Bericht zum Seminar „Honorare verhandeln und vertreten“ 2025 //
Am letzten Novemberwochenende 2025 fand zum 7. Mal das Seminar zur Verhandlungsführung in Essen statt, wieder geleitet von der Juristin und Mediatorin Hildegard Hesselmann. Eingeladen wurde von der Interessengruppe Selbstständiger Freiberufler (IGSF) dieses Jahr in den Kokskohlebunker der beeindruckenden Zeche Zollverein. Die Restauratorinnen des Ruhrmuseums Essen unterstützten als Gastgeberinnen und sorgten für das leibliche Wohl – mit Snacks sowie Reservierungen für die Mittagspause.
Einstieg mit Feedbackübung
Als sich alle Teilnehmenden — diesmal waren wir besonders viele Studierende und Berufseinsteiger:innen – im Kokskohlebunker eingefunden hatten, begann der Workshop nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung sofort mit der ersten Übung. Alle verteilten sich im Raum, und gingen auf eine Person zu, um ihr kurz und knapp zu spiegeln, welches Verhalten und welche Art der Verhandlungsführung sie erwarten würden. So konnten wir alle kurz miteinander ins Gespräch kommen – eine Übung, die bereits an sich ungeheuer interessant und aufschlussreich war. Wann sonst gibt es die Möglichkeit von einer wildfremden Person einen ersten Eindruck gespiegelt zu bekommen?
Verhandlungen in Theorie und Praxis
Nach diesem praktischen Einstieg folgte ein theoretischer Vortrag. Frau Hesselmann erläuterte uns die Grundlagen der Kommunikation – von verschiedenen Kommunikationstypen und wie ihnen angemessen begegnet werden kann über die Grundlagen des Harvard-Verhandlungskonzepts bis hin zu unterschiedlichen Verhandlungstaktiken.
Ausgesprochen wertvoll – und für mich auch äußerst nachhaltig – waren unsere Rollenspiele, an denen natürlich nicht alle teilnehmen konnten. Trotzdem: Wir alle konnten profitieren, da wir die Szenarien und die Verhandlungsstrategie zusammen vorbereitet hatten. Anschließend analysierten wir gemeinsam die teils emotional sehr intensiven Rollenspiele – von den Feinheiten der Formulierungen und Körperhaltungen bis hin zu den angewandten Verhandlungsstrategien mit ihren Fallstricken und Vorteilen.
Besonders hilfreich: Frau Hesselmanns Anregung, wichtige Verhandlungen mit einer vertrauten Person zu üben – und sich dabei selbst zu filmen, um anschließend die eigene Wirkung realistisch einzuschätzen und gezielt verbessern zu können.
Was sind wir uns wert?
Ebenfalls unschätzbar wertvoll: die offene, unverblümte Diskussion um des Pudels Kern: Das Geld.
Die anwesenden erfahreneren Kolleg:innen berichteten aus ihrer Praxis, darüber, wie sie kalkulieren und welche Honorare sie abrechnen. Auch der Austausch der Studierenden war zum Thema sehr erhellend und förderte eine enorme Bandbreite an Stundensätzen zu Tage. Ein wichtiger Hinweis der Dozentin an dieser Stelle war, die Honorarempfehlungen des VDR als Spiegel für sich selbst, aber auch als Werkzeug in Verhandlungen zu nutzen.
Besonders schön: Die Ermahnung an die Teilnehmenden (und eigentlich ein bisschen an die Welt der Restaurierung allgemein), dass wir für uns das „Geldverdienen“ positiv besetzen müssen! Schließlich sollten wir es uns wert sein.
Nächster Termin: 11.–12. April 2026, Dresden
Dieser Text kann nur einen kleinen Ausschnitt der behandelten Themen abbilden und das wertvollste – den persönlichen Austausch – sowieso nur versuchen zu vermitteln. Für alle, deren Interesse nun geweckt ist: Ich kann diesen Workshop nur allerwärmstens empfehlen.
Das nächste Mal findet er unter dem Namen „Was bin ich mir wert? – Souverän verhandeln, klar kommunizieren“ am 11. und 12. April in Dresden im Deutschen Hygienemuseum statt.
Arien Michalk
