levin

Vorsitzende

Diplom-Restauratorin
Klassik Stiftung Weimar
Burgplatz 4
99423 Weimar
Tel.: 03643/545673

Kirsten Hinderer

Stellvertreterin

Diplom-Restauratorin
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
Tel.: 0511/9807631

Nicoline Zornikau

Stellvertreterin

Diplom-Restauratorin
Tel.: 0176/63273686

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2015 Tagung "Konservierung und Restaurierung von Holztafelgemälden. Foto: Epitaph Hermann, Inschrifttafel, Städtische Museen Zittau
2015 Tagung "Konservierung und Restaurierung von Holztafelgemälden. Foto: Epitaph Hermann, Inschrifttafel, Städtische Museen Zittau
2016 Seminar zur Rissverklebung
2016 Seminar zur Rissverklebung
2012 Seminar zu Rissvernähung. Foto: Petra Demuth
2012 Seminar zu Rissvernähung. Foto: Petra Demuth