„Eine spannendere Arbeit kann ich mir nicht vorstellen“

Genauso wie sich Gisela Gulbins für ihren Wunschberuf regelrecht begeistern kann, ist sie auch im Berufsverband engagiert dabei. Schon früh hat sie erkannt, dass es nicht nur schön ist, als Restauratorin zu arbeiten, sondern, dass das heutige Berufsbild der Öffentlichkeit mit viel Offenheit, Pragmatismus und Ausdauer vermittelt werden muss. Dieser Aufgabe möchte sie sich als […]

Genauso wie sich Gisela Gulbins für ihren Wunschberuf regelrecht begeistern kann, ist sie auch im Berufsverband engagiert dabei. Schon früh hat sie erkannt, dass es nicht nur schön ist, als Restauratorin zu arbeiten, sondern, dass das heutige Berufsbild der Öffentlichkeit mit viel Offenheit, Pragmatismus und Ausdauer vermittelt werden muss. Dieser Aufgabe möchte sie sich als neu gewähltes Präsidiumsmitglied intensiv widmen.

Meine Arbeit im VDR

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ - diesem Spruch von Karl Valentin kann ich als Restauratorin nur zustimmen, allerdings wohl in einem anderen Sinne, als ihn der Kabarettist verstand. Eine spannendere Arbeit kann ich mir nur schwer vorstellen, denn schon seit meiner Schulzeit hat mich die Restaurierung als Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Handwerk fasziniert, weil sie genau meinen Interessen entsprach und immer noch entspricht.

Durch die Mitgliedschaft in der AdR und später im VDR habe ich viele Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, die meine Begeisterung teilen, erfuhr aber auch, wie wichtig es ist, den Beruf weiter zu entwickeln, Qualitätsstandards zu definieren und wenn nötig zu verteidigen. Als Vorsitzende bzw. stellvertretende Vorsitzende der Fachgruppe Kunsthandwerk organisierte ich jahrelang Fachtagungen und -exkursionen mit, um die Kommunikation und den Austausch zwischen  Kolleginnen und Kollegen zu fördern und um selber dazuzulernen.

Um Kommunikation und Austausch geht es nun auch bei meiner Tätigkeit im Präsidium, allerdings mit anderen Partnern. Die Politik muss von der Wichtigkeit des Berufstitelschutzes für Restauratoren überzeugt werden, wir müssen mit dem Handwerk eine Abgrenzung zwischen den Tätigkeitsfeldern der Restauratoren im Handwerk und den akademischen Restauratoren finden und wir müssen diesen Unterschied der Öffentlichkeit vermitteln. Dazu würde ich gerne beitragen, mit Offenheit, Pragmatismus und Ausdauer.

Es würde mich freuen, wenn Ernst Barlachs Aphorismus „Zu jeder Kunst gehören zwei: einer, der sie macht, und einer, der sie braucht.“ irgendwann im öffentlichen Verständnis erweitert werden würde zu „Zu jeder Kunst gehören drei: einer, der sie macht, einer, der sie braucht und einer, der sie erhält“.

Gisela Gulbins ist seit November 2017 Präsidiumsmitglied.
Gisela Gulbins ist seit November 2017 Präsidiumsmitglied.

Zu meiner Person

Nach dem Abitur in Heidelberg absolvierte ich ein knapp dreijähriges Restaurierungspraktikum am Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Dies war die Vorbereitung für mein Studium der Restaurierung von archäologischen, ethnologischen und kunsthandwerklichen Objekten an der Kunstakademie in Stuttgart, welches ich 2001 mit Diplom abschloss. Während der diversen Semesterferien erhielt ich Gelegenheit, in Hannover, Wien, Exeter und Troja weitere Erfahrung zu sammeln.

Ende 2001 begann ich ein Volontariat an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim und hatte das Glück, einige Zeit später eine Festanstellung als Restauratorin für Kunsthandwerk am selben Hause angeboten zu bekommen. Viele Jahre später und zwei Kinder weiter teile ich mir die Stelle inzwischen mit einer Kollegin, und mein Arbeitsfeld hat sich inhaltlich etwas verschoben. Anstatt wie früher Objekte zu restaurieren, beschäftigen wir uns nun hauptsächlich mit präventiver Konservierung, Depotplanung, Umzugsplanung, sowie Ausstellungsplanung, -auf- und -abbau.