Anja Romanowski ist neue Generalsekretärin von E.C.C.O.

Im Mai 2017 wurde Anja Romanowski in Stockholm vom Vorstand des Europäischen Dachverbandes der Restauratorenverbände E.C.C.O. zur neuen Generalsekretärin gewählt. Anja Romanowski arbeitet als selbstständige Diplom-Restauratorin in Dresden und hat sich auf Wandmalerei, Architekturfarbigkeit und mittelalterlichen Stuck spezialisiert. Sie ist langjähriges VDR-Mitglied und seit November 2013 E.C.C.O.-Delegierte des VDR. Seit April 2014 ist sie Mitglied […]

Im Mai 2017 wurde Anja Romanowski in Stockholm vom Vorstand des Europäischen Dachverbandes der Restauratorenverbände E.C.C.O. zur neuen Generalsekretärin gewählt. Anja Romanowski arbeitet als selbstständige Diplom-Restauratorin in Dresden und hat sich auf Wandmalerei, Architekturfarbigkeit und mittelalterlichen Stuck spezialisiert. Sie ist langjähriges VDR-Mitglied und seit November 2013 E.C.C.O.-Delegierte des VDR. Seit April 2014 ist sie Mitglied im E.C.C.O.-Vorstand.

Mit der neuen Generalsekretärin sprach Gudrun von Schoenebeck aus der VDR-Redaktion.

Frau Romanowski, welche Aufgaben hat die Generalsekretärin von E.C.C.O.?
Romanowski: Die Generalsekretärin kümmert sich um das Tagesgeschäft des E.C.C.O.-Vorstandes. Dazu gehören unter anderem die Vor- und Nachbereitung von Treffen und die protokollarische Verantwortung. Wichtig ist, den Überblick über anstehende Aufgaben und laufende Projekte innerhalb der Arbeitsgruppen zu halten, um gegebenenfalls die Verlinkung von Inhalten vorzunehmen. Die Kommunikation innerhalb des Vorstandes, als auch nach außen, ist ebenso eine der Hauptaufgaben.

Die Aufgabenverteilung ist durchaus vergleichbar mit der Struktur im VDR. Hier gibt es auch Geschäftsführung, Vorstand und Präsidium. E.C.C.O. hat, ebenso wie der VDR, ein starkes Präsidium. Von ihm und vor allem von der Präsidentin geht die Hauptrepräsentanz aus. Als Generalsekretärin vertrete ich E.C.C.O. bei der europäischen Organisation Europa Nostra und dem europäischen Netzwerk, European Heritage Alliance 3.3 und bin Teil der Delegation im Europarat, sowie Delegierte für ein Programm der EU Kommission, das Europäische Kulturerbejahr betreffend. Als Vorstandsmitglied beteilige ich mich auch an Arbeitsgruppen mit speziellen Schwerpunkten der berufspolitischen und fachlichen Arbeit – das ist immer noch die schönste Arbeit in E.C.C.O. für mich.

Wie viel Einfluss können Sie in der neuen Position für die deutschen Restauratoren geltend machen?
Romanowski: Um die Belange der deutschen Restauratoren bedeutend zu vertreten, ist es wichtig, im Vorstand von E.C.C.O. zu sein, denn die zentrale Arbeit wird im 11-köpfigen Vorstand geleistet. Jeder Mitgliedsverband von E.C.C.O. wählt einen Delegierten und dieser kann sich für den Vorstand bewerben. Der VDR hat seit jeher darauf geachtet, dass seine E.C.C.O.-Delegierten immer alle, inklusive mir, im Vorstand vertreten sind. Aber auch andersherum ist es für den VDR von Vorteil durch die Vertretung in E.C.C.O. in Europa vertreten zu sein, über europäische Angelegenheiten auf dem Laufenden zu bleiben und Ideen aufgreifen zu können. Die Tätigkeit als Generalsekretärin hat direkt keine erweiterte Auswirkung in beiderlei Hinsicht. Allerdings zeigt der Titel, wie sehr der VDR auch auf europäischer Ebene aktiv ist. Das hat natürlich eine gewisse Strahlkraft auf Partner oder Politiker.

