1. Workshop für Nachwuchswissenschaftler in der Archäometrie und Denkmalpflege

Der 1. Workshop für Nachwuchswissenschaftler in der Archäometrie und Denkmalpflege fand am 11. und 12. September 2017 in den Räumlichkeiten des Institutes für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt statt und wurde gemeinsam vom DMG-Arbeitskreis Archäometrie und Denkmalpflege und der GNAA ausgerichtet. Bereits am Abend des 10.9. bestand bei einem gemütlichen Abendessen im „Ebbelwoi Unser“ die Möglichkeit […]

Der 1. Workshop für Nachwuchswissenschaftler in der Archäometrie und Denkmalpflege fand am 11. und 12. September 2017 in den Räumlichkeiten des Institutes für Geowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt statt und wurde gemeinsam vom DMG-Arbeitskreis Archäometrie und Denkmalpflege und der GNAA ausgerichtet. Bereits am Abend des 10.9. bestand bei einem gemütlichen Abendessen im „Ebbelwoi Unser“ die Möglichkeit zu einem ersten Kennenlernen. Die Idee zum Workshop wurde von Katrin Westner und Thomas Rose auf der Tagung „Archäometrie und Denkmalpflege“ im September 2016 in Göttingen geäußert, Florian Ströbele erklärte spontan seine Bereitschaft, ebenfalls mitzuwirken. Nach Anfrage beim Verband der Restauratoren (VDR) hat Marc Holly das Organisationskomitee komplettiert.

 

Der Call for Papers für den Workshop wurde breit gestreut (Mailinglisten: GNAA, DMG, DMG-AK Archäometrie und Denkmalpflege, DGUF, VDR, arch-metals; persönliches Anschreiben relevanter Institute, Aushang am Schwarzen Brett des Archäometrie-Studiengangs der Universität Frankfurt). Auf den Call for Papers hin wurden 15 Abstracts eingereicht (davon 2 Poster), zusätzlich wurde jeder Tag mit einem längeren Vortrag einer etablierten Wissenschaftlerin eröffnet. Bis wenige Wochen vor Beginn des Workshops wuchs die Anzahl der Teilnehmenden (ohne die Organisatoren) auf 16 an, sodass insgesamt 35 Personen teilnahmen, von denen eine kurzfristig krankheitsbedingt verhindert war. Unter den Anwesenden waren laut eigenen Angaben bei der Anmeldung 7 DMG- und 5 GNAA-Mitglieder. Aus dem VDR waren fünf Mitglieder anwesend. Obwohl die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überwiegend an deutschen Institutionen beheimatet sind, waren die Organisatoren über den hohen Anteil nicht-deutschsprachiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer erstaunt. Die Kommunikation verlief daher ausschließlich auf Englisch, obwohl der Call for Papers beide Sprachen gleichermaßen zuließ und Beiträge in deutscher Sprache gleichermaßen erlaubt waren und auch präsentiert wurden. Besonders zu erwähnen sind überdies zwei Teilnehmende aus Southampton und Budapest.

Die im Workshop präsentierten Beiträge begeisterten sowohl durch ihre Fragestellungen als auch ihre Qualität. Die Keynotes lieferten einen sich gegenseitig ergänzenden Überblick über die in der Archäometrie angewandten analytischen Methoden. Während Metalle und anorganische Pigmente aus den Königsgräbern von Ur im Zentrum des Vortrags von Sabine Klein (Deutsches Bergbau-Museum, vorher Goethe-Universität Frankfurt) standen, zeige Marlène Aubin vom RGZM, wie mit moderner Analytik die Zusammensetzung von antiken medizinischen Präparaten rekonstruiert werden kann. Alle weiteren Beiträge wurden entsprechend ihrer Ausrichtung in die vier Sessions „Ceramics“, „Methods“, „Metals I“ und „Metals II“ unterteilt und spannten thematisch einen Bogen von der Analyse iranischer Keramik über Computertomographie an Steinobjekten und der Rekonstruktion verschiedenster Aspekte im Lebenszyklus von Metallen bis hin zu mobilen Probenahmegeräten und kombinierten analytischen Geräten. Die zum Teil lebhaften Diskussionen innerhalb der Sessions konnten in den Pausen, beim gemeinsamen Mittagessen in der Mensa oder beim Grillen am Montagabend fortgeführt werden. Ein Highlight waren dabei zweifelsohne die zwei vom Springer-Verlag gesponserten italienischen Sahnekuchen.

