„Es gibt großes Potential, das wir nutzen werden“

Liebe Mitglieder des Verbandes, ich hatte mehrfach Grund zur Freude, als ich auf der letzten Mitgliederversammlung in Köln zum neuen Präsidenten des VDR gewählt wurde. Zum einen sind es das überzeugende Wahlergebnis und das in mich gesetzte Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen, worüber ich mich freuen darf – wenngleich damit zu Recht auch Erwartungen verbunden […]

Liebe Mitglieder des Verbandes,

ich hatte mehrfach Grund zur Freude, als ich auf der letzten Mitgliederversammlung in Köln zum neuen Präsidenten des VDR gewählt wurde. Zum einen sind es das überzeugende Wahlergebnis und das in mich gesetzte Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen, worüber ich mich freuen darf – wenngleich damit zu Recht auch Erwartungen verbunden sind, die erfüllt werden wollen.

Ich freue mich aber auch über die damit gewonnenen Möglichkeiten, meine schon mehrere Jahre andauernde Verbandsarbeit in verschiedenen Gremien – nun auf anderer Position und auch mit anderer Perspektive – fortsetzen zu können. Aktive Verbandsarbeit ist kraft- und zeitraubend. Es braucht gute Gründe, sich dafür zu begeistern. Solche sind für mich sicher auch in meiner Biografie zu suchen. Mein Vater war freiberuflicher Restaurator und mit Herz und Seele dabei, Dresdens Kriegsschäden beheben zu helfen. Er hat restauratorisch an wichtigen Bauten Sachsens mitgewirkt. Und oft waren es auch da schon interdisziplinär zusammengesetzte Restauratoren-Teams, die sich komplexen Aufgaben widmeten. Dazu zählen etwa der Wiederaufbau der Semperoper und der Katholischen Hofkirche zu Dresden oder die Restaurierung des Historischen Grünen Gewölbes im Dresdner Residenzschloss.

Sehr früh hatte ich also nicht nur Berührung mit der Restaurierung und dem praktischen Alltag der Berufsausübung, sondern habe auch eine besondere Leidenschaft für den Beruf entwickelt. Ich schätze schon immer Teamarbeit und empfinde sie in den Gremien des Verbandes der Restauratoren als große persönliche Bereicherung.

Nach vielen Jahren praktischer Restaurierungsarbeit an Denkmalen und ihren Ausstattungen beschäftigt mich seit über zehn Jahren vor allem die Planung komplexer Restaurierungsvorhaben. Nicht zufällig – möchte ich behaupten – habe ich diesen Weg der Berufsausübung für mich forciert: Wieder sind es Vernetzung und Austausch mit fachlich beteiligten Planern und ausführenden Kolleginnen und Kollegen, die mich besonders interessieren und meinen beruflichen Alltag prägen und bereichern.

In der Vergangenheit haben mich primär fachliche Themen der Verbandsarbeit beschäftigt, nun werden es vordergründig berufspolitische Aufgaben sein. 

Und dennoch – alles hängt eng miteinander zusammen. Hatte ich zu Beginn der 1990er Jahren noch den Eindruck, die Restaurierung gehört zu den wenigen Berufen in der modernen Gesellschaft, die sich durch einen hohen Grad an Beständigkeit bezogen auf Materialverwendung, Technologie und berufsethische Grundsätze auszeichnen, so muss ich mich heute, 30 Jahre später, in mehreren Punkten korrigieren.

Der Beruf hat sich massiv gewandelt. Neue Berufsfelder sind hinzugekommen – denken wir an Prävention, die Konservierung moderner Medien, komplexe Planungs- und Steuerungsaufgaben in der Konservierung/Restaurierung, neue wissenschaftliche Analyseverfahren oder den Sachverständigen- und Gutachterbereich. Restauratoren besetzen die Position von Landeskonservatoren, sind Mitglieder in Ingenieurkammern, in nationalen Denkmalräten, Fachbeiräten oder agieren in führenden Positionen internationaler Organisationen und Gremien. Wie hat sich das Bild geändert seit den Berufsanfängen meines Vaters in der Mitte des 20. Jahrhunderts!

Die aktuellen und zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen in der Konservierung und der Kulturgutpflege werden wir mit unserer Arbeit im VDR engagiert analysieren und erfüllen.

Manche davon sind langwierig und vielschichtig. Man braucht Mut und Geduld, Dingen die Zeit zu geben, die sie brauchen. Aber ich kann fest zusagen, dass wir alles tun werden, um unseren Zielen näher zu kommen. Vieles, vielleicht alles hängt von Menschen ab. So können sich in bestimmten personellen Konstellationen manche Prozesse über Jahre hinziehen, manchmal auch überraschend schnell vorankommen. Letzteres ist meine Hoffnung.

Für die Arbeit als Präsident darf ich natürlich auf meine Kolleginnen und Kollegen im Präsidium, unsere gut strukturierte und erfahrene Geschäftsstelle sowie die Fach-, Landes- und Interessengruppen des VDR setzen, die die anstehenden Aufgaben gemeinsam mit mir bewältigen werden. Es gibt ein großes Potential an sich ergänzenden Kompetenzen, das wir klug nutzen werden. Als Präsident bin ich schließlich Teil eines starken Teams, das mir große Gelassenheit und Zuversicht gibt.

Taubert Sven

Zu meiner Person:

Ich entstamme einer Dresdner Restauratorenfamilie und studierte nach der Mitarbeit im väterlichen Atelier, am Militärhistorischen Museum Dresden und dem Institut für Denkmalpflege (heute LfD Sachsen) in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste.

Seit 1991 bin ich selbstständig freiberuflich tätig. Das 1992 zusammen mit Dipl.-Rest. Eric Stenzel gegründete Büro für Bauforschung, Denkmalpflege, Restaurierung und Restaurierungsplanung besteht bis heute. Zahlreiche denkmalpflegerische (Groß-) Projekte wurden in den Jahren von uns bearbeitet – meistens im öffentlichen Auftrag.

15 Jahre habe ich als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (IHK) bei Gericht oder in privatem Auftrag gearbeitet. Die Beteiligung an Forschungsprojekten des Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT, später BMBF) und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) haben mir zur Vertiefung einiger Wissensfelder der Restaurierung und präventiven Konservierung verholfen. Ein Exkurs an die FH Erfurt (Vertretungsprofessur) gehört auch zu meiner beruflichen Biografie und lässt mich in dankbarer Verbundenheit mit dem dortigen Kollegium gern dahin zurückblicken.

Seit 2010 Jahren arbeitete ich als leitender Restaurator und Projektsteuerer im Hochwasser-Wiederaufbaustab des Zisterzienserinnenklosters St. Marienthal in der sächsischen Oberlausitz.

Deutschlandweit bin ich unterwegs mit Lasertechnologie für Restaurierung und Kulturguterhaltung.

Ich bin VDR-Gründungsmitglied und hier seit langem ehrenamtlich im Vorstand engagiert – u. a. in der IGSF, dem HOAI-Ausschuss, dem Arbeitsausschuss für Sachverständigen- und Gutachterwesen und im Denkmal-Messebeirat.

2013 übernahm ich die Nachfolge von Jan Raue als Vorsitzender der Fachgruppe Wandmalerei/Architekturoberflächen. Im November 2019 wurde ich zum Präsidenten des VDR gewählt.