Künstliche Intelligenz in der Restaurierung
Digitale Hilfe mit Augenmaß
Wer einen Kostenvoranschlag erstellt, nach historischen Materialien recherchiert oder eine Dokumentation schreibt, verbringt oft viele Stunden am Computer – Zeit, die nicht am Objekt verbracht wird, aber dennoch bezahlt werden muss. Kann da die Künstliche Intelligenz (KI) behilflich sein? Inzwischen dringt sie in nahezu alle Bereiche des Arbeitsalltags. Manche sehen darin eine Revolution, andere eine Bedrohung. Für Restaurator:innen lohnt sich vor allem ein dritter Blick: der pragmatische. Wo kann KI tatsächlich Zeit sparen, Qualität verbessern und betriebswirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden? Und wo liegen die Risiken?
Künstliche Intelligenz wird Restaurator:innen in absehbarer Zeit wohl nicht ersetzen. Sie kann jedoch bei zahlreichen administrativen und organisatorischen Aufgaben unterstützen. Richtig angewendet kann sie helfen, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und Ressourcen gezielt zu nutzen. Falsch eingesetzt kann sie dagegen zu fehlerhaften Ergebnissen, Datenschutz-problemen oder sogar Haftungsrisiken führen. Wie so oft gilt daher: Nicht die Technologie entscheidet über den Erfolg, sondern der sachkundige Umgang mit ihr.
KI als digitale Assistenz bei der Recherche
Viele Restaurierungsprojekte beginnen mit einer Recherchephase. Informationen zu historischen Materialien, Herstellungstechniken, Schadensbildern oder vergleichbaren Objekten müssen zusammengetragen und ausgewertet werden. KI-gestützte Systeme können hierbei eine wertvolle Unterstützung leisten. Der überwiegende Teil der relevanten Primärquellen liegt zwar noch immer nur analog und lediglich teilweise digital erschlossen vor. Doch KI kann dabei helfen, die relevanten analogen Quellen überhaupt zu finden, indem sie in den Archiven digitalisierte Findbücher, Bestandsübersichten oder Datenbanken durchforstet. Statt zahlreiche Internetseiten einzeln zu durchsuchen, lassen sich erste Übersichten, Zusammenfassungen oder Ansatzpunkte innerhalb weniger Minuten generieren. Liegen Quellen digitalisiert vor, kann KI z.B. auch helfen Handschriften zu transkribieren, Personen- oder Ortsnetzwerke zu erkunden und Quellen zusammenzufassen. Auch beim Formulieren von Hypothesen kann KI eine Unterstützung sein.
Wichtig bleibt jedoch: Die KI ersetzt keine Fachliteratur und keine Quellenprüfung. Sie liefert keine wissenschaftlich abgesicherten Aussagen, sondern Wahrscheinlichkeiten. Quellen müssen deshalb immer überprüft und fachlich bewertet werden. Nutzen Sie KI als Rechercheassistentin, nicht als wissenschaftliche Quelle. Lassen Sie sich relevante Suchbegriffe, Literaturhinweise oder Fragestellungen vorschlagen, prüfen Sie die Ergebnisse anschließend jedoch konsequent anhand belastbarer Fachquellen.
Unterstützung bei Dokumentation und Berichtswesen
Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit vieler Restaurator:innen entfällt auf schriftliche Dokumentationen. Zustandsbeschreibungen, Maßnahmenprotokolle, Abschlussberichte oder Objektbeschreibungen folgen häufig wiederkehrenden Strukturen. Genau hier können KI-Werkzeuge behilflich sein. Wer bereits Stichpunkte oder Rohtexte erstellt hat, kann diese durch eine KI sprachlich strukturieren, zusammenfassen oder in einen professionellen Berichtsstil überführen lassen. Auch die Vereinheitlichung von Formulierungen innerhalb größerer Dokumentationen gelingt häufig deutlich schneller. Zu empfehlen ist das Erstellen eines Master-Prompts, der wissenschaftliche Grundsätze, Terminologie, sprachlichen Stil, Struktur und bevorzugte Formulierungen Ihrer Fachrichtung dauerhaft vorgibt (Beispiel unten).
Schnellere Angebotserstellung und Korrespondenz
Auch bei Angeboten, Projektbeschreibungen oder Kundenanschreiben kann KI die Arbeit erleichtern. Viele Restaurator:innen formulieren ähnliche Textbausteine immer wieder neu. Dazu gehören Anschreiben zu Angeboten, Leistungsbeschreibungen, Projektzusammenfassungen, Erinnerungen an offene Rechnungen und Antworten auf häufige Kundenanfragen.
