Der sächsische Landtag hat sich am Donnerstag, dem 25.06.2026, erneut mit den geplanten Änderungen beim Landesamt für Denkmalpflege befasst. Die Staatsregierung will sowohl das Landesamt für Denkmalpflege als auch das Landesamt für Archäologie bis 2028 in die Landesdirektion eingliedern. Offiziell soll die Reform die Verwaltung effizienter machen. Doch genau diese Begründung sorgt für wachsende Kritik. Der VDR war mit dabei und der MDR berichtet.
Grüne, Linke und BSW warnen vor einer strukturellen Schwächung des Denkmalschutzes. Sie befürchten den Verlust eigenständiger Fachbehörden und sehen die Gefahr, dass politische Einflussmöglichkeiten auf fachliche Entscheidungen steigen. Infrastrukturministerin Regina Kraushaar (CDU) hält dem entgegen: Fachkompetenz und Schutz des kulturellen Erbes blieben gesichert, Modernisierung und Denkmalschutz seien miteinander vereinbar.
Auch die übrigen Fraktionen positionieren sich. Die SPD betont, Reformen seien notwendig, dürften aber nicht zulasten von Qualität und Vertrauen gehen. Die AfD signalisiert Zustimmung nur dann, wenn tatsächliche Einsparungen nachweisbar sind und die fachliche Expertise unangetastet bleibt.
Im Zentrum der Debatte stehen weiterhin unbeantwortete Kernfragen: Führt die Neuorganisation tatsächlich zu mehr Effizienz? Welche Einsparungen sind konkret zu erwarten? Und gefährdet die Reform die Unabhängigkeit des Denkmalschutzes in Sachsen?
Auffällig ist, dass nahezu alle Wortmeldungen – mit Ausnahme der CDU – einen gemeinsamen Nenner haben: Die Erfolgsaussichten der Reform sind unklar, viele zentrale Fragen bleiben offen.
Bemerkenswert bleibt, dass diejenigen, die täglich für Denkmalpflege und Archäologie arbeiten, bislang nicht in die Diskussion einbezogen wurden. Die Fachleute, darunter auch die Landesvertreter:innen des Verbandes der Restaurator:innen, saßen während des Plenums auf den Rängen (siehe Gruppenbild). Sie hatten scharfe Kritik an den Plänen zur Novellierung der Denkmalpflege geäußert und werden das Geschehen aktiv weiterverfolgen.
Weiterführende Infos:
Das vollständige Plenarvideo ist archiviert unter: Plenarvideos (Übersicht) | Der Sächsische Landtag (31. Sitzung vom 25.6., TOP 1, Dritte Aktuelle Debatte, ab min 12:11)
Redebeiträge chronologisch (Einzelne Plenarvideos)
1 Thomas Löser | BÜNDNISGRÜNE
2 Jan Löffler | CDU
3 Thomas Kirste | AfD
4 Albrecht Pallas | SPD
5 Luise Neuhaus-Wartenberg | DIE LINKE
6 Ralf Böhme | BSW
7 Dr. Claudia Maicher | BÜNDNISGRÜNE
8 Regina Kraushaar | CDU,
Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung
9 Wolfram Günther | BÜNDNISGRÜNE
Das Bündnis Grüne hat im Zusammenhang mit der Plenarsitzung ein Gutachten zu den schwerwiegenden Folgen vorgelegt.
Nachtrag vom 02.07.2026
Austausch der Restaurator:innen mit dem CDU-Fraktionschef beim Unternehmerfrühstück
Am 01.07. waren Vertreter des Verbands der Restaurator:innen (VDR) und der der Restauratoren im Handwerk beim Landtagsabgeordneten und CDU-Fraktionschef Christian Hartmann zum „Unternehmerfrühstück“ eingeladen.
CDU-Fraktionschef Hartmann erläuterte die Position der Landesregierung und verwies auf die erheblichen Sparzwänge des Doppelhaushalts 2027/28, die auch die aktuelle Debatte um die Denkmalpflege antreiben.
Die anwesenden Handwerker und Restaurator:innen zeigten grundsätzlich Verständnis für die Lage, schilderten jedoch Beispiele aus ihrer Praxis, in denen die Landesämter für Denkmalpflege und Archäologie unverzichtbare fachliche Grundlagen für Entscheidungen der Unteren Denkmalbehörden (UDBs) liefern und so die Qualität in der Beurteilung sichern. Hartmann sprach mehrfach von der „Vermeidung und Beseitigung von Doppelstrukturen“. Sollte damit das Zusammenspiel von UDBs und Fachämtern gemeint sein, ist zu betonen, dass beide sich ergänzen und keine Doppelungen darstellen – hier scheint es Definitions- und Verständnisschwierigkeiten zu geben.
Auch die geplante dreistufige Kategorisierung der Denkmallisten wurde kritisch hinterfragt: Wer soll sie in welchem Zeitraum und mit welchem finanziellen Aufwand erarbeiten? Werden Mitarbeitende der UDBs fachlich so fortgebildet, dass sie belastbare Bewertungen treffen können? Diese und weitere Fragen nährten Zweifel am Sinn eines Vorhabens, das eigentlich „verschlanken“ und „einsparen“ soll.
Allen Beteiligten ist klar, dass angesichts knapper Ressourcen neue Strategien nötig sind, um Anspruch und Wirklichkeit in ein realistisches Verhältnis zu bringen. Entscheidend wird sein, welche Abstriche in Verwaltung und Praxis tragbar sind – und dass die Folgen jeder geplanten Veränderung vor ihrer Umsetzung sorgfältig geprüft werden.
Hartmann versprach die vorgetragenen Argumente weiter in seine Partei, in die Gremien der Landesregierung zu tragen. Was es nun aus Sicht der Fachverbände braucht, ist ein runder Tisch, an dem ein konstruktiver Diskurs geführt werden kann.
