Teil 18 der Serie „Mit Kalkül“: Die Entlohnung von Praktika

Restauratoren aufgepasst: Was Sie als Vorpraktikant und was als Praktikums-Anbieter unbedingt beachten müssen Über die Entlohnung von Praktika kursiert viel Uneinheitliches in den Medien. Das verwirrt diejenigen, vor der Aufnahme […]

Restauratoren aufgepasst: Was Sie als Vorpraktikant und was als Praktikums-Anbieter unbedingt beachten müssen

Über die Entlohnung von Praktika kursiert viel Uneinheitliches in den Medien. Das verwirrt diejenigen, vor der Aufnahme ihres Studiums der Konservierung-Restaurierung nach einer Praktikumsstelle suchen. Es verunsichert aber auch die selbstständigen oder angestellten Restauratoren, die in ihren Ateliers oder in den Werkstätten von Museen und Denkmalämtern Praktikantenplätze zur Verfügung stellen wollen.

Kein Mindestlohn für Pflichtpraktika vorgeschrieben

Wer wissen möchte, ob er während seines Vorpraktikums entlohnt wird, muss die Zulassungsvoraussetzungen der Hochschule lesen, an der er vorhat zu studieren. Also Augen auf beim Checken der einzelnen Websites!

Wird dort das Praktikum als verpflichtend angegeben, besteht kein Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Seit 1. Juli 2021 liegt dieser bei 9,60 Euro pro Stunde. Zwar heißt es im Gesetz, dass grundsätzlich auch für Praktikanten die Mindestlohn-Regelung gilt, doch nennt das Gesetz Ausnahmen von dieser Regel. Darunter fallen künftige Studierende der Konservierung-Restaurierung. Denn wird in diesem Studiengang als Zulassungsvoraussetzung ein Pflichtpraktikum angegeben, steht den Praktikanten kein Mindestlohn zu. Ob ein Praktikant überhaupt eine Vergütung erhält, ist dem Arbeitgeber überlassen.

Allerdings muss der Arbeitgeber den Pflichtpraktikanten zur Sozialversicherung anmelden. Diese sind in der Regel nicht immatrikuliert, wenn sie vor oder nach dem Studium ein vorgeschriebenes Praktikum absolvieren.

Praktika ohne Vergütung sind die Ausnahme

Laut einer Studie sind zwar 92 Prozent aller Praktika bezahlt, aber die Verpflichtung ein vorgeschriebenes Praktikum zu entlohnen, hat der Arbeitgeber nicht. Im Jahr 2019 zahlten Unternehmen Pflichtpraktikanten im Durchschnitt 889 Euro im Monat, freiwilligen Praktikanten 1196 Euro monatlich. Konzerne entrichteten 2019 im Mittelwert 1319 Euro – rund 230 Euro mehr als kleine und mittlere Unternehmen. Schlusslicht mit 407 Euro Durchschnittsgehalt für Praktikanten waren vor zwei Jahren öffentliche Verwaltungen.

Sofern der Mindestlohn laut Gesetz nicht fällig ist, kann jeder Arbeitgeber individuell festlegen, ob und wieviel Gehalt er einem Praktikanten entrichtet. Ebenso besteht keine Verpflichtung einen Aufwandsersatz zu zahlen. Der Praktikant kann wohl an seinen Arbeitgeber appellieren, dass ihm Bus- oder Bahntickets erstattet werden oder Benzingeld gezahlt wird, einen Anspruch darauf hat ein Praktikant aber nicht.

Allerdings sollten Arbeitgeber nicht außer Acht lassen, dass sie in der absoluten Minderheit sind, wenn sie ihren Praktikanten nichts zahlen. Sie dürfen sich daher nicht wundern, wenn vielversprechende Kandidaten zur zahlenden Konkurrenz gehen. In der kleinen Restaurierungs-Branche wird sich eine zurückhaltende Einstellung gegenüber einem Praktikantenlohn herumsprechen und es werden womöglich auf Dauer Bewerber für Praktikantenstellen ausbleiben, wenn sie zum Nulltarif arbeiten sollen.

VDR-Service für Praktikanten

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Zulassungsvoraussetzungen für den Studiengang Konservierung-Restaurierung im deutschsprachigen Raum sind auf der VDR-Website zu den einzelnen Hochschulen zu finden. Einige Hochschulen bieten Hilfestellungen bei der Auswahl von Praktikumsplätzen an. In der Jobbörse des VDR werden außerdem fortlaufend Praktikumsangebote veröffentlicht. Auch können dort kostenfrei Gesuche geschaltet werden.

Die Interessengruppe Restauratoren in Ausbildung (RiA) im VDR hat zudem eine Liste von Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema Studium und Ausbildung zusammengetragen. Daneben steht ein Mustervertrag für  das Vorpraktikum bereit, den die RiA erarbeitet haben und der nach rechtlicher Prüfung durch den VDR-Vorstand zur Nutzung für alle freigegeben wurde.

Dr. Christiane Schillig

Beachten Sie bitte, dass unsere Serie Tipps für die Praxis vermittelt und ein Ratgeber von Restauratoren für Restauratoren ist. Sie können keine rechtliche oder steuerrechtliche Beratung ersetzen. Bitte wenden Sie sich bei individuellen Anfragen an Ihren Anwalt oder Steuerberater!

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"Mit Kalkül"