Ergebnisse der Umfrage zur Situation der Restauratoren in der Coronakrise

Unsere Umfrage, die vom 21.-30. April 2020 lief, gibt einen Zwischenbericht zur Lage der Restaurator*innen in Deutschland und liefert zugleich einige Anregungen zum Arbeiten während der Krise. Teilgenommen haben 262 Selbstständige und 194 Angestellte, wobei anzumerken ist, dass es auch einige freiberufliche Restaurator*innen gibt, die sowohl angestellt als auch selbstständig tätig sind und somit beide […]

Unsere Umfrage, die vom 21.-30. April 2020 lief, gibt einen Zwischenbericht zur Lage der Restaurator*innen in Deutschland und liefert zugleich einige Anregungen zum Arbeiten während der Krise. Teilgenommen haben 262 Selbstständige und 194 Angestellte, wobei anzumerken ist, dass es auch einige freiberufliche Restaurator*innen gibt, die sowohl angestellt als auch selbstständig tätig sind und somit beide Fragebögen durchgegangen sind.

Lage der selbstständigen Restaurator*innen


70% der befragten Selbstständigen sind von der Krise bereits betroffen.
Vor allem ist eine allgemeine Auftragszurückhaltung festzustellen, Aufträge verschieben sich, gerade solche aus öffentlicher Hand, wo die Ansprachpartner derzeit auch schwer erreichbar sind. Es gibt teils Engpässe bei der Beschaffung von Arbeitsmaterial, teils auch rückführbar, dass Restauratoren als Freiberufler über keinen Gewerbeschein verfügen und so während der Schließung von Baumärkten keine Berechtigung hatten einzukaufen. Die Verlegung der Arbeit ins Homeoffice betrifft die Selbstständgen in Teilen, zumal es neben Kontaktbeschränkungen und Kinderbetreuung auch Einschränkungen bei Dienstreisen gibt. Als besonders schwerwiegend wird der Wegfall der Kinderbetreuung empfunden, was sich nicht nur in den Zahlen widerspiegelt sondern auch anhand der zahlreichen Kommentaren in den Freifeldantworten unserer Umfrage klar ablesbar ist. Anzumerken ist hierbei, dass über zwei Drittel der Restaurator*innen Frauen sind.
In Teilen sind Aufträge abgesagt worden und Leistungen noch nicht bezahlt worden. Bereits über ein Drittel verweist auf Finanzierungsengpässe.

Die wesentlichen aktuellen Einschränkungen sind wie folgt in Zahlen festzuhalten:
(bitte fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Karten, um die Prozentzahlen zu sehen)

Allgemeine Auftragszurückhaltung und Verunsicherung

(73% sind teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 49% sehr betroffen und eher betroffen, 24% teils, 27% weniger und nicht betroffen

Verschiebung von Aufträgen aus öffentlicher Hand

(62% sind teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 39% sehr und eher betroffen, 23% teils, 38 % weniger und nicht betroffen

Verschiebung von Aufträgen aus privater Hand

(rund 39% sind teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 19 % sehr  und eher betroffen, 20% teils, 53% weniger und nicht betroffen

Engpässe bei der Beschaffung von Arbeitsmaterial

(rund 50% sind teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 31% sehr und eher betroffen, 19% teils, 50% weniger bis nicht betroffen

Verlagerung ins Homeoffice

(48% sind teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 22% sehr und eher betroffen, 26% teils, 52% weniger und nicht betroffen

Einschränkungen bei Dienstreisen, z.B. Anreise oder Übernachtungen in Hotels

(46% teilweise bis eher betroffen)
Im Detail: 33% sehr und eher betroffen, 12,5% teils, 53,5% weniger und nicht betroffen

Nichterreichbarkeit von Ämtern

(42% sind teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 23% sehr und eher betroffen, 18,5% teils, 58,5% weniger und nicht betroffen

Wegfall der Kinderbetreuung

(40% sind teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 34% sehr und eher betroffen, 6% teils, 59% weniger und nicht betroffen

Finanzierungsengpässe

(34% teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 19% sehr und eher betroffen,16% teils, 66% weniger und nicht betroffen

Absage von Aufträgen aus privater und öffentlicher Hand zu ungefähr gleichen Teilen

(33% teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 18,5% sehr und eher betroffen, 14,5% teils, 67% weniger und nicht betroffen

Ausstehende Bezahlungen von Leistungen

(22% teilweise bis sehr betroffen)
Im Detail: 13% sehr und eher betroffen, 9,5% teils, 76,5% weniger und nicht betroffen

Kurzarbeit oder Entlassungen von Mitarbeitern sind hingegen erwartungsgemäß fast gar nicht der Fall. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass unter den Restaurator*innen viele Solo-Selbstständige sind. 9% haben Einschränkungen durch Erkrankungen von Geschäftspartnern.