Ebenfalls vom Springer-Verlag wurden drei großzügig dotierte Preise in Form von Buchgutscheinen ausgelobt. Die Preisträger wurden je zur Hälfte durch das Voting einer Jury aus den anwesenden etablierten Wissenschaftlern (Sabine Klein, Ralf Milke, Jürgen Schram) und den Einzelvotings der übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmt. Wir gratulieren herzlich Tobias Kiemle (Universität Tübingen) zum ersten, Miriam Andrews (University of Southampton) zum zweiten und Katrin Westner (Universität Frankfurt) zum dritten Platz.

Den Abschluss des wissenschaftlichen Programms bildeten zwei Diskussionsrunden zu den Themen „Dream and Reality: Archaeological Objects between Analysis and Conservation“ und „Building Bridges: Research and Networking in the Interplay of Conservation and Archaeometry“. Im Laufe der ersten Diskussionsrunde wurde festgestellt, dass zwischen Restauratoren, Archäometern/Analytikern und Archäologen noch immer große Kommunikationsdefizite bestehen und die Diskussion nicht so sehr um den Umgang mit den Objekten geführt werden muss, sondern um die Fragestellungen. Eine direkte Zusammenarbeit findet hierbei oft nur in größeren Projekten statt.

Außerhalb von Projekten wären gemeinsame Tagungen ideal für einen direkten Austausch. Allerdings sind sie auf Grund der oft für die jeweils andere Gruppe zu fachspezifisch ausgerichteten Beiträge unattraktiv, selbst wenn dies nicht auf das Thema des Beitrages zutrifft. Insbesondere den Nachwuchswissenschaftlern als den künftigen etablierten Wissenschaftlern kommt daher die Aufgabe zu, durch entsprechende Initiativen zu einer Verbesserung der aktuellen Situation beizutragen und eine gemeinsame interdisziplinäre Sprache zu entwickeln.

Die zweite Diskussionsrunde fokussierte die mangelnde Vernetzung innerhalb der deutschen Archäometrie und insbesondere unter ihren Nachwuchswissenschaftlern. Es wurde konstatiert, dass hierfür bislang geeignete Strukturen fehlen. So ist eine breite Kommunikation zwischen den einzelnen Institutionen über Mailinglisten, wie von Frau Aubin für Frankreich geschildert, bisher nicht möglich. Es wurde daher beschlossen, eine entsprechende Mailingliste einzurichten, flankiert von einer Facebook-Gruppe für Nachwuchswissenschaftler. Als Server für die Mailingliste hat Ralf Milke den DMG-Server angeboten. Die Ansiedlung bei der GNAA, als der die gesamte Archäometrie/ naturwissenschaftliche Archäologie vertretenden Verband wäre jedoch zu bevorzugen. Ebenso wurde während der Diskussion konstatiert, dass Angebote von der GNAA für wissenschaftlichen Nachwuchs vermisst werden.

Über den Ablauf und den Ergebnissen des Workshops herrscht von Veranstalterseite aus große Zufriedenheit. Die Erwartungen wurden zum Teil noch übertroffen. Basierend auf den Ergebnissen der Evaluation waren auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr zufrieden. Der Workshop wurde durch die Teilnehmer anhand eines im Vorfeld entworfenen Fragebogens mit "Sehr gut bis gut" evaluiert.

Eine Wiederholung der Veranstaltung im kommenden Jahr bzw. mit einem regelmäßigen Turnus wurde von den Teilnehmenden sehr begrüßt. Hier haben sich sowohl Katharina Kuntz als auch Ralf Milke (beide aus Berlin) bereit erklärt. Wir als Organisatoren würden uns freuen, wenn dieser Workshop weitergeführt wird und sich mit Unterstützung der DMG, der GNAA und des VDR etabliert.

Katrin Westner, Thomas Rose, Florian Ströbele und Marc Holly, Frankfurt im September 2017