KI-Systeme können aus vorhandenen Stichpunkten innerhalb weniger Sekunden professionelle Entwürfe erstellen. Das bedeutet keineswegs, dass sämtliche Kommunikation automatisiert werden sollte. Vielmehr kann ein erster Entwurf entstehen, der anschließend individuell angepasst wird. Gerade für Soloselbstständige ohne Bürounterstützung kann dies einen spürbaren wirtschaftlichen Vorteil bedeuten.
Wo KI bei Restaurierungen an ihre Grenzen stößt
So hilfreich KI in organisatorischen Bereichen sein kann, so problematisch wird ihr Einsatz bei fachlichen Bewertungen. KI verfügt weder über restauratorische Erfahrung noch über Objektkenntnis. Sie kann keine Materialanalysen durchführen, keine Schadensursachen sicher beurteilen und keine restaurierungsethischen Entscheidungen treffen.
Besonders kritisch wird es, wenn KI-generierte Aussagen ungeprüft übernommen werden. Beispiele hierfür sind falsche Materialzuordnungen, erfundene Literaturangaben, unzutreffende Datierungen, fehlerhafte rechtliche Informationen und scheinbar überzeugende, aber fachlich unhaltbare Empfehlungen. In der Fachwelt spricht man dabei von „Halluzinationen“. Die KI präsentiert dabei Informationen mit großer sprachlicher Sicherheit, obwohl diese tatsächlich falsch oder frei erfunden sind. Gerade weil die Antworten oft plausibel wirken, liegt hier eine der größten Gefahren. Deshalb sollten Sie in Ihre Prompts Anweisungen integrieren wie: „Beantworte die Frage nur auf Basis belegbarer Informationen. Nenne zu jeder Aussage die zugrunde liegende Quelle. Kennzeichne Vermutungen.“ oder „Arbeite wie eine wissenschaftliche Redaktion. Jeder Fakt muss belegt sein.“ oder „Verwende ausschließlich die zugrunde gelegten Informationen. Erfinde keine Namen, Daten, Quellen, Zitate oder Statistiken.“
Datenschutz: Ein häufig unterschätztes Risiko
Ein weiterer Stolperstein betrifft den Datenschutz. Viele frei zugängliche KI-Systeme verarbeiten eingegebene Daten auf externen Servern. Wer unbedacht Projektunterlagen, Gutachten, personenbezogene Daten oder vertrauliche Kundendokumente hochlädt, riskiert unter Umständen Verstöße gegen Datenschutz- oder Geheimhaltungspflichten.
Besonders sensibel sind Kundenadressen, personenbezogene Daten, Vertragsunterlagen, Gutachten, nicht veröffentlichte Forschungsdaten und hochauflösende Objektaufnahmen mit Nutzungsbeschränkungen. Vor jeder Nutzung sollte daher geprüft werden, welche Daten verarbeitet werden und welche Datenschutzregelungen für das jeweilige System gelten. Dabei sollten personenbezogene oder vertrauliche Informationen grundsätzlich anonymisiert werden. Hierzu zählen insbesondere Namen, Adressen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten, Kunden- oder Personaldaten, Bewerbungsunterlagen oder auch Gesundheitsdaten. Genauso sollten Sie niemals Zugangsdaten, Vertragsunterlagen, Finanzdaten oder unveröffentlichte Projektinformationen einspeisen. Im Zweifel ist weniger Information der bessere Weg.
Der betriebswirtschaftliche Nutzen: Zeit als knappe Ressource
Für selbstständige Restaurator:innen ist letztlich eine Frage entscheidend: Lohnt sich der Einsatz wirtschaftlich? Die Antwort lautet häufig: ja, allerdings vor allem bei administrativen Tätigkeiten. Wer für Angebotsvorbereitung, Korrespondenz und Recherche pro Woche auch nur zwei bis drei Stunden einspart, gewinnt im Laufe eines Jahres schnell mehr als 100 zusätzliche Arbeitsstunden. Diese Zeit kann genutzt werden für abrechenbare Projektarbeit, Akquise neuer Aufträge, Fortbildung und Qualitätsverbesserungen. Damit wird KI nicht zur Konkurrenz restauratorischer Fachkompetenz, sondern zu einem Werkzeug der Betriebsorganisation.
Fazit: Werkzeug statt Wundermittel
Künstliche Intelligenz wird die Restaurierung nicht neu erfinden. Sie kann jedoch helfen, viele zeitaufwendige Routinetätigkeiten effizienter zu erledigen. Die größten Potenziale liegen derzeit in Angebotserstellung, allgemeiner Büroorganisation, Recherche und Dokumentation. Gleichzeitig dürfen fachliche Prüfung, restauratorische Verantwortung und Datenschutz nicht aus dem Blick geraten.