Bei fest zugesagten Projekten kam es zum Glück bislang kaum zu finanziellen Einschränkungen (79% sind hiervon nicht betroffen, 17% verweisen auf Zahlungsverzögerungen). Allerdings haben bereits über 52% Umsatzrückgänge in unterschiedlicher Höhe zu verzeichnen, 7% haben gar keine Einnahmen mehr, 3% etwas höhere Umsätze. 38% haben keine Umsatzveränderung.

Auf die daran anknüpfende Frage, bis wann die selbstständigen voraussichtlich noch zahlungsfähig sind, zeigt sich, dass die Mehrheit aktuell noch zahlungsfähig ist, sich dies aber der Einschätzung nach spätestens in zwei Monaten ändert.

Auf die Frage, wann die Restaurator*innen krisenbedingt mit deutlichen Engpässen rechnen, meinten 43%, dass sie dies nicht abschätzen können. 24% erwarten die deutlichen Engpässe erst nach Juni oder später im Jahr. 20% sind von finanziellen Engpässen bereits betroffen. Allgemein gibt es den Tenor, dass massive Probleme vor allem für die Folgejahre befürchtet werden, da es schon jetzt weniger öffentliche Ausschreibungen gibt und Einsparmaßnahmen im Kulturbereich zu erwarten sind.

Über die Hilfspakete ist die Mehrheit informiert, vor allem über die Websites der Länder, des Bundes und des VDR. Einige holten sich auch Rat bei Kollegen oder ihrem Steuerberater. Von den zur Verfügung stehenden Hilfen wird der Einmalzuschuss als Soforthilfe des Bundes bzw. Bundeslandes als am hilfreichsten empfunden, gefolgt von der Förderung von Restaurierungsarbeiten durch die Ernst von Siemens Kunststiftung.

31% der Befragten hat Hilfe beantragt. 69% noch nicht, davon sagen 39%, dass sie dies auch nicht vorhaben. Beantragt wurde vor allem die Einmalzahlung als Soforthilfe (79%). 19% haben auch die Stundung von Steuern, Krankenkassenbeiträgen und Sozialabgaben genutzt. Mit der Beantragung kam die Mehrheit gut zurecht. Wir fragten zudem: Ist es Bund und Ländern durch ihre Hilfen insgesamt gelungen Ihnen mehr wirtschaftliche Sicherheit zu geben? Dies wird mehrheitlich mit „neutral“ beantwortet.

Auf die Frage, welche Hilfsmaßnahmen neben den bestehenden dabei helfen würden besser durch die Krise zu kommen, wünschen sich sehr viele Teilnehmer eine bessere Kinderbetreuung. Sehr wichtig erscheint eine staatliche Förderung von Restaurierungsmaßnahmen durch Bund, Länder und Kommunen  - und das während der derzeitigen Schließungen von Museen und, ganz wichtig, auch in den nächsten Jahren. Denn es werden langfristige Einsparungen befürchtet, die teils schon spürbar werden. Es brauche verbindliche Zusagen, dass Gelder für die Kulturgutbewahrung nicht zusammengestrichen werden.

Genauso geben viele Restauratoren an: Lebenshaltungskosten (Krankenversicherung, Sozialversicherungsbeiträge, laufende Beiträge für Altersvorsorge) müssen abgedeckt werden. Genannt wird z.B. auch eine kostengünstige Versicherungsmöglichkeit wie in der Künstlersozialkasse. Angegeben wird auch, dass ein Grundeinkommen helfen könnte. Auch gewünscht ist eine solidarischere Auftragsvergabe/Ausschreibungspraxis.

Hat die Krise auch positive Effekte auf die restauratorische Arbeit? Die meisten sagen nein. Einige selbstständige Restauratoren, die auf Denkmalbaustellen, in Schlössern und Museen arbeiten, geben jedoch an, dass sie ohne Touristenströme besser arbeiten können. Positiv bewertet wird zudem, dass es teils weniger Stress gibt und Zeit Liegengebliebenes nachzuarbeiten.


Lage der angestellten Restaurator*innen

Mit über 85% ist der überwiegende Teil der angestellten Restaurator*innen bereits von der Coronakrise betroffen.

