Serie „Mit Kalkül“ – Das Tageshonorar

Wenn Sie als selbstständiger Restaurator gebeten werden, nach Tagessätzen abzurechnen oder dies selbst gerne möchten, ist es ganz wichtig die Kalkulation Ihres Pauschalhonorars auf eine solide Basis zu stellen. Sie benötigen dafür einen zuverlässigen Zeitplan, in dem Sie den Zeitaufwand für die einzelnen Arbeitsschritte abschätzen und zum Vertragsbestandteil machen. Dies sollten Sie unbedingt von Beginn […]

Wenn Sie als selbstständiger Restaurator gebeten werden, nach Tagessätzen abzurechnen oder dies selbst gerne möchten, ist es ganz wichtig die Kalkulation Ihres Pauschalhonorars auf eine solide Basis zu stellen.
Sie benötigen dafür einen zuverlässigen Zeitplan, in dem Sie den Zeitaufwand für die einzelnen Arbeitsschritte abschätzen und zum Vertragsbestandteil machen. Dies sollten Sie unbedingt von Beginn an neben dem Erstellen des inhaltlichen Konzepts bedenken.

Ehe Sie mit der Ausführung Ihres Auftrags beginnen, ist es ratsam sich mit dem Auftraggeber genau über die zu erbringenden Leistungen abzusprechen. Eine Inaugenscheinnahme des zu restaurierenden Objekts ist hierbei grundlegend, um den Umfang richtig abzuschätzen. Wenn dies zum Beispiel im Rahmen einer Ausschreibung nicht möglich ist, beziehen Sie sich auf die Voruntersuchung der beauftragenden Institution und das Leistungsverzeichnis. Nur wenn Sie Ihre Leistungen einzeln auflisten, können Sie später zusätzlich notwendige Arbeiten gesondert in Rechnung stellen. Für diesen Fall sollten Sie zu Vertragsbeginn bereits ein bestimmtes Stundenhonorar vereinbaren, um für beide Seiten lästige Nachverhandlungen zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum zu reduzieren. Denn das weiß wohl jeder, der sich mit Restaurierung beschäftigt: Nicht alles ist vorhersehbar. Immerhin sollte möglichst wenig dem Zufall überlassen werden, um weder beim Auftraggeber noch bei Ihnen unliebsame Überraschungen und damit Konflikte zu provozieren.

Umfragen unter Kulturwissenschaftlern zufolge (Stand: März 2015) sollte der Tagessatz mindestens zwischen 300 und 700 Euro liegen. Wichtig für Ihre Kalkulation ist zunächst, ob ein Projekt unter großem Termindruck steht. Dann sollte ein höherer Tagessatz berechnet werden, da sowohl mit mehr als acht Stunden Arbeitszeit pro Tag zu rechnen ist, als auch eine längere Berufserfahrung nötig ist, um bei Zeitmangel gleichbleibend Qualitätvolles zu leisten.

Bitte vergessen Sie nicht die Nebenkosten! – Zum Beispiel Vorbereitungen in Form von Recherchen, der Einsatz von Material und Verschleiß der Gerätschaften, Transport- und Reproduktionskosten, Archivgebühren, Kuriere und Reisekosten. Sie sind in der Regel gesondert abzurechnen, verbindlich ist das aber nicht. Manch ein Auftraggeber glaubt, dass ein Tageshonorar all inclusive bietet, andere wiederum sehen darin die reine Arbeitszeit. Wie Sie und Ihr Auftraggeber das am Ende vereinbaren, ist ganz Ihnen beiden überlassen, doch sollte es je nachdem unbedingt in die Kalkulation des Tageshonorars einfließen. Wichtig für ein fruchtbar gestaltetes Arbeitsverhältnis ist auch hier die Klarheit, die von Beginn an herrschen sollte, ehe Sie an Ihrem neuen Auftrag arbeiten.

Und zum Schluss: Setzen Sie sich, wenn irgend möglich, Ziele, wieviel Sie pro Monat verdienen möchten. Der Umsatz müsste etwa doppelt so hoch sein, denn wahrscheinlich mieten Sie ein Atelier, unterhalten einen PKW, versichern sich und sorgen für das Alter vor. Ihr Monat hat – regulär! – zudem im Schnitt nur 18 Arbeitstage, von denen je nach Auftrag ein paar für administrative Tätigkeiten verwendet werden müssen.

Text: Dr. Christiane Schillig