Call for papers: Erforschung, Erhalt und Vermittlung von Gefangenen-Graffiti in Gedenkstätten
28. März
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Erforschung, Erhalt und Vermittlung von Gefangenen-Graffiti in Gedenkstätten
Die Gedenkstätte Brauweiler des LVR, die Technische Hochschule Köln und die Universität zu Köln laden vom 3.-4. November 2026 zu einem Workshop ein, der den konstruktiven Umgang mit Graffiti (hier als Überbegriff für Inschriften und Zeichnungen von Gefangenen) in Gedenkstätten zum Thema macht.
Zum historischen Tagungsort
Die Gedenkstätte Brauweiler befindet sich seit 2008 im Keller des ehemaligen Frauenhauses der Arbeitsanstalt, das 1864 errichtet und heute als Bürohaus des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums genutzt wird. Sie dokumentiert die wechselvolle Nutzung des Ortes als Arbeitsanstalt, Konzentrationslager und Gestapo-Gefängnis in den Jahren 1933 bis 1945 und ist zugleich dem Gedenken an die Opfer des NS-Regimes gewidmet.
Grundgedanke des Workshops
Eine besondere Bedeutung kommt in Brauweiler den Graffiti in den vier Arrestzellen zu, die während der Haftzeit entstanden. Diese Spuren geben unmittelbare Einblicke in die Erfahrungen der Inhaftierten: Sie dokumentieren Angst, Verzweiflung und Hoffnung, erzählen aber auch von Freundschaft, Solidarität und Menschlichkeit unter Bedingungen der Gewalt und Unfreiheit. Ihre Unmittelbarkeit macht sie zu einzigartigen Quellen für Forschung, Bildung und Erinnerungskultur. Allerdings ist ihr Bestand hochgradig gefährdet. Die feuchte Kellerlage, Rissbildungen und Salzausblühungen haben bereits zu Substanzverlusten geführt, was sowohl eine systematische Erforschung und zeitnahe Sicherung der Graffiti erforderlich macht und die Notwendigkeit der Entwicklung von langfristigen Erhaltungs-, Dokumentations- und Vermittlungsstrategien betont.
Der historische Ort Brauweiler ist aber nicht der einzige Ort mit solchen Graffiti. Das NS-Dokumentationszentrum in Köln, die Gedenkstätte Sachsenburg, die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße, das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau und die Gedenkstätte Mont-Valérien in Paris etwa sichern und erforschen diese Botschaften als Erbe des repressiven Terrors.
Wir möchten diese Forschungen und Erfahrungen bündeln und laden Expert:innen aus Gedenkstätten, Forschungszentren und dem Denkmalschutz ein, anhand von vier thematischen Schwerpunkten in den Austausch zu treten:
- Forschung und Dokumentation: Welche Forschungen gibt es zu den an den konkreten Orten vorhandenen Graffiti? Wie sind diese ggf. mit größeren Forschungsprojekten zu den Biographien der Inhaftierten verbunden? Wie werden die Graffiti darüber hinaus erfasst und katalogisiert?
- Konservierung: Welchen Risiken sind die Graffiti ausgesetzt? Welche konkreten Schritte werden zu ihrer Erhaltung unternommen? Wie erfolgreich zeigen sich diese in mittel- und langfristiger Perspektive? Wie beeinflussen diese die Präsentation und wie wird hierbei Fragen zur Authentizität und Unmittelbarkeit begegnet?
- Vermittlung: Wie werden die Graffiti an den konkreten Orten in Vermittlungszusammenhänge eingebunden? Welche analogen Möglichkeiten wurden schon erprobt und haben sich bewährt? Wie werden die Graffiti derzeit in die Vermittlungsangebote der Gedenkstätte eingebunden? Gibt es an anderen Orten ebenfalls Methoden für Führungen, Workshops und Veranstaltungen?
- Dokumentation: Welche Maßnahmen zur digitalen Sicherung, aber auch Vermittlung sind bereits getestet worden oder gerade im Aufbau? Wie kann ggf. ein Raum digital für Besucher:innen so erschlossen werden, dass die Graffiti möglichst wenig Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt sind? Haben sich ggf. digitale Ausstellungen und der Einsatz von digitalen Endgeräten vor Ort zur Transkription und Informationsvermittlung bewährt?
Ablauf
Am ersten Tag diskutieren wir die Praxis- und Forschungsprojekte im klassischen Tagungsformat. Am zweiten Tag werden zu den jeweiligen Schwerpunkten Workshops für einen intensiveren Austausch angeboten. Neben dem fachlichen Austausch zu den vier Schwerpunktthemen soll das Symposium als Plattform zur Vernetzung dienen, um Fragen der internationalen Weiter- und Zusammenarbeit nachzugehen und mögliche Synergien in den Bereichen Forschung, Erhalt und Vermittlung von Gefangenen-Graffiti zu entwickeln.
