Steintage 2026: Offene Atmosphäre und freudvolles Wiedersehen

Nunmehr zum dritten Mal fanden in diesem Frühjahr die Steintage 2026 statt, dieses Mal mit Unterstützung der Fachhochschule Potsdam. Veranstalter war die VDR-Fachgruppe Steinkonservierung, die wohl mitgliederstärkste Expertengruppe für Steinkonservierung in Europa und darüber hinaus. Wanja Wedekind berichtet.
Die Teilnehmenden der Steintage 2026 in der FH Potsdam. Foto: facility manager
Die Teilnehmenden der Steintage 2026 in der FH Potsdam. Foto: facility manager

Nach den Steintagen ist vor den Steintagen //
Ein Nachbericht von Wanja Wedekind //

 

Nunmehr zum dritten Mal fanden in diesem Frühjahr die Steintage 2026 statt, dieses Mal mit Unterstützung der Fachhochschule Potsdam. Veranstalter war die VDR-Fachgruppe Steinkonservierung, die wohl mitgliederstärkste Expertengruppe für Steinkonservierung in Europa und darüber hinaus.

In gewohnt offener und kollegialer Atmosphäre und mit einem freudvollen Wiedersehen für viele Tagungsgäste fanden über 100 Fachleute der Steinkonservierung zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen in der Steinkonservierung zu informieren und auszutauschen. Zehn thematisch breit gefächerte Beiträge zogen die Zuhörerinnen und Zuhörer in ihren Bann und sorgten für intensive Diskussionen und intensiven Austausch. Bereits am Vortag hatten rund 50 Teilnehmende das neue Zentrale Skulpturendepot (ZES) erkundet und anschließend das Obeliskenportal sowie die Neptungrotte im Schlosspark Sanssouci besucht (siehe Fotos).

Doch die Veranstaltung setzte auch berufspolitische Akzente – nicht nur für die Steinkonservierung. Wie die Beate Skasa-Lindermeir, Sprecherin der gleichnamigen VDR-Fachgruppe, betonte, dürfe restauratorische Kompetenz nicht als Luxus, sondern als notwendige Voraussetzung für den Erhalt unseres kulturellen Erbes verstanden werden. Restaurator:innen arbeiten, so Skasa-Lindermeir „vor dem Hintergrund einer politischen Lage, die weltweit von Krisen, Konflikten und Verunsicherung geprägt ist. Kriege, Vertreibung, ökologische Krisen und gesellschaftliche Spaltungen bestimmen täglich die Nachrichten. Kultur und Kulturerbe werde in vielen Regionen bewusst angegriffen oder instrumentalisiert.“

Nach Skasa-Lindermeir mag die Arbeit im Alltag manchmal kleinteilig und technisch wirken – im größeren Zusammenhang sei sie jedoch Teil einer Haltung: dem Bemühen, Erbe zu bewahren, Verständigung zu ermöglichen und Verantwortung für das zu übernehmen, was vor uns war und nach uns kommen wird.

In diese Kerbe schlug auch die Präsidentin der FH-Potsdam Prof. Dr. Eva Schmitt-Rodermund und unterstrich in ihrem Grußwort die Relevanz solcher öffentlich sichtbarer Fachveranstaltungen für den Fortbestand kleinerer, spezialisierter Studiengänge. Gerade die kleinen Fächer seien angesichts eines wachsenden wirtschaftlichen Effizienzdiktats stetig bedroht und brauchen klare Signale der Wertschätzung und Sichtbarkeit.

Besichtigunng der Neptungrotte in der Potsdamer Parkanlage Sanssouci. Foto: Wanja Wedekind
Besichtigunng der Neptungrotte in der Potsdamer Parkanlage Sanssouci. Foto: Wanja Wedekind
Weiter ging es zum 1747 erichteten Obelikenportal aus Sandstein. Foto: Wanja Wedekind
Weiter ging es zum 1747 erichteten Obelikenportal aus Sandstein. Foto: Wanja Wedekind

Mit den Steintagen der VDR-Fachgruppe Steinkonservierung etabliert sich ein Veranstaltungsformat, das die Entwicklung der akademischen Steinkonservierung zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin sichtbar werden lässt. Lange Zeit war das Fach in besonderen Maßen durch Naturwissenschaften dominiert, was zu einer verkürzten Sichtweise und Methodik beigetragen hat. Vieles wurde eher in vitro als in vivo gedacht: also im Labor und nicht im komplexen Gefüge realer Objekte und ihrer Umwelt. Was unter Labormaßstäben funktionierte, bewährte sich nicht zwangsläufig im richtigen Leben.

Ein prominentes Beispiel hierfür sind die weitläufig durchgeführten Hydrophobierungen. Zur Behandlung der Folgeschäden initiierte die Diplomrestauratorin Dr. Birte Graue ein Forschungsprojekt und entwickelte einen webbasierten Praxisleitfaden (wir berichteten).

Die nächsten Steintage finden im Frühjahr 2027 an der TH Köln statt – Gastgeber vor Ort ist Prof. Dr. Peter Kozub. Dann geht es auch zum Kölner Dom. Erst Ende Februar hatte die Restauratorin M.A. Tanja Pinkale auf der SWBSS 2026 (6th International Conference on Salt Weathering of Buildings and Stone Sculptures) in Budapest einen viel beachteten Beitrag zu den Verwitterungsproblemen am Strebewerk des Kölner Doms vorgestellt. Das Fachgruppenmitglied Tanja Pinkale leitet die Konservierungsabteilung der Dombauhütte und promoviert derzeit an der Universität Bamberg zur Natursteinrestaurierung am Kölner Dom.

 

Dank

Wir bedanken uns herzlich bei allen Beteiligten, die uns mit großem Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung der Steintage 2026 unterstützt und einen Beitrag geleistet haben – bei der Fachhochschule Potsdam, den Referentinnen und Referenten, Exkursionsleitenden sowie unseren beiden Sponsoren, der fokus GmbH Leipzig und remmers.

Das Organisationsteam der Steintage
Beate Skasa-Lindermeir, Franziska Müller und Dr. Wanja Wedekind

 

Weiterführende Infos:

Tagungswebsite der Steintage,12.-14. Februar 2026 in Potsdam