Bericht von der 40. Vorstandssitzung des VDR

In diesem Jahr fand auch die zweite Vorstandssitzung des VDR virtuell statt. Bei einer Videokonferenz trafen sich die Vorsitzenden der Fach-, Interessen- und Landesgruppen des Berufsverbandes am 25. Oktober 2020, um sich über aktuelle Geschehnisse und Tätigkeiten innerhalb des Verbandes auszutauschen und zu beraten.   Das Präsidium und die Geschäftsstelle blickten zunächst auf die Aktivitäten […]

In diesem Jahr fand auch die zweite Vorstandssitzung des VDR virtuell statt. Bei einer Videokonferenz trafen sich die Vorsitzenden der Fach-, Interessen- und Landesgruppen des Berufsverbandes am 25. Oktober 2020, um sich über aktuelle Geschehnisse und Tätigkeiten innerhalb des Verbandes auszutauschen und zu beraten.

 

Das Präsidium und die Geschäftsstelle blickten zunächst auf die Aktivitäten der vergangenen Monate zurück: Zwei Arbeitsausschüsse wurden gegründet, der eine zum Thema der Arbeitssicherheit von Restaurator*innen, der andere mit dem Schwerpunkt auf der Rettung von Kulturgut.

Förderprojekte, freier Eintritt und Europa

Gisela Gulbins stellte das Förderprogramm NFDI4Objekts (=National Research Data Infrastructure) vor. Dort sollen alle gesammelten Daten zu Artefakten, Architektur und menschengeprägten Landschaften in einer großen Datenbank zusammengefasst werden. Der VDR wurde eingeladen, in dem Task Area 4 „Protecting“ mitzuwirken. Nachdem der Projektantrag am 30. September 2020 eingereicht worden war, wird die Entscheidung für den Sommer 2021 erwartet.

Erfreuliches gab es zur Aktion „freier Eintritt ins Museum“ zu berichten. Hier haben mittlerweile rund 170 Ausstellungshäuser ihre Kooperation zugesagt. Da die Liste der Museen auf der VDR-Website sehr lang geworden ist, arbeitet die Geschäftsstelle nun an einer übersichtlicheren Darstellung. Auf der Website werden außerdem in Zukunft auf mehrfachen Wunsch auch die ehemaligen Präsidien und die Mitglieder im Ruhestand aufgelistet werden.

Auch auf europäischer Ebene hat sich einiges getan. E.C.C.O.-Generalsekretärin Anja Romanowski berichtete über die Generalversammlung, die anders als ursprünglich geplant virtuell und nicht in Irland stattgefunden hat. Zur neuen E.C.C.O.-Präsidentin wurde Elis Marçal aus Portugal gewählt, Susann Corr ist ausgeschieden. Das nächste Treffen von E.C.C.O. wird 2021 stattfinden, wenn der Europäische Dachverband sein 30-jähriges Bestehen feiert. Im Jubiläumsjahr 2021 wird auch das Blueprint Project CHARTER starten, an dem sich der VDR beteiligen wird. Aktuell  sammelt E.C.C.O. die bisher durchgeführten Corona-Umfragen seiner Mitgliedsverbände, um europaweite Vergleiche anstellen zu können.

40. VDR-Vorstandssitzung (Screenshot: Patricia Brozio)

VDR-Haushalt und Investitionen

Im Haushalt des VDR wurde durch die Erhöhung der Mitgliederbeiträge das Minus aus dem Jahr 2018 ausgeglichen, sodass der Jahresabschluss 2019 um 30 Prozent gestiegen ist. Für das laufende Jahr gab es Einsparungen durch den Corona-bedingten Ausfall von Veranstaltungen. Die Mitgliederzahlen sind weitgehend stabil. Es gab nur wenige Kündigungen, denen Neueintritte gegenüberstehen. Für das kommende Jahr ist der Haushalt ähnlich kalkuliert. Dabei wird im Plan A mit Corona und im Plan B ohne Corona gerechnet. Dies betrifft vor allem die Veranstaltungen des VDR, die künftig sowohl virtuell als auch analog kalkuliert werden.

Investitionen in die Zukunft stehen an. Die Neuaufsetzung der Mitgliederdatenbank wird die Verwaltung erleichtern und die Nutzbarkeit erhöhen. Das Online-Berufsregister als Recherche-Tool soll verbessert werden. In die digitale Infrastruktur soll investiert werden, damit Veranstaltungen wie Webinare, Gremientreffen und gegebenenfalls auch Tagungen online noch professioneller umgesetzt werden können.

Berufsbild und Willkommenspakete für Erstsemester

Berufspolitische Themen waren ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung. Paul Grasse berichtete aus Berlin über den Stand der Arbeit am Berufsbild. Auch wenn das Thema Prüfungsverordnung im Handwerk in den vergangenen Monaten dominierte, sind die Fachgruppen weiterhin aufgerufen, mit- und zuzuarbeiten.

