Drei Tage Rissverklebung in Theorie und Praxis – ein Seminarbericht

Vom 10.-12. Mai 2017 fand im LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Abtei Brauweiler in Pulheim das Seminar „Rissverklebung“ der Fachgruppe Gemälde im VDR statt. Die Leitung hatten Petra Demuth und Hannah Flock, beide von der Technischen Hochschule Köln. Jenny Schulz und Anne Heckenbücker berichten vom Seminar.   Seminar Rissverklebung, Brauweiler 2017 (Foto: Anne Levin) Seminar […]

Vom 10.-12. Mai 2017 fand im LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Abtei Brauweiler in Pulheim das Seminar „Rissverklebung“ der Fachgruppe Gemälde im VDR statt. Die Leitung hatten Petra Demuth und Hannah Flock, beide von der Technischen Hochschule Köln. Jenny Schulz und Anne Heckenbücker berichten vom Seminar.

 

 

Drei aufschlussreiche Tage boten uns gebündeltes Wissen und ermöglichten einen regen Austausch. Jeder Vormittag startete mit einem theoretischen Teil und nachmittags konnte das neu Erlernte praktisch vertieft werden. Eine optimale Mischung aus Theorie und Praxis.
Begonnen wurde mit den Grundlagen der Rissverklebung und beispielsweise der Frage: “Warum verkleben wir eigentlich Risse?“. Durch den Einbezug weiterer Aspekte wie Verklebungstechniken, Gemäldespannung sowie Anforderungen und Eigenschaften diverser Klebstoffmaterialien wurde tiefer in die Rissverklebung eingetaucht.

Unglaublich spannend war die Kombination der beiden Referentinnen Petra Demuth und Hannah Flock. Petra Demuth mit ihrer praxisorientierten Herangehensweise und ihrem großen Erfahrungsschatz führte sehr anschaulich und zugleich unterhaltsam an die Themen heran. Ihre Begeisterung war ansteckend! Vor allem sprach sie sehr offen über eigene Fehler und was sie daraus gelernt hat. Dies vertrieb letzte Reste von Unsicherheit und regte die Teilnehmer an, ebenso befreit mit ihren Fehlern umzugehen. Hannah Flock schaffte die Verbindung zum neuesten Forschungsstand auf der Grundlage ihrer eigenen Erkenntnisse im Rahmen ihrer Promotion. Sie vertiefte die physikalische Richtung und vermittelte bislang in der Restaurierung wenig erforschte Zusammenhänge für das Kräfteverhalten und die technische Mechanik im Gewebe. Das war neu und sehr interessant!

Natürlich trugen nicht zuletzt die Teilnehmer selbst zum Gelingen des Seminars bei. Es zeigte sich eine gute Mischung aus allen Sparten der Restaurierung. Ebenso mischten sich alte Hasen mit jungen Hochschulabsolventen und konnten sich gegenseitig inspirieren. In einer offenen Gesprächsrunde nach jedem Theorieteil gingen die Gespräche weit über das Thema Rissverklebung hinaus. Viele Ausflüge in weitere spannende Gebiete wie z.B. Rückseitenschutz entstanden. Anregend war hier beispielsweise auch Petra Demuths Ermunterung zum Überdenken unserer oft eingefahrenen Restaurierungsansichten.

Die Abtei Brauweiler war ein ausgezeichneter Austragungsort für dieses Seminar. Es ist nicht nur ein Ort mit einer langen Restaurierungstradition sondern auch mit einer sehr bewegenden Geschichte. Entscheidend für das Gelingen und die organisatorische Umsetzung des Seminars war auch in diesem Jahr die gute Zusammenarbeit zwischen Restauratorenverband, Hochschule und dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland. Erst die Kombination der jeweils zur Verfügung stehenden Kompetenzen und Kapazitäten ermöglicht ein solches Weiterbildungsangebot.

In den gut ausgestatteten und großzügigen Werkstätten des LVR-Amtes durfte jeder an einem eigenen Mikroskop praktisch üben. Die Übungen waren von den Referentinnen sehr sinnvoll ausgewählt und sorgfältig vorbereitet. So standen jedem Teilnehmer realistische Leinwandrisse unterschiedlicher Art zur Verfügung, an denen die Möglichkeiten und Vielfältigkeit der Rissschließung geprobt werden konnten. Unterstützend wurden die Übungen live als Videobeam an die Wand projiziert. Diese realen Situationen regten den Austausch unter allen Restauratoren zusätzlich an. Petra Demuth und Hannah Flock standen uns stets zur Seite und gaben Tipps, wie mit verschiedenen Situationen umgegangen werden kann. Ein echtes Training, welches man unmittelbar mit in die eigene Praxis nehmen konnte. Ausführungen, wie man mit klaffenden Rissen umgehen kann, Erläuterungen zur Zugmaschine dem „Trecker“, Funktion und Modifikationsmöglichkeiten sowie ein Exkurs über die Arbeit mit Intarsien vollendeten dieses lehrreiche Seminar.
Ob beim gemeinsamen Mittagessen, in den Kaffeepausen oder beim gemütlichen Abend – das Seminar war geprägt von anregenden Gesprächen und es herrschte eine angenehm lockere Atmosphäre. Unabhängig vom Vorwissen konnten alle Teilnehmer am Ende Erfolge verzeichnen.

Völlig angeregt davon gingen wir nach den drei Tagen auseinander. Natürlich auch mit ein bisschen Wehmut, denn es hatte sich während des Workshops aus allen Teilnehmern eine nette Gruppe gebildet, die sich jetzt wieder über ganz Deutschland und darüber hinaus verteilte.
Vielen Dank! Ein lehrreiches Seminar, lebhaft und überzeugend dargeboten.
Wir waren restlos zufrieden und begeistert.