Dirk Ferlmann fehlt uns (11. Oktober 1965 – 22. Februar 2019)

Die Schönheit asiatischer Papiere, ihren einzigartigen Glanz, ihre Widerstandskraft und auch ihre Fragilität, faszinierte den Kölner Diplom-Restaurator Dirk Ferlmann auf besondere Weise. Über zwei Jahrzehnte schenkte er ihnen seinen kennerschaftlichen Blick, untersuchte und erspürte er ihr Wesen um das Notwendige zu tun, sie auf Dauer zu erhalten. Seine fachliche Expertise deckte dabei ein noch viel […]

Die Schönheit asiatischer Papiere, ihren einzigartigen Glanz, ihre Widerstandskraft und auch ihre Fragilität, faszinierte den Kölner Diplom-Restaurator Dirk Ferlmann auf besondere Weise. Über zwei Jahrzehnte schenkte er ihnen seinen kennerschaftlichen Blick, untersuchte und erspürte er ihr Wesen um das Notwendige zu tun, sie auf Dauer zu erhalten. Seine fachliche Expertise deckte dabei ein noch viel weiteres Feld ab, reichte von exotischen Schriftträgern, über Bücher, Archivalien, Handschriften, Malerei und Zeichnung auf Papier, bis hin zur Fotografie.

Nach einer Buchbinderlehre im Handwerk studierte Dirk Ferlmann bis 1997 Restaurierung und Konservierung von Schriftgut, Graphik, Buchmalerei an der damaligen Fachhochschule Köln. Mit seiner Diplomarbeit über „Lichtschutz in Ausstellungen“ empfahl er sich früh für konservatorische Aufgaben im musealen Umfeld, betreute unzählige große und erfolgreiche Ausstellungsprojekte, insbesondere in der Bundeskunsthalle Bonn. Mutig gründete er auf diesen Erfahrungen aufbauend bald ein eigenes „Atelier für Papierrestaurierung“, das heute weit über die Grenzen Kölns hinweg bekannt ist und bis in Fachkreise hinein ein hohes Renommee genießt.

Dirk Ferlmann 11. Oktober 1965 – 22. Februar 2019

Das Konservieren und Restaurieren als globales Anliegen, über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg, war für Dirk eine Selbstverständlichkeit, die er mit derselben Hingabe und dem aufmerksamen Blick für das Detail pflegte, wie sein persönliches Interesse für die Kultur und Philosophie des Fernen Ostens, vor allem Japans. Im Auftrag der UNESCO sowie des Goethe-Instituts Ulan Bator unterrichtete er regelmäßig die Konservierungs- und Restaurierungswissenschaft von Kunst und Schriftgut in der Mongolei, half dort in zum Teil fernab gelegenen Klöstern Restaurierungswerkstätten aufzubauen.

Viele Studierende aus dem Bereich der Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften förderte er, indem er ihnen anbot, in seinem Atelier zu lernen und zu arbeiten, lohnenswerte Themen für Studien- und Forschungsprojekte anregte und ihre Arbeiten bereichernd betreute.

Mit Dirk im Team zusammenzuarbeiten bedeutete, sich anstecken zu lassen von seiner offenen und aufgeschlossenen Art, von seinem geschärften Blick auf die Sache und von seiner klaren Fokussierung auf das Ziel, die all seine fachlichen Projekte prägte. Treu blieb er sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber, indem er auch ernste Dinge mit einer unverwechselbaren Leichtigkeit, mit großer Zuversicht und Humor nahm, der ihm ganz typisch zu eigen war.

Unser lieber Kollege, Dirk Ferlmann, starb nun, am 22. Februar dieses Jahres, viel zu früh, nach schwerer Krankheit. Wir fühlen mit seiner Familie und seinem Freundeskreis.
Viele Kolleginnen und Kollegen, die ihn kannten und schätzten, vermissen ihn jetzt sehr. Das von ihm ins Leben gerufene Kölner „Atelier für Papierrestaurierung“ wird in seinem Sinne weiter fortgeführt.

Auch darüber hinaus wird über die Erinnerung an Dirk Ferlmann vieles erhalten bleiben, wie die Schönheit jener Papiere, deren Glanz sich offenbart, … beim genauen Hinsehen.

Thomas Klinke
im April 2019