Neujahrsgruß der VDR-Präsidentin

Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde des VDR, zum Jahresbeginn wünsche ich Ihnen und Euch Gesundheit, Kraft, Zuversicht und Freude für alles Anstehende. Die Arbeit der […]

Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freundinnen und Freunde des VDR,

zum Jahresbeginn wünsche ich Ihnen und Euch Gesundheit, Kraft, Zuversicht und Freude für alles Anstehende. Die Arbeit der Restaurator:innen ist facettenreich, verantwortungsvoll und für unsere Gesellschaft unverzichtbar. Sie bildet das Fundament unseres Kulturguterhalts.

Dieses Fundament wird zunehmend durch kurzfristige Sparmaßnahmen auf allen Ebenen bedroht. Mit langfristigen Folgen! Die gerade beschlossene Einstellung des Studiengangs Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik setzt eine besorgniserregende Entwicklung fort. Bereits jetzt ist der Fachkräftemangel in der Restaurierung deutlich spürbar. Landesämter für Denkmalpflege und Bauunternehmen suchen händeringend nach archäologischen Restaurator:innen und Grabungstechniker:innen; rund 100 Stellen sind bundesweit unbesetzt, wie der jüngste denkmalbrief berichtet. Gleichzeitig gibt es nur wenige Restaurator:innen, die auf Fotografie und technisches Kulturgut spezialisiert sind – während der Deutsche Bundestag die Gründung eines Deutschen Fotoinstituts in Düsseldorf beschlossen hat, das sieben Restaurator:innenstellen als personelles Herzstück vorsieht. Doch wie soll dies gelingen, wenn nun auch diese Studienmöglichkeiten wegfallen?

Wir stehen an einem Punkt, an dem es klare politische Entscheidungen braucht, die Ausbildung und Fachkompetenz stärken – nicht abbauen. Am Nachwuchs für zukünftige Kulturerbe-Expertise in Deutschland darf nicht gespart werden. Gemeinwohlorientiert freie Berufe dürfen nicht zur Disposition stehen. Es braucht Weitsicht und gemeinschaftliche Strategien, die bestehenden Studiengänge zu stärken, bekannter und sichtbarer zu machen und für eine ausreichende Auslastung zu sorgen. Dies kann nur durch Fürsorge der Politik, durch Unterstützung der Hochschulleitungen, aber auch durch Vernetzung der Studiengänge in den Ländern und offenen Austausch untereinander gelingen.

Auch wenn der VDR keine Entscheidungen treffen kann, kann er als aktiver Partner Prozesse anstoßen und diese konstruktiv begleiten. Wir können uns einmischen, vernetzen, Druck aufbauen und Expertise liefern. Vorausgesetzt wir werden rechtzeitig einbezogen. Wir fordern Verantwortung ein, wo sie hingehört: beim Bund und den Ländern. Wir meinen: Die Länder müssen ihre Verantwortung wahrnehmen, da Kultur und Bildung in unserer föderalen Struktur landeshoheitlich behandelt werden. Gleichzeitig muss der Bund aber auch tätig werden und Wissenschaftsförderung betreiben. Denn am Schutz und Bewahren von Kulturgut besteht ein gesamtstaatliches und damit gesamtgesellschaftliches Interesse.

Unser neu formiertes Präsidium will sich dieser Aufgabe entschlossen und im Verbund mit starken Partnern annehmen. Wir wollen sichtbar sein an den Hochschulen, in der Gesellschaft und in der Politik.

Wir wollen für die nächste Generation einstehen und den Verband für junge Menschen attraktiv machen. Beim 8. Vorpraktikant:innen-Treffen des VDR durfte ich vorletzte Woche erleben, wie stark sich rund 180 junge Menschen bereits vernetzen und wie professionell unsere Interessengruppe Restaurator:innen in Ausbildung agiert. Dieses Engagement möchten wir weiter stärken und zugleich die erfolgreichen Veranstaltungsangebote unserer Fach- und Interessengruppen festigen, die längst über den Verband hinaus Wirkung zeigen.

Wir wollen an den eingeschlagenen Kurs der Vorgängerpräsidien anknüpfen und nachzujustieren, wo es nötig ist, und unsere zentralen Anliegen konsequent verfolgen und neue Bedarfe ermitteln. Als Schwerpunkte bleiben auskömmliche Honorare, angemessene Vergütungen und die soziale Absicherung im Fokus. Vor dem Hintergrund weltpolitischer Unsicherheiten und zunehmender Naturereignisse wollen wir unsere Rolle im Kulturgutschutz in Krisen weiter ausbauen, und unsere Kompetenzen im Verbund mit der Gefahrenabwehr einbringen. Die Beteiligung des VDR an der Messe INTERSCHUTZ im Juni wird ein weiterer Baustein auf diesem Weg sein. Auch im Bereich Arbeitsschutz und Gefahrstoffe setzen wir unsere Arbeit mit einer zweiten Tagung fort. Diese wird uns im Mai nach Hamburg führen. Ebenso wird die Messe denkmal erneut ein wichtiger Ort des Austauschs sein, auf der wir unser Jubiläumsjahr mit unseren Mitgliedern und unseren Partnern bei den Verbänden, Institutionen und weiteren Einrichtungen feiern möchten.

Im April 2026 wird der VDR 25 Jahre jung. Das wollen wir nicht nur feiern, sondern als Anlass nehmen, unsere Positionen klar zu formulieren und unsere Zukunftsstrategie zu schärfen. Lassen Sie uns 2026 laut und deutlich benennen, wofür Restaurator:innen stehen, gute Ideen fördern und gemeinsam als Berufsgruppe zum Gelingen unserer Vorhaben beitragen.

Ihnen und Euch allen gilt mein herzlicher Dank: für jedes einzelne Engagement, die Expertise und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Die Stärke unseres Verbandes entsteht aus fachlicher Tiefe sowie der Erfahrung und Haltung seiner Mitglieder. Mit dieser Kraft gehen wir in das Jahr 2026 – und ich freue mich auf unser gemeinsames Wirken.

Ihre Nadine Thiel
Präsidentin
Verband der Restaurator:innen

Nadine Thiel, Präsidiumsmitglied und Vorsitzende des VDR-Arbeitsausschusses Kulturgüterschutz