Studienrichtungen an der HTW Berlin nach 32 Jahren eingestellt

Nun ist es traurige Gewissheit: Am 17. Dezember hat der Fachbereichsrat FB5 der HTW Berlin die Einstellung der Studienprogramme Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik beschlossen. An den Beschluss ist ein Transformationsprozess […]

Nun ist es traurige Gewissheit: Am 17. Dezember hat der Fachbereichsrat FB5 der HTW Berlin die Einstellung der Studienprogramme Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik beschlossen. An den Beschluss ist ein Transformationsprozess zur Sicherung der Kompetenzen gebunden. Die Finanzierung allerdings ist noch unklar.

In der Pressemeldung vom 23.12.2025 heißt es:

"Im Dezember 2024 kündigte der Berliner Senat die erst im Frühjahr zuvor abgeschlossenen Hochschulverträge, die Planungssicherheit in Forschung, Lehre und Personal schaffen, auf. In Folge müssen alle Hochschulen des Landes Berlin mit radikal reduzierten Budgets wirtschaften. Entsprechend ist die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin u.a. gezwungen, massive Kürzungen der Studienkapazitäten vorzunehmen. Hierbei kommen ausschließlich Kriterien, wie niedrigere Auslastungszahlen und hohe Betreuungsschlüssel zur Anwendung, so dass von den Einsparungen meist kleinere Studienangebote betroffen sind.

Dieser Logik folgend, hat der Fachbereichsrat des FB5 / Gestaltung und Kultur am 17. Dezember 2025 nahezu einstimmig die Aufhebung der Studiengänge Konservierung und Restaurierung / Grabungstechnik (Bachelor) und Konservierung und Restaurierung (Master) beschlossen. Während der Bachelor bereits zum kommenden Wintersemester 2026/7 keine Studierenden mehr aufnimmt, kann im Master bis Sommer 2029 immatrikuliert werden. Diese Terminierung stellt sicher, dass eingeschriebene Studierende die insgesamt 5-jährige Ausbildung beenden können - allerdings unter eingeschränkten Bedingungen, wie reduzierten Flächen und vakanten Personalstellen in den Laboren.

Mit dem Beschluss des FB5 nehmen 32 Jahre Lehre und Forschung in den Konservierungswissenschaften und der Grabungstechnik an der HTW Berlin ein Ende. An die Aufhebung ist ein Transformationsprozess zur Sicherung der Kompetenzen und zum Erhalt des Fachgebietes gebunden. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Personen der HTW Berlin und externen „Stakeholdern“ der Politik, Kultur- und freien Wirtschaft, soll das Studienangebot innovieren und in neue Strukturen überführen. Dieser Prozess ist bis November 2026 abzuschließen.

Zwar bietet die Transformation der Studienprogramme die Chance einer grundlegenden Neuausrichtung auf zukünftige Bedarfe der Museen, Sammlungen und Landesdenkmalämter. Gleichzeitig bedroht die fehlende Finanzierung – die HTW Berlin wird die Mittel nicht mehr aufbringen, deutschlandweit einzigartige Kompetenzen endgültig auszuradieren.

Entsprechend könnten Kultureinrichtungen essenziellen, gesetzlich geregelten Aufgaben in naher Zukunft nicht mehr nachkommen. So würde die adäquate Bergung, Verpackung und Lagerung von Kulturgütern oder die Kontrolle der Licht-, Klima- und Schadstoffexposition an zentralen Ausstellungsexponaten, z.B. Büste der Nofretete ausbleiben. Letztlich nähme die Kulturpolitik und Kreativwirtschaft nachhaltig Schaden. Demnach sind alle internen Kräfte auf den Transformationsprozess zu richten und unbedingt durch Externe zu stützen."

Die jetzige Lage ist durchaus dramatisch – ebenso dramatisch ist das Ausbleiben politischer Verantwortung. Wie ein Transformationsprozess ohne belastbaren Finanzierungsplan gelingen soll, bleibt offen.
Es besteht aber Hoffnung, mit der Arbeitsgruppe eine neue Lösung zu finden. Wir bleiben dran, bringen uns gerne konstruktiv ein und werden erneut das Gespräch mit den politischen Entscheidungsträgern suchen. Es muss nun Ziel sein, die bislang an der HTW unterrichteten Kompetenzen zu sichern, um auch in Zukunft das vielfältige Kulturerbe adäquat bewahren zu können. Der Verband der Restauratoren ist bereit, den in Kürze beginnenden Transformationsprozess zu begleiten und gemeinsam mit anderen Stakeholdern gangbare Lösungen zu suchen.

Die Fachwelt in Deutschland hatte seit Bekanntwerden Ende Oktober massiv gegen die Schließung protestiert (wir berichteten). Auch der VDR und die Freien Berufe erhoben Einspruch, da an der HTW Berlin deutschlandweit einzigartige Kompetenzen in der Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik vermittelt werden und der Verlust einmaliger Expertise weitreichende Folgen für den Kulturguterhalt hat. So wird bei einer Einstellung des Studiengangs der Nachwuchs für die Bewahrung von archäologischen Funden, fotografischem und technischem Kulturgut nicht nur in Deutschland, sondern auch international fehlen. Denn diese Vertiefungsrichtungen der Konservierung-Restaurierung werden in Deutschland nur in Berlin unterrichtet und auch in anderen Ländern werden diese Studienmöglichkeiten nur an wenigen Standorten angeboten.

 

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