Reflektion und Perspektiven – E.C.C.O. trifft sich in Ljubljana

Am 10. und 11. Mai 2026 fanden in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana das President´s Meeting und die General Assembly von E.C.C.O. statt. Bei schönstem Wetter ging es am Sonntag in den […]

Am 10. und 11. Mai 2026 fanden in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana das President´s Meeting und die General Assembly von E.C.C.O. statt. Bei schönstem Wetter ging es am Sonntag in den Räumen des Slowenischen Nationalarchivs zunächst um die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Satzungen. 2024 gab es einige rechtlich notwendige, formale Satzungsänderungen. Diese wurden zum Anlass genommen zu überprüfen, ob alle 22 Vollmitglieder, die Bedingungen für eine solche Mitgliedschaft noch erfüllen. Insbesondere ging es um den Zugang zur Vollmitgliedschaft in den nationalen Satzungen. 2007 wurde auf der General Assembly beschlossen, den Master, also das Qualifikationslevel EQF 7, als Voraussetzung für den uneingeschränkten Zugang zum Beruf festzulegen. In mehren Publikationen wurde dies seitdem bekräftigt (E.C.C.O.-Kompetenzen, E.C.C.O. Berufsrichtlinien: E.C.C.O. - Verband der Restauratoren VDR). Die Wahl fiel auf den Master, um sich auf europäischer Ebene mit anderen akademischen Berufen wie dem Ingenieurwesen, der Architektur oder der Archäologie gleichzustellen. Um diese Haltung der Politik klar kommunizieren zu können und ein einheitliches Bild der Konservierung-Restaurierung in Europa zu zeichnen, setzt eine Vollmitgliedschaft bei E.C.C.O. voraus, dass in den nationalen Verbänden nur Mitglieder mit EQF 7 (und etwaige Altmitglieder) Stimmrecht in berufspolitischen Fragen erhalten. In der Satzung soll außerdem ausdrücklich auf die entsprechen E.C.C.O.-Veröffentlichungen verwiesen und der Master als berufsqualifizierender Abschluss angestrebt werden, auch wenn die nationale Realität bisher eine andere ist.

Einzige Ausnahme bilden Länder in denen gesetzliche Regelungen lediglich einen B.A. fordern oder es keine Masterprogramme gibt. Hierzu gehören momentan Griechenland, Irland und Kroatien. Der Großteil der Vollmitglieder von E.C.C.O. erfüllt die Kriterien, lediglich die spanischen und nordischen Verbände gewähren momentan auch B.A. volles Stimmrecht. Die insgesamt fünf Verbände haben nun bis zur nächsten General Assembly 2027 Zeit ihre Satzungen oder ihren Mitgliedsstatus zu ändern. In der Diskussion wurde Hilfe bei Übergangsregelungen angeboten, aber auch von anderen Verbänden und dem Hochschulnetzwerk Encore die Haltung zum Master noch einmal bekräftigt. Es wurde betont, dass Assoziierte Mitglieder genauso Teil der E.C.C.O.-Familie seien und Zugang zu allen Informationen und Anrecht auf dieselbe Unterstützung hätten wie Vollmitglieder, es sich also keinesfalls um eine Mitgliedschaft zweiter Klasse handele.

Elis Marcal eröffnet die E.C.C.O.-Generalversammlung
Elis Marcal eröffnet die E.C.C.O.-Generalversammlung

Der zweite Teil des Tages widmete sich einer Mitgliederbefragung zur Berufsrealität in den einzelnen Ländern. Anhand von vier Fragen wurde im Vorfeld des Treffens der Stand der Ausbildung in den Ländern, die Regulation der Berufsausübung, Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Schwierigkeiten beim Berufseinstieg und der Mobilität innerhalb Europas ermittelt. Die Beteiligung an der Umfrage war erfreulich hoch: 22 der 29 Mitgliedsverbände beantworteten die Fragen teils sehr ausführlich. Die Auswertung erfolgte unter großem Zeitdruck und ist daher bislang nur vorläufig. Im Nachgang des Treffens gab es erneut die Möglichkeit den Fragebogen zu beantworten bzw. Antworten zu ergänzen. Aus den Ergebnissen soll ein offizieller Bericht entstehen, der allen Mitgliedsorganisationen zur Verfügung gestellt wird. Ziel ist es den Bericht bis Ende des Jahres fertigzustellen. Die ersten Erkenntnisse sind: in allen Mitgliedsländern gibt es mittlerweile eine Ausbildung auf Masterniveau bzw. EQF 7.

Im öffentlichen Dienst wird EQF 7 vielerorts vorausgesetzt, auch wenn es keine entsprechenden gesetzlichen Regelungen gibt oder die Bezahlung nicht zur Qualifikation passt. Der Master ist außerdem förderlich, um eine höhere Bezahlung und eine bessere Anerkennung zu erreichen. Der Berufseinstieg wird durch befristete Verträge, schlechte Verdienstmöglichkeiten und unklare Berufswege in vielen Ländern erschwert. Die Mobilität innerhalb Europas hängen in hohem Maße von der Qualifikation – auch hier zeigt sich der Master als vorteilhaft – und Sprachkenntnissen ab. Hindernisse sind uneinheitliche Regelungen zur Anerkennung des Berufs und bürokratische Hürden. In kaum einem Land gibt es staatlich geförderte Weiterbildungsmöglichkeiten. Hier sieht E.C.C.O. eine Möglichkeit über EU-Gelder Weiterbildungen zu finanzieren, da die Weiterqualifizierung von Fachkräften momentan ein priorisiertes Thema auf europäischer Ebene ist – Stichwort Pact for Skills (Homepage of Pact for skills). Als einer der Hautanbieter für deutschsprachige Weiterbildungen wurde der VDR hervorgehoben.

E.C.C.O.-Generalversammlung im Slowenischen Nationalarchiv
E.C.C.O.-Generalversammlung im Slowenischen Nationalarchiv

Am Montag folgte die General Assembly. Neben administrativen Themen wie der Verabschiedung des Haushalts konnte Malta als weiteres ordentliches Mitglied von der General Assembly bestätigt werden. Der Delegierte James Licari wurde anschließend auch in den Vorstand gewählt und ersetzt die scheidende finnische Delegierte Anni Tuominen. Des Weiteren wurde die Arbeit von E.C.C.O. im EU Projekt ECHOES vorgestellt. Das slowakische Vorstandsmitglied Lucia Sefcikova vertrat gemeinsam mit Barbara Davidson, der Präsidentin der slowakischen Kammer, E.C.C.O. im Mai 2026 beim ICCROM Workshop READY in dem es um Kulturgutschutz ging. Sie stellten gemeinsam die Tätigkeiten der Mitgliedsorganisationen in diesem Bereich vor. Das Handbuch Kulturgutschutz des VDR wurde auch von anderen Verbänden empfohlen.

Zwei dichte Tage mit guten Diskussionen gingen schließlich am Montagabend zu Ende. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das Niveau der Konservierung-Restaurierung und die Anerkennung des Berufsstandes in den letzten Jahren aus Sicht der Verbände deutlich verbessert hat. Eine Regulation der Berufsausübung auf EU-Ebene, zumindest für geschütztes Kulturgut, ist nach Meinung von Präsidentin Elis Marcal kein chancenloses Unterfangen mehr.

Julia Brandt, E.C.C.O.-Delegierte des VDR
im Juni 2026

Julia Brandt und Elis Marcal beim President´s Meeting
Julia Brandt und Elis Marcal beim President´s Meeting