Trauer um Dr. Thomas Brachert

Das Germanische Nationalmuseum und die Restaurierungswelt trauert um den Restaurator und Gründer des Instituts für Kunsttechnik und Konservierung (IKK) Dr. Thomas Brachert. Das Germanische Nationalmuseum (GNM) trauert um den renommierten […]

Das Germanische Nationalmuseum und die Restaurierungswelt trauert um den Restaurator und Gründer des Instituts für Kunsttechnik und Konservierung (IKK) Dr. Thomas Brachert.

Das Germanische Nationalmuseum (GNM) trauert um den renommierten Restaurator und Kunsthistoriker Dr. Thomas Brachert, der in der Nacht auf Sonntag, 1. März 2026 im Alter von 97 Jahren verstarb. Im Jahr 1984 hatte Brachert als damaliger Leiter die Restaurierungswerkstätten des Germanischen Nationalmuseums umbenannt in „Institut für Kunsttechnik und Konservierung (IKK)“. Der neue Name stand für ein neues Selbstverständnis der Restauratorenszene, für die Professionalisierung und Institutionalisierung des Berufsstands. Damit wurde betont, dass im Germanischen Nationalmuseum Kunst und Kulturgüter nicht nur restauriert, sondern vor allem wissenschaftlich erforscht werden.

Brachert, 1928 in Berlin geboren, war ausgebildeter Schreiner, Kunsterzieher und promovierter Kunsthistoriker. Seine restauratorische Ausbildung und kunsttechnisches Wissen erwarb er an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Eine standardisierte Ausbildung für den Beruf der Restauratoren existierte damals noch nicht. „Die meisten [Restauratoren] kamen aus dem künstlerischen Bereich, waren Maler, vor allem gelernte Kirchenmaler“, erläuterte Brachert in einem Interview anlässlich des 30jährigen Bestehens des IKK. „Der Vorteil war, dass sie ihr Handwerk perfekt verstanden und mit Pinsel und Farbe umzugehen wussten. Der Nachteil war das fehlende kunsthistorische Wissen.“

Geprägt hatte Brachert seine Tätigkeit in Zürich am „Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK)“ in den 1960er Jahren. Die 1951 gegründete Einrichtung gehört zu den weltweit ersten, die sich neben der Restaurierung auch der Erforschung und Dokumentation von Kunstwerken verschrieben hatte. Als Brachert 1974 als Chefrestaurator nach Nürnberg wechselte, fasste er als erstes die elf Restaurierungswerkstätten des Museums zu einer eigenständigen Abteilung für Restaurierung und Materialforschung zusammen. Parallel kamen erste Diskussionen zum Berufsbild und der akademischen Ausbildung von Restaurator*innen auf: eine Debatte, die sich in den 1980er Jahren intensivierte. Entschieden setzte sich Brachert für bessere und normierte Ausbildungsbedingungen ein und erarbeitete einen Ausbildungsplan für die Werkstätten im GNM, die er 1984 in „Institut für Kunsttechnik und Konservierung“ umbenannte. Im Vordergrund stand stets das ausgewogene Verhältnis von handwerklichen Fähigkeiten und wissenschaftlichen Fachkenntnissen.

Heute genießt das „Institut für Kunsttechnik und Konservierung“ internationales Ansehen. Es zählt zu den größten und technisch avanciertesten Einrichtungen seiner Art in Deutschland und ist bekannt für seine hohen wissenschaftlichen Standards. Das Germanische Nationalmuseum und der Berufsstand der Restaurator:innen verdanken Dr. Thomas Brachert sehr viel.

 

Quelle: Pressemitteilung des GNM

Die Bücher "Patina" und "Lexikon historischer Malstechniken" zählen zu den bedeutenden Publikationen von Thomas Brachert.
Die Bücher "Patina" und "Lexikon historischer Malstechniken" zählen zu den bedeutenden Publikationen von Thomas Brachert.