Bitte reichen Sie Vorschläge mit einer Länge von 300 bis 400 Wörtern bei Dr. Markus Thulin unter gedenkstaette-brauweiler(at)lvr.de ein.
Die Beiträge können in deutscher oder englischer Sprache verfasst sein und sollten mindestens eines der oben genannten Schwerpunktthemen behandeln.
Die Einreichungsfrist endet am 28. März 2026.
Die Bewerber werden bis zum 30. April 2026 benachrichtigt.
Reisekosten innerhalb Deutschlands und ins Ausland, Unterkunft und Verpflegung können anteilig übernommen werden, vorbehaltlich der Bewilligung der Förderung durch die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen.
Kontakt
Dr. Markus Thulin, Gedenkstätte Brauweiler des LVR
Tel: +49/22349854278
Email: Markus.Thulin@lvr.de
English version:
Research, Preservation and Dissemination of Prisoner Graffiti in Memorial Sites
The Brauweiler Memorial of the LVR (LVR – Rhineland Regional Council), Cologne Institute of Conservation Sciences (TH Köln) and the University of Cologne are hosting a symposium on November 3–4, 2026, centred around the research, preservation, digitalisation and communication of prisoner graffiti (used here as an umbrella term for inscriptions and drawings created by prisoners) in memorial sites.
About the historic venue
Since 2008, the Brauweiler Memorial of the LVR has been located in the basement of the former women’s prison of the labour camp. Constructed in 1864, the building is now used as an office for the LVR Advisory Centre for Archives and Further Education. The memorial documents the site’s complex history as a workhouse, concentration camp and Gestapo prison between 1933 and 1945, and commemorates the victims of the Nazi regime.
Rationale of the symposium
The graffiti preserved in the four former prison cells at the Brauweiler Memorial of the LVR, created during the prisoners‘ time of incarceration, is of particular significance. These traces offer direct insights into the prisoners’ experiences, documenting fear, despair and hope while bearing witness to friendship, solidarity and humanity under conditions of violence and freedom deprivation. Their immediacy makes them valuable resources for research, education, and the culture of remembrance. However, their location in a damp basement has led to salt efflorescence and cracks that resulted in severe losses. This emphasises the urgent need for systematic research and conservation measures, as well as the need to develop long-term preservation, documentation, and strategies for digital communication.
Brauweiler is by no means the only site where such graffiti have survived. Comparable traces are preserved and studied, for example, at the NS Documentation Centre – Cologne, the Sachsenburg memorial, the Leistikowstraße Memorial, the Auschwitz-Birkenau State Museum in Poland, and the Mont-Valérien Memorial in Paris.
We would like to bring together research and experiences, inviting experts from memorial sites, research centres, and monument preservation organisations to engage in a dialogue structured around four key topics.
- Research and Documentation: What research has been conducted on prisoner graffiti at specific sites? How does this research connect to broader projects on prisoners‘ biographies? How is graffiti documented, recorded, and catalogued?
- Conservation: What risks is graffiti exposed to? What specific conservation measures are being implemented? How effective are these measures in the medium and long term? How do conservation strategies influence the presentation of graffiti, and how are questions of authenticity and immediacy addressed?
- Education: How is prisoner graffiti integrated into educational contexts at specific sites? Which analogue approaches have been tested and proven effective? How are they currently incorporated into memorial education programmes? Are there any transferable formats for guided tours, workshops, and public events?
- Digitisation: Which digital formats have already been tested or implemented for documenting, preserving and conveying information? Which are currently under development? How can spaces be made digitally accessible to visitors to minimise fluctuations in temperature and humidity? Have digital exhibitions or on-site digital tools for transcription and knowledge transfer proven successful?
Program structure
On the first day, practical and research projects will be presented and discussed in a traditional conference format. Individual presentations should not exceed 20 minutes. On the second day, attendees can participate in thematic workshops, which allow for a more in-depth exchange. Beyond professional discussion of the four key topics, the symposium aims to serve as a platform for networking. It also aims to foster continuing education and international cooperation. Furthermore, it aims to develop synergies in the fields of research, preservation and communication of prisoner graffiti.
Submission of proposals
Please submit your proposal of 300–400 words to Dr. Markus Thulin gedenkstaette-brauweiler@lvr.de
Contributions may be submitted in German or English addressing at least one of the four topics mentioned above.
The submission deadline is March 28, 2026.
Applicants will be notified by April 30, 2026.
Travel expenses within Germany and abroad, accommodation, and meals may be covered proportionally, subject to the approval of funding by the State Agency for Civic Education of North Rhine-Westphalia.
Contact
Dr. Markus Thulin, Gedenkstätte Brauweiler des LVR
Phone: +49/22349854278
E-mail: Markus.Thulin@lvr.de