Trotz der Schließungen und pandemiebedingten Komplikationen wurde die Zusammenarbeit mit den Hochschulen erheblich verbessert. Die meisten Erstsemester haben – oft im Rahmen einer Vorstellung des Berufsverbandes – Willkommenspakete des VDR erhalten. Buchstäblich abzustauben waren weiche Ziegenhaarpinsel. Zudem gab es stabile Fotomaßstäbe, VDR-Bleistifte und -Beutel für die angehenden Restaurator*innen. Finanziert wurden die Anerkennungen zur Begrüßung im Berufsstand durch das Preisgeld des „Riegel – KulturBewahren“. Außerdem sponserte die Firma Zilkens Handschuhe für die Studierenden. Auch künftig wird der VDR versuchen, bei den Einführungsveranstaltungen mit dabei zu sein, Grußworte zu sprechen und wo gewünscht auch Fragen zu beantworten. Dies erfolgt in Person vor allem durch die VDR-Landesgruppenvertreter und RiA-Mitglieder an den jeweiligen Hochschulen. In diesem Jahr sendete Sven Taubert zudem einen Videogruß an die Studierenden des CICS der TH Köln. An der HTW Berlin, der FH Potsdam und an der HAWK war der VDR vor Ort mit dabei.

Zu den Veranstaltungen berichtete Vizepräsidentin Gisela Gulbins. Alle Tagungen aus dem laufenden Jahr sind bereits früh auf 2021 und 2022 verschoben worden. Das Metigo-Seminar, die Exkursion zu den Kaisergewändern im Domschatz zu Bamberg der Fachgruppe Textil (ggf. neuer Termin im Januar 2021), das Seminar „Richtig versichert als Restaurator/in“ und die Messen „denkmal“ und „Mutec“ wurden abgesagt. Die für das kommende Jahr angesetzten Veranstaltungen sollen möglichst stattfinden. Da für Großveranstaltungen kaum genügend große Räume vorhanden sein werden und weiterhin mit den AHA-Regeln gerechnet werden muss, prüft und kalkuliert die Geschäftsstelle nun digitale Alternativen. Bis es soweit ist möchte der VDR seinen Mitgliedern mehrere kleinere Webinare anbieten. Auch die Fach-, Interessen- und Landesgruppen wünschen sich Online-Meetings. Die Umsetzung sollte im Nachgang der Vorstandssitzung in kleineren Gruppen organisiert werden.

40. VDR-Vorstandssitzung (Foto: Kerstin Jahn)

Neue digitale Formate auch beim Europäischen Tag der Restaurierung

Auch im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit war die digitale Präsenz das wichtigste Thema. Zum just vergangenen Europäischen Tag der Restaurierung sind spannende neue Formate wie Videos, Podcasts und auch Websites mit Blogs entstanden. Ein Drittel der rund 100 gebotenen Veranstaltungen waren digitale Beiträge. Trotz Corona konnten jedoch auch 62 Veranstaltungen vor Ort stattfinden. Lediglich eine Veranstaltung am Kölner Heumarkt musste coronabedingt kurzfristig abgesagt werden.
Die Veranstaltungsanmeldungen auf www.tag-der-restaurierung.de kamen so kurzfristig wie bisher noch nie. Dennoch konnte die VDR-Geschäftsstelle alle Veranstaltungen überregional und auch in den lokalen Medien bewerben, was zu großem Interesse und positiven Berichten beitrug.
Auch das Motto „Schön kaputt“ wurde vielfach aufgegriffen. Das Walraff-Richartz-Museum stellte in einer Ausstellung anlässlich des Aktionstags sogar „kaputte Kunst“ aus.
Die Verknüpfung aus digitalen und analogen Angeboten soll auch im nächsten Jahr erfolgen. In den sozialen Medien wird der VDR selbst aktiv sein und freut sich, wenn seine Mitglieder in der Woche der Restaurierung ebenfalls vermehrt twittern und posten. Gerade auf Instagram wurden mit einzelnen Beiträgen sehr große Reichweiten (bis zu 1.500 Likes für ein Foto) erreicht. Hier mit dabei zu sein, lohnt sich für Jeden.
Kurzum: Der VDR hat gerade in Bezug auf die Nutzung digitaler Medien in diesem Jahr einiges dazugelernt. Dieser Erfahrungsschatz soll unbedingt in die Planungen 2021 einfließen. Allen Beteiligten ist es zu verdanken, dass der Tag trotz der derzeitigen Einschränkungen zu diesem Erfolg geworden ist.

#Meetoo-Debatte im Kulturbereich

Den VDR erreichte Ende September ein Schreiben der Staatsministerin Prof. Monika Grütters mit der Bitte um Beteiligung an einer Online-Befragung zur Projektstudie „Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Gewalt in der deutschen Kultur- und Medienbranche“, die wir an unsere Mitglieder weiterreichten. Es ist davon auszugehen, dass sexuelle Belästigung und soziale Diskriminierung auch bei der Berufsgruppe der Restauratoren eine Rolle spielt, wenn beispielsweise Kolleginnen im Kontext der Ausbildung Opfer von Belästigungen werden. Um Kolleginnen und Kollegen in einer solchen Lage zu unterstützen, sollen künftig eine oder mehrere Vertrauenspersonen aus dem Vorstand benannt werden, an die sich Betroffene wenden können.

Bericht: Paul Grasse, Alina Bökert und Patricia Brozio

40. VDR-Vorstandssitzung (Foto: Kerstin Jahn)