Als wesentliche Einschränkungen werden genannt:

  • Heimarbeit (vor allem bei den Museen, weniger bei den Ländern)
  • Einschränkungen bei Ortsterminen
  • Doppelbelastung durch Kinderbetreuung und Arbeit bei einem Viertel der Befragten
  • Überstundenabbau (häufig von der Leitung angeordnet)
  • die allgemeinen Abstandsmaßnahmen, was die Arbeit im Team erschwert. Dies ist zum Beispiel beim Transport von Kulturgütern der Fall. Auch sei der kollegiale Austausch deutlich reduziert, da Dienstbesprechungen entfallen. Sämtliche Arbeiten im Team sind auf unbestimmte Zeit verschoben.
  • Einschränkungen in der Bewegungsmöglichkeit im Gebäude, da Bereiche dauerhaft scharf geschlossen sind.
  • Unzureichende technische Ausstattung für die Arbeit im Homeoffice und Museumsnetzwerk
  • Fehlende Handlungsanweisungen des Arbeitgebers zur Umsetzung von Arbeitsabläufen und Einhaltung von Sicherheitsabständen

Kaum eine Rolle spielen Kurzarbeit (nur 11%), unbezahlter Urlaub (unter 1%) bzw. Zwangsurlaub (ca. 8%). Somit gibt es bislang nur bei wenigen Angestellten finanzielle Einschnitte (ca. 5,5%).

Von welchen Corona-bedingten Einschränkungen sind angestellte Restaurator*innen betroffen.
Von welchen Corona-bedingten Einschränkungen sind angestellte Restaurator*innen betroffen.

Auf die Frage nach der Optimierung von Arbeitsprozessen gaben die befragten Angestellten an, dass die Krise genutzt wird:

  • zum Ausbau digitaler Möglichkeiten (über 37%), wobei nur knapp 4% der Restaurierungsateliers mehr Öffentlichkeitsarbeit für die Restaurierungsabteilung betreiben (z.B. Online-Führungen durch die Ateliers, Aufnehmen von Podcasts usw.)
  • zum vermehrten Arbeiten an den Objekten (ca. 20%)
  • zu weiteren Optimierungen (ca. 13%) wie Fotokampagnen von Objekten, Recherchen, Publikationen, Arbeiten in den Ausstellungsräumen (z.B. Arbeiten an den Objekten und auch Aufbau neuer Ausstellungseinheiten), Depotumzüge und auch die Teilnahme an Online-Weiterbildungen.
  • Nur sehr wenige Häuser (ca. 4%) nutzen die Schließungen für Renovierungen und Sanierungen (z.B. Fußböden, Wände, Decken, Vitrinen), die mit Publikumsverkehr nicht möglich wären.

Lediglich 19% der Umfrageteilnehmer berichten, dass die Krise für keinerlei Optimierung genutzt wird.

Die Befragten hatten auch Gelegenheit, Anregungen und Ideen für das Arbeiten in der Coronakrise an Kollegen weiterzugeben. Dabei wurde empfohlen:

  • nur halbe Tage zu arbeiten und halbe Tage Urlaub zu nehmen, um etwa die Kinderbetreuung besser meistern zu können.
  • In der Familie in Schichten zu arbeiten, einer früh, einer spät, um Kinder, Haushalt und Arbeit in Einklang zu bringen
  • Webinare zur Weiterbildung zu erstellen
  • das Museumsnetzwerk vermehrt zu nutzen
  • die Sicherheitskonzepte für Sammlungen zu aktualisieren
  • Führungen online zu machen und etwa „Das Objekt der Woche“ vorzustellen
  • grundsätzlich über neue, effektivere Strukturen von Abläufen nachzudenken, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Ortstermine zu entschlacken, Dokumentationen zu straffen.
  • Ein kleines Team in der Restaurierung/Bestandserhaltung konnte diese ungewöhnliche Zeit nutzen, um den bunten Strauß bestandserhalterischer Themen in einem wöchentlichen Newsletter für das Kollegium an den Mann und die Frau zu bringen. Sie bedienten sich dafür auch zahlreicher frei verfügbarer Videos und kurzweiliger e-Learning-Angebote, die gut in einer Arbeitspause und als Abwechslung im Einerlei des Homeoffice passen. Sie schreiben: „Wir haben sehr positives Feedback erhalten und wurden auch bereits auf einzelne Inhalte angesprochen. Da hat sich der Aufwand doch sehr gelohnt!“

Wir bedanken uns bei unseren Mitgliedern, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten. So haben wir für den Moment einen Gesamtüberblick mit belastbaren Zahlen und Fakten. Eine Basis also, um (weiterhin) die richtigen politischen Forderungen zu stellen und verbandsintern besser planen zu können. Danke!