Sie sind als selbstständige Restauratorin tätig und im Ehrenamt Generalsekretärin. Wie schafft man diese beiden anspruchsvollen Jobs gleichzeitig?
Romanowski: Für E.C.C.O. arbeite ich mal morgens, mal abends und meist am Wochenende. Zusätzlich muss ich mir insgesamt viele Tage freinehmen, nicht nur für Reisen, auch weil ich nicht nur ‚zwischendurch‘ wertvoll denken kann. Je nach Intensität des Projekts als selbständige Restauratorin kann es zuweilen schon sehr grenzwertig werden, dem Amt der Generalsekretärin bei E.C.C.O. gerecht zu werden. Irgendwie schafft man das – auch weil es eine spannende Herausforderung ist.

Wie sieht die Situation der Restauratoren in anderen europäischen Ländern aus?
Romanowski: Die Ausbildung ist recht homogen auf Hochschulniveau, nur die Spezialisierungen sind oft sehr verschieden ausgerichtet. Auch die Rechtslagen und Strukturen sind zum Teil unterschiedlich, aber leider muss man sagen, dass die Restauratoren sich in allen Ländern generell eher in einer prekären Situation befinden. Oft heißt das, eine hohe Arbeitslosigkeit und für die Restauratoren, die Arbeit haben, ein sehr geringer Verdienst trotz der hochwertigen Ausbildung und der hohen Verantwortung für das Kulturerbe, für die Gesellschaft.

Was motiviert Sie, trotz großem zeitlichem und finanziellem Aufwand, bei E.C.C.O. mitzuarbeiten?
Romanowski: Die aktuelle Situation der Restauratoren ist nicht hinnehmbar, da möchte ich meinen Beitrag leisten, um kritikwürdige Verhältnisse versuchen zu ändern. Ich finde es grundsätzlich spannend, mitgestalten zu können. Dazu kommt noch der Einblick in die europäischen Strukturen, die der EU Kommission und des Europarates, und die jeweilige Arbeitsweise kennenzulernen. Und schließlich ist die Arbeit fachlich bereichernd, nicht nur auf den Beruf des Restaurators bezogen, sondern auch in Bezug auf die politische und gesellschaftliche Perspektive. Das ist eine sehr anregende Horizonterweiterung! Die größte Motivation für mich ist aber der Gedankenaustausch und die Zusammenarbeit mit den Restauratoren aus anderen Ländern Europas. Das läuft sehr solidarisch, geistreich, respektvoll und wertschätzend ab und auch mit viel Humor. Es sind alles Enthusiasten und Idealisten – ein schöner Menschenschlag!

Welches werden in den nächsten drei Jahren die wichtigsten Ziele für E.C.C.O. sein?
Romanowski: Eins der nächsten großen Ziele ist, durch das Kulturerbejahr 2018 die Restauratoren als einen relevanten Partner bei allen Beteiligten des Kulturerbes und in der Gesellschaft zu verankern. Wir sind sehr gut in den europäischen Netzwerken aufgestellt, arbeiten mit der EU Kommission und dem Europarat zusammen und werden als wichtige Partner für den Verbraucherschutz und das Gemeinwohl wahrgenommen. Dennoch gilt weiterhin die Forderung, dass die erreichten Standards in der Restaurierung nach Jahrzehnten verbindlich gemacht werden. Damit wir unsere Kraft und Zeit nicht damit verschwenden den erreichten Status Quo gegen Niveausenkung und ‚alternativen Restaurierungsdefinitionen‘ verteidigen zu müssen, sondern den Blick auf die Bedürfnisse des Kulturerbes in der sich wandelnden Gesellschaft und den sich daraus ergebenden Anforderungen richten zu können.