Auf dem Weg zu objektivierterem Transportmonitoring

Neues von unserem Fördermitglied Hasenkamp – Im Alltag vieler Restauratoren spielt der Leihverkehr eine zunehmend wichtigere Rolle. Das von der DFG geförderte Kooperationsprojekt „Die materielle Veränderung von Kunst durch Transporte“ der ABK und der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit hasenkamp erforscht, ob und wie sich mikroskopisch kleine transportinduzierte Veränderungen durch den Vergleich von 3D-Gemäldeoberflächentopografien nachweisen […]

Neues von unserem Fördermitglied Hasenkamp – Im Alltag vieler Restauratoren spielt der Leihverkehr eine zunehmend wichtigere Rolle. Das von der DFG geförderte Kooperationsprojekt „Die materielle Veränderung von Kunst durch Transporte“ der ABK und der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit hasenkamp erforscht, ob und wie sich mikroskopisch kleine transportinduzierte Veränderungen durch den Vergleich von 3D-Gemäldeoberflächentopografien nachweisen lassen. Als ein berührungsloses, optisches Verfahren soll die 3D-Streifenprojektion als Monitoringinstrument in der Leihpraxis erprobt werden, vergleiche [Heinemann et al.2019].

Abb. 1: Normallichtaufnahme (© Staatsgalerie Stuttgart)
Abb. 1: Normallichtaufnahme (© Staatsgalerie Stuttgart)

Dazu wurde Robert Delaunays „Simultanfenster Nr. 2“ (Hx B:32,9cmx 26,5 cm), siehe Abbildung 1, der Staatsgalerie Stuttgart untersucht. Der Zierrahmen des Werks wurde rückseitig mit einem Datenlogger versehen, der Klima- und Beschleunigungswerte aufzeichnete, so dass neben einer Einschätzung der klimatischen Situation auch Rückschlüsse auf die Schwingungsbelastungen möglich sind.

Im Anschluss an die Vorzustandsdigitalisierung beim Leihgeber wurde das Werk in eine Mietklimakiste ohne zusätzliche Dämpfungsausstattung verpackt. Die Fahrt erfolgte mit einem luftgefederten und temperaturgeführten Kunst-LKW. Nach der Ankunft beim Leihnehmer und einer Akklimatisierungszeit wurde das Gemälde entpackt und erneut digitalisiert.

Der Logger gab Aufschluss über die maximalen Änderungen der Temperatur und relativen Feuchte und verzeichnete die Beschleunigungen, die während des Scan- und Transportvorgangs auftraten.

Für die Auswertung der optischen Messung wurden zwei 3DModelle generiert, die vollflächig aufeinander ausgerichtet wurden. Beim Vergleich der 3D-Modelle zeichnen sich global relative Unterschiede im Bereich von ±0,1mm ab, siehe Abbildung 2. Insgesamt markieren sich in der Falschfarbendarstellung etwas mehr als 140 lokale, relative Unterschiede.

Demnach ist die 3D-Streifenprojektion, auch im Rahmen des musealen Leihverkehrs, als Monitoringinstrument prinzipiell geeignet. Allerdings ist die Erstellung und Auswertung der 3D-Modelle sowie die Interpretation des Vergleichs komplex, so dass die Ergebnisse einer genauen Prüfung unterzogen werden müssen, um nicht Unterschiede dem Transport zu zuschreiben, die möglicherweise system- bzw. methodenimmanent sind. Aufgrund der Vielzahl an veränderbaren Parametern hat die Auswertungsstrategie einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass sich die im Fokus der Untersuchung stehenden möglichen Oberflächenveränderungen mitunter nahe der Auflösungsgrenze des verwendeten Sensors befinden.

Der hier geschilderte Praxisfall soll zusammen mit künftigen Versuchen dazu beitragen, die Auswirkungen von Transportvorgängen auf Gemäldeoberflächen exakt zu analysieren. Ziel ist es, ein Verständnis für die relevanten Schädigungsmechanismen zu entwickeln.

Weitergehende Informationen
finden sich in der aktuellen Fachpresse und auf der Projektwebseite: 3D_artscan

Literatur
[Heinemann et al. 2019] Heinemann, C.; Krekel, C.; Hein, N.; Buchta, D.; Pedrini, G.; Osten, W.: Objektivierteres Transportmonitoring - ein Fallbericht in: Restauro 6/2019 [im Druck].

 

Abb. 2: Falschfarbendarstellung visualisiert relative Unterschiede
zwischen dem Vor- und dem Nachzustandsmodell (© Staatsgalerie Stuttgart, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Carolin Heinemann)
Abb. 2: Falschfarbendarstellung visualisiert relative Unterschiede zwischen dem Vor- und dem Nachzustandsmodell (© Staatsgalerie Stuttgart, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Carolin Heinemann)