Wer KI als Assistenzsystem versteht und nicht als Ersatz für eigene Expertise, kann von den Möglichkeiten profitieren, ohne die Qualität der eigenen Arbeit zu gefährden. Oder anders formuliert: Auch die beste künstliche Intelligenz ersetzt nicht den geschulten Blick einer Restauratorin oder eines Restaurators. Sie kann aber dabei helfen, dass mehr Zeit für genau diesen Blick bleibt.
Autorinnen: Dr. Christiane Schillig und Patricia Brozio
Bild: Alexandra Koch from Pixabay
Hinweis: Beachten Sie bitte, dass unsere Serie Tipps für die Praxis vermittelt und ein Ratgeber von Restaurator:innen für Restaurator:innen ist. Sie können keine rechtliche, betriebswirtschaftliche oder finanzielle Beratung ersetzen. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Anfragen an eine Anwalts- oder Steuerkanzlei oder an Ihre Bank!
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KI-generiertes Beispiel
Beispiel für einen Master-Prompt
Du agierst als wissenschaftliche Fachredaktion für Restaurierung und Konservierung.
Deine Aufgabe ist es, den folgenden Text sprachlich und strukturell zu optimieren, ohne fachliche Inhalte zu verändern oder zu ergänzen.
Grundsätze:
- Die restauratorische Expertise stammt ausschließlich aus dem Ausgangstext.
- Ergänze keine Beobachtungen, Interpretationen, Ursachen, Datierungen oder Schlussfolgerungen.
- Erfinde keine Materialien, Methoden, Schäden oder Untersuchungsergebnisse.
- Weise auf fachliche Unklarheiten hin, anstatt Vermutungen anzustellen.
Sprachlicher Stil:
- Verwende einen präzisen, sachlichen und wissenschaftlichen Stil.
- Orientiere dich an professionellen Restaurierungs- und Dokumentationsstandards.
- Formuliere klar, nachvollziehbar und fachlich korrekt.
- Vermeide Umgangssprache, Marketing-Sprache und wertende Formulierungen.
- Vermeide unnötig komplizierte Satzkonstruktionen.
- Reduziere Wiederholungen.
- Achte auf einen ruhigen, objektiven Ton.
- Nutze eine konsistente Fachterminologie.
- Bevorzuge konkrete gegenüber allgemeinen Formulierungen.
Wissenschaftliche Anforderungen:
- Trenne Beobachtung, Interpretation und Bewertung eindeutig voneinander.
- Formuliere Beobachtungen ausschließlich auf Basis sichtbarer oder dokumentierter Befunde.
- Kennzeichne Vermutungen als Vermutungen.
- Vermeide unbelegte Kausalzusammenhänge.
- Vermeide Aussagen, die nicht aus dem Befund ableitbar sind.
- Achte auf Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit der Aussagen.
Struktur:
- Ordne die Informationen logisch und nachvollziehbar.
- Falls vorhanden, gliedere nach:
- Objektbeschreibung
- Erhaltungszustand
- Materialtechnische Beobachtungen
- Schadensbild
- Untersuchungen
- Konservatorische Maßnahmen
- Restauratorische Maßnahmen
- Ergebnis
- Empfehlungen
Formulierung von Zustandsbeschreibungen:
- Beschreibe zunächst den Gesamteindruck.
- Gehe anschließend zu Einzelbefunden über.
- Beschreibe Lage, Ausdehnung, Intensität und Erscheinungsbild möglichst präzise.
- Verwende bevorzugt beobachtungsorientierte Formulierungen.
Formulierung von Maßnahmen:
- Beschreibe Maßnahmen chronologisch.
- Verwende klare Verben.
- Trenne Durchführung und Ergebnis.
- Vermeide pauschale Formulierungen wie „gereinigt“, „bearbeitet“ oder „behandelt“, sofern eine präzisere Beschreibung möglich ist.
Qualitätssicherung:
Prüfe abschließend:
- Sind alle Aussagen fachlich nachvollziehbar?
- Enthält der Text wertende Formulierungen?
- Enthält der Text unbelegte Annahmen?
- Ist die Fachterminologie konsistent?
- Gibt es sprachliche Unklarheiten?
- Gibt es unnötige Wiederholungen?
Prüfe jeden Satz darauf, ob er eine Beobachtung, eine Interpretation oder eine Bewertung enthält. Wenn diese Ebenen vermischt sind, trenne sie konsequent voneinander.
Gib anschließend aus:
- Überarbeitete Fassung
- Hinweise auf fachlich oder sprachlich kritische Stellen
- Vorschläge zur Verbesserung der Dokumentationsqualität
