150 Jahre Peter Behrens (1868–1940) und ein lohnenswertes Intermezzo in Nürnberg

Woran erkennt man eine gelungene Exkursion für Möbel- und Holzrestauratoren? Wenn besondere Objekte ihre Türen und Schubladen öffnen und die Kollegen irgendwann „auf die Knie gehen“, um die Konstruktionen zu sehen. So geschehen am Freitag, dem 20. April 2018 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (Abb. 1). Abb. 1: 14 RestauratorInnen nahmen an der Exkursion nach […]

Woran erkennt man eine gelungene Exkursion für Möbel- und Holzrestauratoren? Wenn besondere Objekte ihre Türen und Schubladen öffnen und die Kollegen irgendwann „auf die Knie gehen“, um die Konstruktionen zu sehen. So geschehen am Freitag, dem 20. April 2018 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (Abb. 1).

Abb. 1: 14 RestauratorInnen nahmen an der Exkursion nach Nürnberg teil. Foto: Christie Kühne
Abb. 1: 14 RestauratorInnen nahmen an der Exkursion nach Nürnberg teil. Foto: Christie Kühne

14 Restauratoren trafen sich dort zunächst mit Martin Meyer, Restaurator am GNM, um etwas über die Möbel von Peter Behrens zu erfahren, die dieser für die Nürnberger Familie Reif um 1902 schuf. Neben der stilistischen Klarheit der Möbel ist während der Erhaltungsmaßnahmen eine farbige Besonderheit zu Tage getreten. Unter dem linken Beschlag der Spiegeltoilette wurde eine grüne Farbigkeit festgestellt. Diese wurde in der Ausstellung durch eine grüne Beleuchtung sowie eine Schranktür in derselben Farbigkeit rekonstruiert (Abb. 2).

Eine weitere – allerdings ältere Rekonstruktion – eines Überzugs ist an der Kücheneinrichtung sowie an den Möbel des Gästezimmers zu erkennen. Die Elemente beider Räume kamen in den 1980er Jahren ins Museum und waren „in einem desolaten Zustand“, wie Martin Meyer zu berichten weiß. Die damalige Restaurierungspraxis sah die Neufassung aller Teile mit einem Öl-Harz-Lack vor, sodass sie – nach heutigem Wissen leider – in neuem Glanz erstrahlen. Die von Peter Behrens vorgesehene Fassung ist ein Emailimitat der französischen Firma „Le Ripolin“. Ungewöhnlich ist, dass der Auftraggeber diesen in der Rechnung erwähnt (Ausst.-Kat. Nürnberg 2018, S. 60). Hier möchte Martin Meyer noch weiter forschen, um mehr über die Verarbeitungstechnik zu erfahren. Ein ausführliches Interview mit Martin Meyer erscheint in den Informationen für Restauratoren im Juni.

Abb. 2: Der Wäscheschrank zeigt innen die erhaltene grüne Farbigkeit, die es auch auf das Cover des Ausstellungskatalogs und auf das Ausstellungsplakat schaffte.
Foto: Germanisches Museum Nürnberg
Abb. 2: Der Wäscheschrank zeigt innen die erhaltene grüne Farbigkeit, die es auch auf das Cover des Ausstellungskatalogs und auf das Ausstellungsplakat schaffte. Foto: Germanisches Museum Nürnberg
Abb. 3: Für die Fachgruppe öffnete Martin Meyer Tür und Tor; unter anderem der wertvollen Roentgenmöbel. Foto: Christine Kühne
Abb. 3: Für die Fachgruppe öffnete Martin Meyer Tür und Tor; unter anderem der wertvollen Roentgenmöbel. Foto: Christine Kühne

Im zweiten Teil der Führung fasste Dr. Silvia Glaser die ungewöhnliche Biografie von Peter Behrens am Beispiel des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg zusammen. Er entwickelte sich von einem Grafiker und Maler hin zu einem Möbeldesigner und einem Architekten – und das ohne eine klassische Ausbildung sowie mit Hilfe eines großen Netzwerks weiterer Künstler. Schließlich konnte Peter Behrens durch zwei Meisterkurse am Gewerbemuseum Einfluss auf die Künstlerszene in Nürnberg nehmen. „Bei der großen Ausstellung 1980 kannten wir namentlich noch nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Jetzt haben wir fast alle Lebensdaten und konnten einige ihre Werke eruieren oder ihnen zuordnen“, erläutert Silvia Glaser stolz ihre Forschungsergebnisse.

Das zweite Highlight der Exkursion folgte dann bei der Werkstatt- und Sammlungsführung. Martin Meyer öffnete für die Fachgruppe die Schubladen und Türen vieler Möbel – unter anderem der Roentgenwerke, von denen das Germanische Nationalmuseum elf Kunstwerke besitzt (Abb. 3). „Es war eine rundum gelungene Exkursion, so wie man sie sich als Möbelrestauratorin wünscht“, resümiert Susanne Schubert, freiberufliche Restauratorin aus München.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten für diesen wunderbaren Einblick. Die Ausstellung ist noch bis zum 06. Mai 2018 zu sehen.
Der Katalog kostet 11,50 € zzgl. Versandkosten und kann über die Webseite des Museums bestellt werden. Und die nächste interessante Ausstellung für MöbelexpertInnen wird ab dem 21. Juni 2018 zu sehen sein: Richard Riemerschmid. Möbelgeschichten.

Dr. Christine Kühne